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IWF warnt vor Deflation

Der IWF rät der EZB in seinem Konjunkturausblick zu einer expansiveren Geldpolitik. Die Notenbank berechnet inzwischen, welche Auswirkungen milliardenschwere Anleihenkäufe auf die Inflation haben könnten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erachtet eine lang anhaltende ­Periode niedriger Inflation als grösstes Risiko für die Erholung der Eurozone. Zu diesem Schluss kommen die IWF-Ökonomen in ihrem aktuellen Konjunkturausblick für die Weltwirtschaft. Sie erwarten im laufenden Jahr ein globales Wirtschaftswachstum von 3,6% – nachdem 2014 ein Plus von 3% resultierte – und eine weitere Zunahme von 3,9% im Jahr 2015.

Während die Wahrscheinlichkeit einer Deflation in den meisten Volkswirtschaften vernachlässigbar erscheint, bewertet der IWF ein Eintreten dieses Szenarios im Euroraum mit immerhin 20%. Um die Wirtschaftsaktivität anzukurbeln, müsse die EZB ihre Geldpolitik daher weiter lockern, dazu seien auch unkonventionelle Massnahmen nötig, heisst es im Konjunkturbericht. Die Leitzinsen liegen in der Eurozone bereits nahe bei null, der Spielraum in diesem Bereich ist nahezu ausgeschöpft.

EZB simuliert Geldspritze

Vergangene Woche wagte EZB-Präsident Mario Draghi einen ersten ver­balen Ausflug Richtung Quantitative Easing (QE) und betrat damit neues Terrain. Mit seinen Äusserungen zu einem möglichen Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgte er für Aufregung an den Finanzmärkten. Die Renditen fünfjähriger spanischer Staatsanleihen notierten erstmals seit 2007 zwischenzeitlich niedriger als die Renditen vergleichbarer US-Treasuries. Der Euro fiel am Freitag nach dem Zinsentscheid unter 1.37 $, nachdem er am Vortag unmittelbar vor der Pressekonferenz bei 1.377 $ notiert hatte.

Laut Presseberichten hat die EZB ­bereits verschiedene Berechnungen zu den möglichen Auswirkungen eines QE-Programms auf die Teuerung durchgeführt: Würde die Zentralbank im Laufe eines Jahres Wertpapiere im Volumen von 1000 Mrd. € – das entspricht 80 Mrd. € monatlich – aufkaufen, würde die Inflationsrate zwischen 0,2 und 0,8 Prozentpunkte steigen. Die EZB hat die Schätzungen nicht kommentiert, die Berechnungen aber bestätigt.

Analysten von Société Générale (GLE 26.16 -1.21%) haben bereits im Februar ähnliche Zahlen vorgelegt. Sie schätzten damals, dass Wertpapierkäufe im Umfang von 1,5 Bio. € nötig wären, um eine Deflation im Euroraum zu bekämpfen. Würde die EZB aktiv, bevor eine negative Teuerung gemessen wird, wie Draghi es angedeutet hat, halten die Ökonomen einen Umfang von 1000 Mrd. € für plausibel.

Langer Weg zum QE

Mit dem baldigen Start eines Anleihenkaufprogramms ist dennoch nicht zu rechnen. Das haben die Aussagen verschiedener EZB-Ratsmitglieder diese Woche verdeutlicht. Bundesbankchef Jens Weidmann sagte, das Instrument komme erst zum Einsatz, wenn es eine «deutliche oder besorgniserregende Abweichung» von der Preisstabilität gebe.

Einen Anhaltspunkt dürfte der Inflationsausblick der EZB liefern, der im Juni veröffentlicht wird. Davor wird die Zentralbank kaum aktiv werden. Der Euro hat sein Zwischentief hinter sich gelassen und notierte am Dienstagnachmittag nahezu auf dem Stand von Donnerstagmittag bei 1.3766 $.