Märkte / Makro

IWF lobt Mindestkurs der SNB

Seit der Finanzkrise ist die Geldpolitik innovativer geworden. Dies sei die neue Normalität in der Geldpolitik, schreibt der IWF. Als gutes Beispiel wird der Mindestkurs der SNB genannt.

Peter De Thier, Washington

In der Geldpolitik hat sich im Gefolge der globalen Finanzkrise ein Paradigmenwechsel vollzogen. Niedrige Inflation und stabile Preise sind nicht mehr die einzigen Anliegen der Zentralbanken. Künftig müssen auch andere Faktoren wie stabile Finanzmärkte und externe Stabilität stärker ins Gewicht fallen. Dazu müssen die Währungshüter über ein vielseitigeres Instrumentarium verfügen und zudem neue Zwischenziele einführen. Bei der Neuausrichtung der Geldpolitik ist nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor allem die Schweizer Nationalbank mit gutem Beispiel vorausgegangen.

Zwar muss langfristige Preisstabilität weiterhin das zentrale Anliegen der Notenbanken bleiben, schreibt der IWF in seinem Bericht über die «neue Normalität» in der Geldpolitik. Wie die Krise bewiesen habe, müssen die Zentralbanken nun auch neue Kriterien berücksichtigen. Als positives Beispiel für innovative, zukunftsweisende Politik hebt der Währungsfonds den von der SNB (SNBN 5'240.00 -1.13%) eingeführten Franken-Mindestkurs für den Euro ein. Seitdem im September 2011 Stützungskäufe begonnen wurden, um zu verhindern, dass der schweizer Franken und 1.20 Euro fällt, sei es der SNB gelungen, diesen Mindestkurs zu halten.

Zwar betont der IWF, dass derartige Interventionen nicht dazu dienen sollten, Wechselkursschwankungen auszugleichen, die von ökonomischen Fundamentaldaten getrieben sind, sondern lediglich, um temporäre Fluktuationen zu kompensieren. Grundsätzlich könnten sie aber helfen, um die Geldpolitik gleichzeitig verstärkt in den Dienst externer Stabilität zu stellen. Schliesslich habe die Finanzkrise ein unterschwelliges Risiko der Geldpolitik zutage gefördert: Richten die führenden Notenbanken ihre Entscheidungen ausschliesslich an binnenwirtschaftlichen Zielen aus, dann kann dies zu einer Umkehr der Kapitalströme führen, die gerade in kleineren, offenen Volkswirtschaften zu einer Aufwertung der Wechselkurse führt. Diese wiederum würden dort die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie beeinträchtigen und könnten destabilisierend auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen.

Sorgfältiger Ausstieg

Sorgfältig und differenziert müssen die Notenbank bei dem Ausstieg aus jenen unkonventionellen Massnahmen vorgehen, die als Reaktionen auf die Krise angewandt wurden und in geringerem Umfang noch werden. Zwar hält der IWF es für sinnvoll, «in ruhigeren Zeiten» an einigen der neuen Instrumente festzuhalten, insbesondere zukunftsgerichteten Hinweisen über die Richtung der Zinspolitik, auch als «forward guidance» bekannt. Bei den Niedrigzinsversprechen sollten es die Währungshüter aber zugleich bewenden lassen. Bei weiteren unkonventionellen Massnahmen, insbesondere den expansiven Anleihenkäufen, wiegen nach Ansicht des Währungsfonds die Risiken deutlich schwerer als der potenzielle Nutzen.

Eine weitere Lehre aus der globalen Finanzkrise sieht der IWF in den raschen Ansteckungseffekten und  zunehmenden globalen Verflechtungen. Diese lassen eine engere internationale Koordination der Geldpolitik unverzichtbar erscheinen, wobei unklar ist, wie effektiv diese Abstimmung umgesetzt werden kann. Eine besondere Herausforderung wird darin gesehen, die politische Unabhängigkeit der Notenbanken zu wahren. Sich dem Zugriff der Politiker zu entziehen werde immer schwieriger, wenn die Zentralbanken einerseits ihrer neuen Verantwortung bei der Sicherstellung von Finanzmarktstabilität gerecht werden, in dieser Funktion aber von staatlichen Aufsichtsbehörden kontrolliert werden.