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IWF warnt Fed vor Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik

Der IWF erhöht die Prognose für die Weltwirtschaft. Doch Risiken bestünden in der Geldpolitik, der Deflationsgefahr in der Eurozone sowie dem Kapitalabzug aus den Schwellenländern.

Peter DeThier, Washington

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Industrieländer und insbesondere die USA vor einem vorzeitigen Ausstieg aus der extrem akkommodierenden Geldpolitik gewarnt. Weitere Risiken für die Weltwirtschaft werden in der potenziellen Deflationsgefahr in der Eurozone und in den Schwellenländern eine Umkehr der Kapitalströme als Folge des Tapering angesehen, schreibt der IWF im Update zu seinem Weltwirtschaftsausblick (WEO).

Zwar wird nach Ansicht des Währungsfonds die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 3,7% wachsen. Im Oktober war noch eine Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung um 3,6% vorausgesagt worden. Für 2015 wird unverändert ein Plus von 3,9% unterstellt. Wachsende Bedeutung erlangen dabei die Industrieländer. So wird in den USA die konjunkturdämpfende Wirkung der Haushaltskonsolidierung nachlassen und sich die Konjunktur zumindest kurzfristig beleben. 2015 könnte sich der Trend aber deswegen umkehren, weil der in Washington geschlossene Haushaltskompromiss nicht, wie erwartet, die Zwangseinsparungen (Sequester) beendet, sondern diese fortsetzt. Folglich wird die Wachstumsrate der weltgrössten Volkswirtschaft laut IWF von 1,9% im abgelaufenen Jahr auf 2,8% im Jahr 2014 steigen und für 2015 auf lediglich 3,0% prognostiziert, 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst.

Eurozone in der Übergangsphase

Die Eurozone befindet sich nach Darstellung des IWF in der Übergangsphase von der Rezession zur konjunkturellen Erholung. Während für Deutschland die Prognosen marginal nach oben korrigiert wurden, stehen die Länder der Peripherie weiterhin vor schwierigen Herausforderungen. Demnach könnten steigende Exporte helfen, das Wachstum zu beschleunigen. Einer Erholung der Binnennachfrage stünden in den Randstaaten allerdings die hohe Verschuldung der Staaten und des Privatsektors sowie weiterhin fragmentierte Finanzmärkte im Wege.

Angesichts der weiterhin bestehenden Abwärtsrisiken fordert der Währungsfonds sämtliche Industrienationen auf, die Verabschiedung von der extrem expansiven Geldpolitik zu überdenken. Besonders gefährlich könnte eine überhastete Beendigung der Anleihenkaufprogramme für die USA sein. Dort sei nämlich zu erwarten, dass weitere Sparmassnahmen zum Abbau der Staatsverschuldung das Wachstum dämpfen. Bedenken müsse die designierte Notenbankchefin Janet Yellen ausserdem, dass die Inflation niedrig ist und die Teuerungsrate auch künftig unter dem Inflationsziel liegen werde.

Praktisch unverändert blieben die Voraussagen für die Schwellen- und Entwicklungsländer, deren Wirtschaftsleistung nach Schätzungen des Währungsfonds 2014 um 5,1% und im darauffolgenden Jahr 5,4% zulegen wird. Als Folge eines Investionsbooms konnte China während der zweiten Hälfte des Vorjahres einen Wachstumsspurt hinlegen. Wie auch China nutzten andere Länder der Emerging Markets (EmMa) die Erholung in den Industrienationen, um ihre Ausfuhren teilweise kräftig zu steigern. Die grösste Herausforderung für die EmMa-Staaten besteht laut IWF darin, die gesamtwirtschaftlichen Folgen einer Umkehr der Kapitalströme zu verwalten, mit denen als Folge des angekündigten Tapering der US-Notenbank zu rechnen ist.