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IWF sieht nur noch wenige Wachstumsherde

Der Internationale Währungsfonds hat seine Weltwirtschaftsprognose veröffentlicht. Für die Eurozone wurden die Vorhersagen nach unten korrigiert.

Jeder für sich und alle ein bisschen langsamer. So lässt sich die heute veröffentlichte Herbstprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf einen Nenner bringen. Der Wirtschaftsausblick sei länderspezifischer geworden, argumentiert der Ökonomenstab der Weltbehörde. Die Konjunkturdynamiken fallen unterschiedlich aus. In den Industrieländern behindern die Altlasten der Finanz- und Schuldenkrise eine Erholung. Die Schwellenländer müssen sich auf Wachstumsraten einstellen, die deutlich unter den Werten früherer Erholungsphasen liegen. Für China prognostiziert der IWF eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf 7,1% für 2015, in Indien eine Beschleunigung auf 6,4%.

Das Weltwirtschaftswachstum hat der IWF etwas zurückgenommen, auf 3,3% für 2014 und 3,8% für 2015. Die Korrekturen halten sich jedoch in Grenzen. Nicht so sehr der Ausblick hat sich geändert als vielmehr die Basis. Da sich die konjunkturelle Dynamik im ersten Halbjahr beträchtlich verlangsamt hat, mussten die Experten ihre Prognosen für den Beobachtungszeitraum zurücknehmen.

Nordamerika allen voraus

Am kräftigsten wird das Wirtschaftswachstum gemäss IWF in den USA an Fahrt gewinnen. Wegen des schwachen ersten Quartals 2014 hat er die Wachstumsschätzung für das Gesamtjahr zwar gesenkt, aber er geht davon aus, dass die US-Wirtschaft gegenwärtig 3% wächst. Dieses Tempo werde sie auch ins neue Jahr hinein beibehalten. Die Rahmenbedingungen sind günstig: bessere Familienbudgets, eine geringere fiskalische Belastung, ein kräftiges Beschäftigungswachstum. Auch für Kanada äussert sich der IWF zuversichtlich.

Trotzdem warnt er mittelfristig vor Hindernissen für die Expansion: Das Potenzialwachstum in den USA belaufe sich auf nur 2%, wegen der demographischen Alterung und weil die Produktivität geringer sei als in den vorangegangenen Jahrzehnten.

Europa ohne Kraft

Die Vorhersagen für die Eurozone wurden auf breiter Front nach unten korrigiert. Spanien ist die Ausnahme: Das Land profitiere von einer besseren Auslandnachfrage, günstigeren finanziellen Bedingungen und einer erhöhten Zuversicht. Der IWF geht nun von 1,3% BIP-Wachstum in diesem und 1,7% im nächsten Jahr aus. In der Frühjahrsprognose hatte er jeweils rund 1% veranschlagt.

Trüb sind die Aussichten für Italien und Frankreich mit nur 0,8 resp. 1% BIP-Steigerung im Jahresdurchschnitt 2015. Auch die Wachstumsprognose für Deutschland wurde verringert. Der IWF rechnet mit 1,5% für 2015.

Mehr Dynamik findet sich nur ausserhalb der Währungsunion. In Grossbritannien wird die Nachfrage stabiler ausfallen, weil auch die Unternehmensinvestitionen zulegen. Der IWF geht von 2,7% Wachstum im kommenden Jahr aus, nach 3,2% im laufenden. In Schweden wird sich die Konjunktur von 2,1 auf ebenfalls 2,7% beschleunigen.

Die Prognosen für die Schweiz fallen dagegen verhalten aus. Das Land bewegt sich eher im Rahmen der Eurozone. Der IWF hat seine Vorhersage für 2014 deutlich, von 2,1 auf 1,3%, zurückgenommen. Für das kommende Jahr rechnet er mit 1,6% BIP-Wachstum statt 2,2%, wie sie in der Frühjahrsprognose veranschlagt worden waren. Die Inflation bleibt knapp über 0% und der Leistungsbilanzüberschuss mit rund 13% gemessen am BIP üppig, wenn auch etwas schmaler als die 2013 verzeichneten 16%.

EZB soll ein QE-Programm lancieren

Der IWF geht davon aus, dass die amerikanische Zentralbank im laufenden Quartal ihr QE-Programm (Anleihenaufkäufe) beendet und im ersten Halbjahr 2015 die Leitzinsen erhöht. Auch die Bank of England werde im selben Semester damit beginnen, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Hingegen bleibe der monetäre Kurs in der Eurozone und in Japan sehr expansiv. Trotz früherer Kritik des EZB-Chefs äussert sich der IWF erneut sehr explizit dazu, was die Europäische Zentralbank am besten machen sollte. Er rät ihr, Staatsanleihen aufzukaufen. Die EZB hatte zuletzt bewusst die Erwartungen bezüglich QE zu dämpfen versucht.

In den Schwellenländern werden nach Einschätzung des IWF die Leitzinsen generell so lange stabil gehalten, bis in den USA der Zinserhöhungszyklus einsetzt.

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