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Märkte / Makro

IWF warnt vor Rückschlägen

Mögliche Handelskriege und Selbstbezogenheit der Politik: Der Internationale Währungsfonds sieht die Weltwirtschaft bedroht – erhöht aber seine kurzfristigen Wachstumsprognosen. Auch für die Schweiz.

(Reuters/AWP) Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt trotz kurzfristig verbesserter Wachstumsaussichten Alarm. Seiner Ansicht nach rütteln wachsende nationale Egoismen an den Grundfesten der Weltwirtschaft und schüren die Gefahr eines Handelskrieges. «Die Selbstbezogenheit der Politik vielerorts bedroht die weltweite wirtschaftliche Integration und damit die auf Zusammenarbeit fussende wirtschaftliche Ordnung in der Welt», heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten IWF-Weltwirtschaftsausblick. Darin warnt er Fonds zudem vor einer Verwässerung der Finanzregulierung der vergangenen Jahre. Dadurch würde das Risiko neuer Krisen erhöht.

«Auch wenn die Weltwirtschaft etwas Fahrt aufnehmen sollte, können wir uns nicht sicher sein, dass wir das Gröbste hinter uns haben», betonte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. In den vergangenen Monaten hatten vor allem protektionistische Töne von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung gesorgt. Sein Name wird in dem IWF-Bericht allerdings nicht genannt.

Beschleunigung in der Schweiz

Kurzfristig sieht der Fonds jedoch Anlass für etwas mehr Zuversicht. Er erhöhte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft 2017 um 0,1 Punkte auf 3,5%, nach einem Anstieg von 3,1% 2016. Für 2018 erwartet der IWF unverändert ein Plus von 3,6% . Die Konjunkturbeschleunigung erstreckt sich nach Worten Obstfelds nicht nur auf die Industriestaaten, sondern auch auf Schwellen- und Entwicklungsländer. Wenn die Finanzmärkte mitspielen, könnte die Weltwirtschaft laut IWF-Einschätzung kurzfristig sogar noch etwas besser abschneiden.

Für die Schweiz rechnet der Währungsfonds mit einem Wachstum von 1,4% im laufenden Jahr, das sich 2018 auf 1,6% beschleunigen soll. Dieses Wachstum werde unterstützt von der ausländischen und inländischen Nachfrage sowie den nachlassenden Auswirkungen der Franken-Aufwertung, heisst es im IWF-Bericht.

«Kampf von jedem gegen jeden»

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,6% zulegen. Das wären 0,1 Punkte mehr als vom Fonds im Januar prognostiziert. Die Vorhersage für 2018 beträgt weiterhin 1,5%. Für die USA rechnet der IWF auch nach Trumps Amtsantritt weiterhin mit 2,3% 2017 und 2,5% 2018. Ihre Prognose für das vor einem EU-Austritt stehende Grossbritannien korrigierten die Experten um einen halben Prozentpunkt nach oben auf 2,0% im laufenden Jahr. 2018 soll das Wachstum mit 1,5% ebenfalls stärker ausfallen als zuletzt vorausgesagt, allerdings ist dies nur eine geringfügige Anhebung. Hochgeschraubt wurden auch die Prognosen für China (auf 6,6% für 2017 und 6,2% für 2018) und für Russland (auf jeweils 1,4%).

Auf mittlere Sicht überwiegen nach IWF-Darstellung jedoch die Wachstumsrisiken. Obstfeld warnte insbesondere vor einer Welle protektionistischen Handelspolitik und einem Wettlauf um die laxeste Finanzaufsicht. Die Folge wäre «ein Kampf von jedem gegen jeden, bei dem am Ende alle Länder schlechter dastünden». Als weiteres Problem betrachtet der Fonds die Gefahr eines schnellen Zinsanstiegs in den USA. Denn dadurch könnten sich die Finanzierungsbedingungen andernorts verschlechtern und der Dollar-Kurs nach oben getrieben werden. Das würde Länder mit hoher Dollar-Abhängigkeit treffen, etwa in Form einer steigenden Schuldenlast. Ein zusätzliches Risiko bestehe darin, dass Chinas Wirtschaftswachstum in starkem Masse von heimischen Krediten abhängig sei.