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IWF sieht Nachfragerückgang in den Industrieländern

Als Folge höherer Inflation sowie eines starken Nachfragerückgangs in den Industrieländern wird sich das Weltwirtschaftswachstum nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der zweiten Jahreshälfte deutlich verlangsamen. 2009 soll sich die globale Konjunktur dagegen langsam wieder erholen.
Obwohl die Notenbanken weiterhin eine schwierige Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung auf der einen und der Verhinderung einer Rezession auf der anderen Seite zu meistern haben, sieht der IWF insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern die grössere Gefahr mittlerweile in den hohen Energie- und Lebensmittelpreisen sowie ihren Folgen für die Gesamtwirtschaft.
Obwohl der Währungsfonds kurzfristig insbesondere für die USA ein eher düsteres Szenario zeichnet, fällt die Prognose für 2009 sogar leicht positiver aus als im Weltwirtschaftsausblick (WEO) vor drei Monaten. So wurde im April für 2008 von einer Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung um 3,7% ausgegangen; diese Voraussage hat der IWF nun auf 4,1% nach oben korrigiert. Zwar unterstellt die aktuelle Revision des WEO, dass in den USA während der letzten zwei Quartale 2008 das Bruttoinlandprodukt (BIP) schrumpfen wird. Da die Konsumnachfrage aber eine grössere Resistenz gegen steigende Preise sowie Finanzschocks bewiesen hat als erwartet, wird die Wachstumsrate fürs laufende Jahr auf 1,3% geschätzt – eine deutliche Verbesserung gegenüber der Prognose im Frühjahr, als ein Plus von nur 0,5% vorausgesagt wurde.
Fast unverändert wird die Lage im Euroland bewertet, wo das BIP 2008 1,7% und im kommenden Jahr 1,2% zunehmen wird. In Deutschland wird die Wachstumsrate laut IWF dieses Jahr bei 2% liegen und sich 2009 auf 1% abschwächen. Im April war für 2008 ein BIP-Wachstum von nur 1,4% geschätzt worden.
Zu den grössten Abwärtsrisiken zählt der IWF weiterhin die grosse Unsicherheit an den Finanzmärkten sowie die steigenden Verluste der Banken. Diese könnten ebenso wie die daraus resultierenden strikteren Konditionen bei der Kreditvergabe für Verbraucher und Unternehmen zu Finanzierungsengpässen führen und das Wachstum drücken. Ein weiteres Risiko sieht die aktualisierte Fassung des WEO in den globalen Ungleichgewichten, weist allerdings darauf hin, dass die Konjunkturschwäche in den USA und der Dollarkursverfall günstige Voraussetzungen für einen weiteren Abbau des Handelsbilanzdefizits geschaffen haben.
Während in den führenden Industrieländern die Wachstumsrisiken eindeutig überwiegen, fordert der IWF die Schwellen- und Entwicklungsländer auf, mit Zinserhöhungen, fiskalischer Zurückhaltung und flexibleren Wechselkursen der wachsenden Inflationsgefahr entgegenzuwirken, durch die einige der ärmsten Länder bereits «auf der Kippe» zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch stehen. In den ärmeren Ländern rechnet der Währungsfonds im laufenden Jahr mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 9,1%, 2009 werden die Preise laut IWF 7,4% zulegen.PdT, Washington

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