Märkte / Makro

IWF: Too-big-to-fail-Problem noch nicht gelöst

Die EU und die USA haben Grossbanken 2012 mit 370 Mrd. $ gestützt, hat der Internationale Währungsfonds berechnet. Er fordert weitere Schritte zur Lösung der Too-big-to-fail-Problematik.

Peter DeThier, Washington

Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) müssen sowohl in den USA als auch der EU zusätzliche Massnahmen ergriffen werden, um die Problematik der systemrelevanten Banken anzupacken, die laut IWF allein 2012 rund 370 Mrd. $ an indirekten Subventionen erhalten haben. Selbst mehrere Jahre nach dem Ende der Finanzkrise, so der Währungsfonds in den analytischen Kapiteln des Berichts zur globalen Finanzmarktstabilität (GFSR), verleitet die Erwartung staatlicher Stützungsmassnahmen die Banken weiterhin zu exzessiven Risiken.

Zwar räumt der IWF ein, dass seit der Finanzkrise Reformen die «impliziten Subventionen» für die als too big to fail angesehenen Banken reduziert haben. Dennoch erhalten die Finanzinstitutionen weiterhin Kreditgarantien sowie direkte Zuschüsse, die sich vorletztes Jahr in der Eurozone auf etwa 300 Mrd. $ und in den USA auf 70 Mrd. $ beliefen. Die Zuschüsse verschaffen den Grossbanken nach Darstellung des GFSR unfaire Wettbewerbsvorteile.

Versteckte Subventionen für Banken

Unter anderem können sie sich billiger refinanzieren, da Gläubiger in der Gewissheit handeln, dass die systemrelevanten Banken gestützt werden und im Krisenfall von einem staatlichen Bailout profitieren würden. Aus diesem Grund hätten Kreditgeber auch keinen Anreiz, die Geschäfts- und Investitionstätigkeit der Grossbanken kritisch zu überwachen. Die mangelnde Aufsicht verleite wiederum zu hohem Leveraging und unnötig grossen Risiken.

Die Ursache der ungelösten Problematik sieht der Währungsfonds in der Reaktion der Politiker 2008 auf das Scheitern der Investmentbank Lehman Brothers, die in den USA zur raschen Verabschiedung des Troubled Assets Relief Program (Tarp) geführt hatte. Das Rettungspaket für die grössten Finanzinstitutionen, deren Bilanzen mit faulen Hypothekenkrediten und hypothekenbesicherten Anleihen belastet waren, hat den Banken die Gewissheit verschafft, dass der Staat in jedem Krisenfall ihren Untergang verhindern würde. Dieser Moral Hazard habe wiederum zur Folge gehabt, dass in vielen Ländern der Bankensektor mittlerweile eine noch höhere Konzentration aufweise als vor der Krise.

Höhere Kapitalanforderungen gefordert

Der IWF-Bericht räumt ein, dass striktere Kapitalvorschriften und verschärfte Aufsicht für weltweit tätige Grossbanken Ansteckungseffekte ebenso wie die Gefahr von Pleiten verringert haben. «Wichtige Schritte wurden bereits unternommen, und Reformen sind weiterhin im Gange», erklärt Gaston Gelos, Direktor Abteilung für globale Stabilitätsanalyse beim IWF. Auch haben Bemühungen um grenzübergreifende Abwicklungsmechanismen für systemrelevante Banken sowie die Begrenzung bestimmter Geschäfts- und Investitionstätigkeiten die Stabilität erhöht.

Zudem haben Finanzmarktreformen und Fortschritte bei der Bereinigung der Bankbilanzen dazu geführt, dass der Umfang der indirekten Subventionen in jüngster Zeit zurückgegangen ist. In Europa allerdings wird er als weiterhin viel zu gross kritisiert. Um die Krisenanfälligkeit der Grossbanken weiter zu verringern, fordert der Währungsfonds noch höhere Kapitalanforderungen. Zudem sollte sowohl in den USA als auch in Europa eine Bankenabgabe oder Finanzstabilitätssteuer eingeführt werden, um die Kosten auszugleichen, die Staaten durch die Stützung der systemrelevanten Banken auf die Steuerzahler abwälzen.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.
Adrian Gnehm 01.04.2014 - 11:22

Eine Bankenabgabe ist wie jede andere Steuer nur oberflächlich eine Steuer des betreffenden Steuersubjektes, wer dann tatsächlich die Steuer trägt, sind meist andere Steuesubjekte. Bei der Bankenabgabe sind es letzlich die Kunden (höhere Zinsen, Gebühren usw.). Politiker (inkl. internationale Organisationen) haben offensichtlich keine Ahnung von Nebenwirkungen und Ueberwälzungsmechanismen ihrer Vörstösse