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Ist Tesla ein Vorbild für Apple und Google?

Der Neuling aus dem Tech-Sektor gibt in der Autobranche Gas.

Tesla Motors beweist es: Neueinsteiger können etablierten Automobilherstellern mehr als nur Nadelstiche versetzen. Den Luxuslimousinen von Audi und BMW (BMW 78.45 +0.85%) – dem A8 und dem Siebner – ist mit dem 2012 eingeführten Tesla Model S ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen, im Absatz ebenso wie in Vergleichstests.

Damit nicht genug. Tesla hat jüngst die Produktion des Model X angefahren, eines höher bauenden Fahrzeugs mit Flügeltüren für die zweite Sitzreihe. Ende 2017 wird die Marke aus dem Silicon Valley mit dem Model 3 zudem eine günstigere Limousine für den Massenmarkt lancieren. Wie der X zum S soll sich dazu später noch ein Model Y gesellen. Das weckt viel Wachstumsfantasie.

Neueinsteiger haben einen grossen Vorteil: Sie können fokussieren. Während sich traditionelle Anbieter mit Benzinmotoren, Dieselmotoren, Hybridantrieben, Plug-in-Hybriden (Hybrid mit aufladbaren Batterien) und Elektromotoren beschäftigen müssen, konzentriert sich Tesla auf den Elektroantrieb mit Batterien. Schon das erste Auto der Marke entstand 2008 auf dieser Basis.

Dank der Fokussierung lassen sich die hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sowie die enormen Investitionen der gestandenen Branchenvertreter in das Anlagevermögen massiv senken. Darin wird Tesla ein Vorbild sein. Kein Neueinsteiger aus dem Tech-Sektor wird auf den Verbrennungsmotor setzen.

Dafür fehlt es Tesla noch an Grössenvorteilen. Die geringen Volumen verursachen hohe Stückkosten. Sie sind neben den hohen Ausbaukosten mit ein Grund, weshalb das Unternehmen 2015 noch rote Zahlen schreiben wird und viel Geld verbraucht.

Die von Elon Musk gegründete Gesellschaft tickt anders. Auch das hat Vorbildcharakter. Die Strategie von Tesla, die Elektromobilität zuerst in hochpreisigen Fahrzeugen einzuführen und für eine grosse Reichweite mit viel Batterieleistung auszustatten, hat sich bewährt. Das Problem der schlechten Ladeinfrastruktur wird nicht bejammert, sondern mit Eigeninitiative gelöst – durch den Aufbau eigener Schnellladenetze. Den hohen Batteriepreisen begegnet Tesla Motors mit der eigenen Gigafactory, einer riesigen Batteriefabrik.

Anderes Denken zeigt Tesla auch beim autonomen Fahren. Audi, BMW oder Mercedes beherrschen die Technik auch. Aber sie streben nach der perfekten Lösung – und zögern. Tesla dagegen bringt, was sicher ist, auf den Markt und reicht Verbesserungen über Software Updates nach.

Doch Tesla kann Neulingen aus dem Tech-Sektor nicht in allem ein Vorbild sein. Dafür differieren die Absichten zu sehr. Eigene Autowerke werden sich weder Apple noch Google aufbürden wollen. Beide lassen schon jetzt all ihre Geräte durch Auftragsfertiger bauen. Wieso sollten sie sich dann eine eigene Autoproduktion ans Bein binden – sich hohe Kosten aufladen und das Risiko von Auslastungsschwankungen selbst tragen?

Was die beiden genau vorhaben, bleibt ein Geheimnis. Klar ist nicht einmal, ob sie überhaupt Automobile bauen wollen oder ob sie sich auf Technologie beschränken werden. Autobauer im klassischen Sinne wollen sie aber kaum werden. Dafür sind die Margen in dem Geschäft zu niedrig und wird zu viel Kapital gebunden. Vielmehr dürften sie auf Chancen aus sein, die sich aus der Digitalisierung und der Vernetzung des Automobils eröffnen.

Integrierter Mobilitätsdienstleister, lautet ein Stichwort dazu. Daten werden dabei wichtig sein – die aus einem vernetzten Auto liefern vollständige Bewegungsprofile. Ebenso Carsharing-Modelle. Beides schafft viele neue Geschäftsmöglichkeiten, über Dienstleistungsangebote, Kooperationen und mehr. Anders als bei Tesla Motors wäre das Auto dafür nur Mittel zum Zweck.