Sponsored by Schroders 07:00 - 21.04.2017

Ist Populismus gut für die Märkte?

Azad Zangana, Craig Botham, Keith Wade
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zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aktienbewertung
Die wichtigsten in der Aktienanalyse verwendeten Kennzahlen zur Aktienbewertung sind die Dividendenrendite , das auf dem Gewinn pro Aktie basierende Kurs-Gewinn-Verhältnis , die Price-Earnings to Growth Ratio , das Kurs-Cashflow-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis und das Kurs-Umsatz-Verhältnis .
Aktienrendite
In Prozenten ausgedrückter Ertrag einer Aktienanlage: Die Dividendenrendite stellt die in einem Jahr ausgeschüttete Dividende in Prozenten des Kurses dar. In der Praxis ist die erwartete Dividendenrendite als Auswahlkriterium relevant, sie ist jedoch nicht gesichert.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Aufschwung
Wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung, Hochkonjunktur. Gegenteil: Rezession .
Barriere
Kursschwelle in strukturierten Produkten oder Barrier-Optionen . Wenn der Basiswert während der Laufzeit ein bestimmtes Kursniveau erreicht, über- oder unterschreitet, ändert sich im strukturierten Produkt das Auszahlungsprofil , in der Barrier-Option entsteht oder verfällt das Optionsrecht .
EU
Supranationale Organisation (früher Europäische Gemeinschaft), in der 27 europäische Staaten zusammengeschlossen sind. Pfeiler ist die wirtschaftliche Integration. Die wichtigsten Errungenschaften sind der Binnenmarkt und der Euro .
EZB
Zentralbank der EWU-Länder . Sie entscheidet über die Geldpolitik. Die Geld- und Währungspolitik wird zusammen mit den nationalen Zentralbanken (Europäisches System der Zentralbanken ) umgesetzt. Der wichtigste Leitzins der EZB ist der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte .
Eurozone
Von elf Staaten der Europäischen Union per 1. Januar 1999 realisierter Zusammenschluss (seit 2001 auch Griechenland, seit 2007 Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern). Die Teilnehmer haben die geldpolitische Kompetenz der EZB übertragen. Die nationalen Währungen wurden gegeneinander (Wechselkursverhältnisse) und gegenüber der Einheitswährung Euro fixiert.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Inflation
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Inflationsrate
Preisanstieg bzw. Geldentwertung. Die Veränderung wird als Inflationsrate angegeben. Veranlasst Notenbanken oft zu einer restriktiven Geldpolitik (hohe Leitzinsen), was Aktien und Obligationen belastet. Gegenteil: Disinflation , Deflation .
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Produktivität
In den meisten Ländervergleichen wird sie mit der Arbeitsproduktivität gleichgesetzt, also der Wirtschaftsleistung pro Arbeitskraft bzw. BIP pro geleistete Arbeitsstunde. Ein breiter gefasstes Konzept, das auch andere Input-Faktoren, wie den Kapitaleinsatz, berücksichtigt, ist die Multi Factor Productivity.
Rally
Markttendenz mit stark steigenden Kursen.
Real
1. Gibt den inflationsbereinigten Wert an. Gegenteil: nominal. 2. Name der brasilianischen Währung.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Volatilität
Kursschwankungen eines Basiswerts (vgl. historische Volatilität , implizite Volatilität , Vega , Volatilitätsanalyse , Volatilitätsindex ).
Volkswirtschaft
Von Ökonomen verwendetes Synonym für die Wirtschaft eines Landes beziehungsweise einen Wirtschaftsraum wie die EU .

Populistische politische Strömungen scheinen angesichts der Wertent-wicklung bei Aktien nach dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg von Donald Trump gut für die Märkte zu sein. Unser monatlicher Marktausblick für April 2017 analysiert dieses Thema und stellt heraus, was dabei zu beachten ist.

