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Ist der Superzyklus für Agrargüter und Rohstoffe vorbei? (Teil 2)

Rodolphe Roche, Fondsmanager und Leiter Rohstoffresearch

Insgesamt betrachtet ist festzustellen, dass einem instabilen und äusserst volatilen Angebot Jahr für Jahr eine immer höhere Nachfrage aus Schwellenländern und Erzeugerländern von Biokraftstoffen gegenübersteht. Nach unserer Einschätzung besteht die Gefahr für den Anleger darin, die Schwäche der gegenwärtigen Preise als strukturell zu betrachten. Wir führen diese Schwäche jedoch auf ein Angebot zurück, das derzeit zwar ausreichend ist, aber voraussichtlich nur von vorübergehender und nicht nachhaltiger Natur sein wird. Solange es den Landwirten weltweit nicht gelingt, ihren Ertrag bzw. ihre Produktion wesentlich zu steigern, zweifeln wir stark an der Hypothese eines «Endes des Preissteigerungszyklus von Agrarrohstoffen».

Der technischen Analyse zufolge scheinen sich die Preise für Rohstoffe (d.h. Energie, Basis- und Edelmetalle sowie Agrarrohstoffe) langfristig gemäss ca. 55 Jahre dauernden Zyklen zu entwickeln (auch als Kondratjew-Zyklen bezeichnet). Innerhalb dieser einzelnen Zyklen sind zwei völlig unterschiedliche Muster zu beobachten: Das erste und wichtigste Muster umfasst eine Aufwärtsphase, die in den vorherigen Zyklen durchschnittlich 44 Jahre dauerte:

Tiefpunkt 1824 – Höhepunkt 1864 (Sezessionskrieg) = 40 Jahre
Tiefpunkt 1878 – Höhepunkt 1920 (Erster Weltkrieg) = 42 Jahre
Tiefpunkt 1930 – Höhepunkt 1980 (Kalter Krieg) = 50 Jahre

Auf die Aufwärtsphase folgt eine starke Korrektur innerhalb eines begrenzten Zeitraums (durchschnittlich elf Jahre), in dem generell alle Zugewinne der vorherigen Aufwärtsphase zunichtegemacht werden:

Höhepunkt 1814 – Tiefpunkt 1824 = 10 Jahre
Höhepunkt 1864 – Tiefpunkt 1878 = 14 Jahre
Höhepunkt 1920 – Tiefpunkt 1930 = 10 Jahre
Höhepunkt 1980 – Tiefpunkt 1991 = 11 Jahre

2020 oder 2021 ein Zwischenhoch?

Sollte dieses Muster auch heute noch gelten, dürfte die gegenwärtige 1991 begonnene Aufwärtsphase 2035 mit einem Höhepunkt enden (d.h. 1991 + 44 Jahre). 2046 dürfte demnach ein ausgeprägter Tiefpunkt eintreten (1991 + 55 Jahre).

Das zweite und weniger offensichtliche Muster betrifft lediglich die Aufwärtsbewegungen. Tatsächlich tritt nach jeder der vorgenannten Aufwärtsphasen ca. dreissig Jahre nach dem Tiefpunkt ein Zwischenhoch ein:

Tiefpunkt 1824 – Höhepunkt 1854 = 30 Jahre
Tiefpunkt 1878 – Höhepunkt 1907 = 29 Jahre
Tiefpunkt 1930 – Höhepunkt 1948 = 18 Jahre.

Sollte das Muster weiterlaufen, dürfte in der gegenwärtigen Aufwärtsphase 2020 oder 2021 ein Zwischenhoch eintreten (1991 + 29 oder 30 Jahre).

Die technische und zyklische Analyse der Rohstoffpreise verweist auf eine langfristige Aufwärtsphase. Dies belegt, dass der grosse Hochpreiszyklus noch nicht zu Ende sein dürfte.

Interessant in Bezug auf diese Anlageklasse ist ebenfalls die Analyse der Investorenstimmung. Zwischen 2005 und 2008 (d.h. nur drei Jahre lang) interessierten sich die Anleger ungewöhnlich stark für Agrarprodukte. In der Folge stiegen die Preise in diesem Zeitraum um ca. 60% (Rogers International Agriculture Index). Danach schlug die Stimmung in Bezug auf diese Produkte ins Gegenteil – bis zum völligen Desinteresse – um. So interessieren sich die Investoren mittlerweile kaum noch für dieses Thema.

Keine Hungerrevolten

In den grossen Tageszeitungen ist nicht mehr die Rede von «Food Riots» (Hungerrevolten) in bestimmten Schwellenländern. Regierungen und die grossen internationalen Institutionen fordern kaum noch die möglichst baldige Regulierung der Rohstoffmärkte oder ein Verbot der Spekulation mit Nahrungsmitteln. Selbst karitative Organisationen behandeln das Thema nur noch am Rande. Auch die Anleger, die massiv in diese Produkte investierten und sich in den Jahren vor der Krise ein einschlägiges Fachwissen aufbauten, haben ihre Positionen inzwischen abgestossen und andere, scheinbar aussichtsreichere Vermögenswerte erworben, wie Aktien und Anleihen.

Dem Contrarian-Ansatz zufolge bildet vorzugsweise ein solchermassen extremes Marktumfeld, wo es keinerlei Überinvestitionen und Euphorie mehr gibt, den Anfang vom Ende der grossen Hochpreismärkte. Es sei noch angemerkt, dass sich die grossen Anlegergurus keinesfalls von den Agrarrohstoffen abgewendet haben. So zählen der berühmte amerikanische Investor Jim Rogers und der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Marc Faber zu den grössten Optimisten, was die langfristigen Aussichten für diese Anlageklasse angeht.

Marc Faber äusserte sich hierzu im Juli 2014 mit folgenden Worten: «Die Agrarpreise für Weizen (Weizen 134.4 0%), Soja und andere Rohstoffe sind gewiss gefallen. Doch langfristig betrachtet wird sich die Weltbevölkerung gegenüber 1960 mehr als verdoppeln. Inzwischen leben sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde, und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Ich bin der Auffassung, dass die Ressourcen äusserst knapp sind und Nahrungsmittel grosse Bedeutung erlangen werden. Ich schätze generell Unternehmen, die in Anbauflächen investieren, und interessiere mich stark für alles, was mit Landwirtschaft zu tun hat.»

Das Fazit

Fazit: Die von uns herangezogenen drei Analyseverfahren (d.h. auf Fundamentaldaten, technischen Daten und der Anlegerstimmung beruhende Analyse) zeigen, dass der grosse Hochpreiszyklus der Agrarrohstoffe keineswegs vorüber ist, sondern immer noch auf der Tagesordnung steht. Dass die Agrarpreise niedrig und in etwa wieder so hoch sind wie vor der grossen Hochpreisphase von 2005 bis 2008, führt uns zu der Annahme, dass das Abwärtspotenzial nunmehr begrenzt ist.

Wie bereits anhand der Analyse der Fundamentaldaten aufgezeigt, ist die grosse Herausforderung, die Welt in den nächsten Jahrzehnten zu ernähren, noch immer nicht gemeistert. Und solange die Landwirte weltweit nicht in der Lage sind, ihre Produktionsvolumen im Einklang mit dem Wachstum der Weltbevölkerung zu erhöhen, bezweifle ich, dass die Hypothese vom «Ende der Hochpreisphase der Agrarrohstoffe» zutrifft.

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