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Unternehmen / Schweiz

Ist die Logitech-Party vorbei?

Die Aktien des Zubehörherstellers sind seit Monaten im Kriechgang. Dabei boomt der Markt für PC- und Konsolenspiele.
Eflamm Mordrelle

Als sich der Spezialist für PC-Spiel-Zubehör Razer am 13. November in Hongkong kotieren liess, gab es ein Kursfeuerwerk. Die Aktien des Börsenneulings schlossen nach dem ersten Handelstag 18% höher. Razer ist ein Singapurer Hersteller von PC-Mäusen und Laptops, die speziell für PC- und Konsolenspiele (Games) entwickelt wurden. Auch die Schweizer Logitech will eine immer grössere Rolle beim Gaming-Zubehör spielen. Denn der Markt boomt. PC-Spiele und ihre professionelle Veranstaltung, E-Sports, werden immer populärer, und das auf der ganzen Welt.

Bei Logitech scheint dagegen seit Sommer die Luft draussen zu sein. Ende Juli kosteten die Papiere noch 39 Fr. – ein Mehrjahreshoch. Seither haben sie rund 18% nachgegeben. Sie schaffen es seit Monaten nicht, aus dem Band zwischen 33 und 36 Fr. auszubrechen.

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Als sich der Spezialist für PC-Spiel-Zubehör Razer am 13. November in Hongkong kotieren liess, gab es ein Kursfeuerwerk. Die Aktien des Börsenneulings schlossen nach dem ersten Handelstag 18% höher. Razer ist ein Singapurer Hersteller von PC-Mäusen und Laptops, die speziell für PC- und Konsolenspiele (Games) entwickelt wurden. Auch die Schweizer Logitech will eine immer grössere Rolle beim Gaming-Zubehör spielen. Denn der Markt boomt. PC-Spiele und ihre professionelle Veranstaltung, E-Sports, werden immer populärer, und das auf der ganzen Welt.

Bei Logitech scheint dagegen seit Sommer die Luft draussen zu sein. Ende Juli kosteten die Papiere noch 39 Fr. – ein Mehrjahreshoch. Seither haben sie rund 18% nachgegeben. Sie schaffen es seit Monaten nicht, aus dem Band zwischen 33 und 36 Fr. auszubrechen.

Und das auch im Vorfeld des für Logitech so wichtigen Weihnachtsgeschäfts. Im dritten Quartal (per Ende Dezember) erwirtschaften die Westschweizer typischerweise rund 40% des jährlichen Betriebsgewinns. Ist die Seitwärtsbewegung des Aktienkurses ein schlechtes Vorzeichen für die erfolgsverwöhnte Logitech?

Durststrecke nicht gerechtfertigt

Der Liebesentzug der Anleger manifestierte sich bei der Präsentation der Zahlen zum zweiten Quartal am 24. Oktober deutlich. Trotz ausgezeichnetem Ergebnis, das über den Markterwartungen lag, gaben die Aktien nach. Sie konnten sich danach auch nicht mehr recht erholen. Einige Anleger dürften Gewinne ins Trockene gebracht haben, schliesslich haben sie in den letzten drei Jahren eine Kursavance von 140% verbuchen können.

Mit Blick auf die operativen Voraussetzungen und die starke Positionierung des Unternehmens scheint die aktuelle Durststrecke der Titel dennoch nicht gerechtfertigt. Es spricht auch wenig dagegen, dass das Weihnachtsgeschäft gut gelaufen ist. Das Vertrauen der Konsumenten in den USA – Logitechs grösstem Absatzmarkt – ist so hoch wie seit siebzehn Jahren nicht mehr. Auch in der Region Asien-Pazifik sind die Verbraucher gemäss Marktforschungsdaten von Nielsen zuversichtlicher als im Vorjahr.

Der jüngsten Schwäche beim Absatz von kabellosen Lautsprechern ist Logitech mit der Lancierung der sprachgesteuerten Modelle UE Blast und Megablast begegnet. Die Jaybird-Modelle kabelloser Sportkopfhörer wurden verstärkt, und auch die zweite Auflage der Heimüberwachungskamera Circle dürfte sich unter manchem Christbaum wiedergefunden haben.

Wachstumsträger Gaming

Derweil wird die Produktkategorie Gaming-Zubehör immer wichtiger. Im letzten Quartal hat sich der Absatz dort um 42% vergrössert. Gaming ist mittlerweile einer der wichtigsten Wachstumsträger für Logitech. Dieser Trend dürfte sich angesichts der hohen Nachfragedynamik fortsetzen.

Gemäss den Marktforschern von GfK ist der Gaming-Zubehör-Markt bis August dieses Jahres 56% grösser als im Vorjahr, wobei neben Tastaturen, Mäusen und Kopfhörern auch Gaming-Monitore dazugezählt werden. Besonders die Nachfrage nach den Monitoren – die Logitech jedoch nicht im Sortiment hat – sei derzeit besonders stark.

Die wachsende Popularität von E-Sports und die Verbreitung von Virtual-Reality-Spielen (VR) würden das Momentum weiter hoch halten, sagen die Marktforscher. VR-fähige Geräte hat Logitech noch kaum im Angebot. Hier wie auch bei den Monitoren dürfte einiges Potenzial schlummern – auch für Akquisitionen.

Doch auch wenn sich Logitech nicht in erster Linie mit technologischer Innovation profiliert, für Elektronikfachhändler bleibt der Verkauf von Peripheriegeräten lukrativer als der von PC oder Tablets. Das sichert dem Zubehör attraktive Regalpositionen in den Geschäften. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage der UBS.

Breite Wachstumsbasis

Überhaupt legen Konsumenten in westlichen Ländern verstärkt Wert auf Qualität und Design – Produkteigenschaften, auf die sich Logitech unter CEO Bracken Darrell spezifisch fokussiert hat. Die Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum sind gegeben. Logitech hat zudem bewiesen, dass sie die Verkäufe von klassischem PC-Zubehör stabil halten kann, auch wenn die PC-Verkäufe an sich rückläufig sind –  gemäss Gartner 2017 um 3,6% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Profitabilität dürfte im Weihnachtsquartal zwar wegen höherer Marketing- und Logistikkosten etwas schwächer ausfallen als zuvor (Bruttomarge im letzten Quartal: 36,6%). Es bestehen indes kaum Zweifel, dass Logitech die Jahresziele erfüllen wird: 10 bis 12% Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen mit einem Betriebsgewinn zwischen 260 und 270 Mio. $ sind in Reichweite und dürften gar etwas konservativ formuliert sein.

Konsensschätzungen gehen für das kommende, im April startende Geschäftsjahr 2018/2019 von einem bereinigten Gewinn pro Aktie von 1.49 $ aus. Das entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23. Das ist nicht günstig, erscheint aber angesichts der breit abgestützten Wachstumsbasis angemessen. Risikofähige Anleger kaufen nach.

Die komplette Historie zu Logitech finden Sie hier. »

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