Zusammenfassung• Populistische politische Strömungen scheinen gut für die Märkte zu sein – im Anschluss an das Brexit-Votum und den Wahlsieg von Donald Trump legten sie deutlich zu. Wenn man jedoch etwas weiter in die Zukunft blickt, dann führt eine auf die Beschränkung des Handels und der Migration abzielende Politik zu Stagflation¹ – ein für die Märkte ungünstiges Ergebnis.

• Die Aufmerksamkeit der Anleger ist nun auf die französischen Präsidentschaftswahlen gerichtet, wobei wir bei unserem Basisszenario nach wie vor von einer Niederlage von Le Pen ausgehen. Unterdessen schlägt die Europäische Zentralbank EZB allmählich restriktivere Töne an, allerdings erwarten wir kurzfristig keine geldpolitischen Massnahmen.

• In Grossbritannien beschleunigt sich die Inflation rapide. Obwohl unter den Entscheidungsträgern der Bank of England mittlerweile ein geldpolitischer «Falke» auszumachen ist, dürfte ihre Strategie unverändert bleiben.

• Der internationale Handel und Schwellenländeraktien verzeichneten 2017 gleichermassen einen Anstieg, jedoch glauben wir nicht, dass er langanhaltend ist. Stattdessen erscheint er uns als kurzfristige zyklische Erholung, die voraussichtlich in Richtung der zweiten Jahreshälfte abebben wird.

¹ Es handelt sich dabei um eine wirtschaftliche Situation, in der das Wirtschaftswachstum zurückgeht, während die Inflation steigt

Populistische politische Strömungen scheinen angesichts der Wertentwicklung bei Aktien nach dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg von Donald Trump gut für die Märkte zu sein. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass sich die Bedingungen für eine Rallye (gemässigte Signale der US-Notenbank Fed und Anzeichen einer weltweiten Erholung) bereits im vergangenen Sommer abzeichneten, noch vor diesen beiden Ereignissen.

Eine populistische Weltwirtschaft: fragmentiert und inflationsanfälliger

Was ist von einer Weltwirtschaft zu erwarten, in der Populisten das Sagen haben? Wie könnten die Märkte reagieren? Eine mögliche Sichtweise besteht darin, den Populismus als eine Umkehr der Globalisierung zu betrachten. Man stelle sich nur eine Weltwirtschaft mit wesentlich mehr Beschränkungen des Handels und der Mobilität auf dem Arbeitsmarkt vor.

In einer solchen Welt würden wir auf globaler Ebene einen schwächeren Handel und ein schwächeres Wachstum erwarten, da die errichteten Barrieren auch Gelegenheiten auf den Märkten unzugänglich machen. Anstatt sich also die Vorteile der Spezialisierung und von Skaleneffekten zunutze zu machen, würden die Sektoren wieder auf ihre nationalen Volkswirtschaften zurückschrumpfen.

Die Produktivität, die von der höheren Wettbewerbsintensität profitiert hat, würde sich noch weiter verlangsamen. Der Unternehmenssektor stünde dabei an vorderster Front und wäre bei der Rekrutierung von Arbeitskräften und der Einfuhr von Vorleistungen mit grösseren Herausforderungen konfrontiert. Die Löhne würden wahrscheinlich stärker steigen und so Druck auf die Unternehmensmargen ausüben.

Insgesamt hätten wir es mit einem eher stagflationären Umfeld zu tun, in dem die Anleiherenditen höher und die Aktienbewertungen niedriger sind. Regionen wie Asien, die vom internationalen Handel abhängen, würden stark benachteiligt.

Dies würde einen beträchtlichen Anteil der Schwellenländer betreffen, wobei sich allerdings Rohstoffproduzenten in einer besseren Position wiederfinden könnten, da ihre Exportgüter gefragt blieben und aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich der Einführung von Kontingenten und des Verlusts des Zugangs sogar mit einem Aufschlag gehandelt werden könnten.

Die zunehmende Divergenz könnte mehr Chancen an den Märkten und damit ein Umfeld schaffen, das ideal für Handelsstrategien geeignet ist, die bei hoher Volatilität erfolgreich sind. Es würden sich zudem auch spezifischere Chancen eröffnen, die durch politische Massnahmen der Regierungen geschaffen würden, um «strategische» Industrien zu schützen. Die Glücklichen, die als solche betrachtet würden, könnten dann die satten Gewinne der geschützten Märkte einstreichen.

Herausforderungen in den USA und in Europa, Asien als Verfechter der Globalisierung

Wenn wir uns wieder der unmittelbaren Situation zuwenden, dann zeichnen sich einige dieser Trends in den USA und Grossbritannien bereits ab. In Europa gewinnen populistische Parteien in Frankreich, Deutschland und Italien an Beliebtheit, und es besteht die Möglichkeit, dass sich die etablierten Parteien einige der Positionen der Populisten zu eigen machen, wie wir es in Grossbritannien erlebt haben.

Wenn wir über die USA und Europa hinausblicken, ist Asien weiterhin relativ frei von populistischen Einflüssen. Während der Westen möglicherweise protektionistischer wird, könnte sich der Osten mit dem kommunistischen China an der Spitze zum Verfechter des freien Handels entwickeln.

Eurozone: Frankreich steht kurz vor der Präsidentschaftswahl, EZB überdenkt Strategie

Das politische Risiko verlagert sich von den Niederlanden nach Frankreich

Der Populismus erlitt im vergangenen Monat einen erheblichen Rückschlag, als die rechtsextreme Partei für die Freiheit (PVV) bei der niederländischen Parlamentswahl deutlich schlechter abschnitt als die den Ministerpräsidenten stellende Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD). Nun richten sich alle Augen auf die französische Präsidentschaftswahl.

Unsere Basisprognose geht davon aus, dass entweder Emmanuel Macron von En Marche! oder François Fillon (der republikanische Kandidat) siegreich gegen Marine Le Pen vom Front National aus der Wahl hervorgehen und damit eine potenzielle Instabilität der Märkte vermieden wird.

Die Anleger dürften sich in diesem Fall wieder europäischen Aktienwerten zuwenden. Wenn jedoch Le Pen entgegen allen Erwartungen den Wahlsieg erringen sollte, dann werden die Anleger aufgrund von Befürchtungen bezüglich eines möglichen Euro- und EU-Ausstiegs Frankreichs voraussichtlich die Flucht ergreifen.

Der Ruf der EZB-Falken

An den Märkten kreisen die Gerüchte, dass die EZB als Reaktion auf den jüngsten Anstieg der Inflation einen zunehmend restriktiven Kurs einschlagen wird. Allerdings ist die höhere Inflationsrate auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen und wird aller Voraussicht nach wieder auf ein niedrigeres Niveau absinken.

Der Ton der EZB dürfte dann ausgeglichener werden und könnte gegebenenfalls sogar erneut in eine gemässigtere Politik umschlagen. Wir erwarten weiterhin, dass die EZB eine Senkung der monatlichen Ankäufe ab Anfang 2018 ankündigen wird, wobei wir damit rechnen, dass die Anleihekäufe bis Ende des Jahres komplett auslaufen werden.

Es ist jedoch anzumerken, dass es zur Verlängerung oder sogar Erweiterung des Unterstützungsprogramms der EZB kommen dürfte, um der Stimmung Auftrieb zu verleihen, falls sich bei der Wahl in Frankreich eine Überraschung ergibt.

Grossbritannien: Kehrtwendungen bei der Haushaltsplanung und das Aufflammen der Inflation

Der Haushaltsplan für 2017 fiel weitestgehend wie erwartet aus: Er beinhaltete eine angehobene Wachstumsprognose und kaum Pläne zur Reinvestition der Überschüsse, die der Schatzkanzler vorfand. Dennoch verursachte der Haushalt ein politisches Erdbeben und letztendlich eine peinliche politische Kehrtwende.

Unterdessen nimmt die Inflation in Grossbritannien rasant Fahrt auf (aufgrund der Inflationsdynamik bei Energie und eines schwächeren Pfunds), und am Horizont zeichnet sich ein weiterer Anstieg ab. Auch wenn sich mittlerweile ein Falke unter die Entscheidungsträger der Bank of England gesellt hat, wird diese ihre geldpolitische Strategie angesichts des Fehlens nennenswerter Lohnzuwächse aller Wahrscheinlichkeit nach unverändert lassen.

Letzten Endes bezweifeln wir, dass die Bank of England vor dem Hintergrund der steigenden Inflation und des dadurch geschmälerten verfügbaren Realeinkommens der privaten Haushalte weiteren Druck durch ein Anheben des Leitzinses ausüben möchte.

Der weltweite Aufschwung und die Rallye in den Schwellenländern

2017 hat stark begonnen, wobei das Wachstum robust scheint, was wiederum dem Welthandel zugutekommt. Diese Entwicklung fiel zeitlich mit einer Belebung der Aktienmärkte, insbesondere in den Schwellenländern, zusammen.

Kann die Handelsdynamik fortbestehen oder sich sogar noch verstärken?

Bei der Beurteilung, ob damit die Rückkehr zur «guten alten Zeit» mit regerer Aktivität in den Schwellenländern und höheren Aktienrenditen eingeläutet wird, müssen wir uns zunächst fragen, warum es zu der jüngsten Verbesserung des Handels gekommen ist. Leider sind die verbesserten Handelswerte nicht als Ergebnis eines langanhaltenden Wandels, sondern vielmehr als Folge höherer Preise und eines stärkeren globalen Wachstums zu verstehen.

Eine kontinuierliche Verbesserung erscheint bei beiden Faktoren unwahrscheinlich. Obgleich wir eine leichte Beschleunigung sowohl des globalen Wachstums (von 2,6 % im Jahr 2016 auf 2,9 % im Jahr 2017 und auf 3 % im Jahr 2018) als auch der Inflation (auf 2,7 % in diesem Jahr von 2 % im vergangenen Jahr bei einem Rückgang auf 2,4 % im Jahr 2018) erwarten, reicht dieser Anstieg bei beiden Kennzahlen nicht aus, um unsere Prognose für das Handelswachstum wieder auf Vorkrisenniveau zu bringen.

Wie lange kann dieser Motor den Handel antreiben?

Wenn eine langfristige Erholung nicht absehbar ist, dann bedeutet dies, dass die aktuelle Verbesserung lediglich als konjunkturelle Aufhellung betrachtet werden muss. In der Tat erleben sowohl China als auch die USA derzeit konjunkturelle Aufschwünge, die den Handel ankurbeln, aber bald nachlassen dürften. Ohne die Unterstützung dieser beiden Volkswirtschaften wird der Welthandel in der zweiten Jahreshälfte 2017 zumindest wertmässig voraussichtlich nachlassen. Das würde auch Schwellenländeraktien in Mitleidenschaft ziehen.

Eine Hoffnung liegt jedoch in den Anzeichen einer Verbesserung bei den Investitionsausgaben in Deutschland und Japan, durch die der Welthandel weiter zulegen könnte (sofern man die Zeichen optimistisch deutet). Es scheint wahrscheinlich, dass die Nutzniesser unter den Schwellenländern in diesem Fall wechseln würden.

Historisch betrachtet korrelieren Investitionen in der Eurozone stärker mit Exporten in die Zone aus der Region EMEA und Asien als mit Exporten aus Lateinamerika. Asien profitiert zudem am meisten von einer Wiederbelebung der japanischen Wirtschaft. Falls es daher beim Wachstum dazu kommt, dass die USA und China auf den Spitzenpositionen von Deutschland und Japan abgelöst werden, dann erscheint eine Underperformance Lateinamerikas naheliegend.

» Lesen Sie hier den kompletten Artikel.

Die hierin geäusserten Ansichten und Meinungen stammen vom volkswirtschaftlichen Team von Schroders und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.

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