Märkte / Makro 15:28 - 18.04.2017

IWF warnt vor Rückschlägen

Mögliche Handelskriege und Selbstbezogenheit der Politik: Der Internationale Währungsfonds sieht die Weltwirtschaft bedroht – erhöht aber seine kurzfristigen Wachstumsprognosen. Auch für die Schweiz.
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zum Stichwort
Aufwertung
Bewirkt einen grösseren Aussenwert der Währung, was Exporte verteuert und Importe vergünstigt.
BIP
Wertschöpfung einer Volkswirtschaft . Die Entwicklung des BIP ist eine wichtige Einflussgrösse für die Gewinne der Unternehmen sowie das Zinsniveau und dadurch indirekt für Aktien und Obligationen .
EU
Supranationale Organisation (früher Europäische Gemeinschaft), in der 27 europäische Staaten zusammengeschlossen sind. Pfeiler ist die wirtschaftliche Integration. Die wichtigsten Errungenschaften sind der Binnenmarkt und der Euro .
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
IWF
Wurde wie die Weltbank 1944 in Bretton Woods (USA) gegründet. Mitglieder sind die Regierungen. Der IWF fördert die internationale währungspolitische Zusammenarbeit und stellt den derzeit 185 Mitgliedern vorübergehend finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Schweiz gehört ihm seit 1992 an.
Konjunktur
Oft synonym verwendet für die Lage der Gesamtwirtschaft. Die Forschung betont den zyklischen Verlauf des Wirtschaftswachstums (Aufschwung , Hochkonjunktur, Abschwung, Rezession , Depression). Im Englischen wird deshalb auch von Business Cycle gesprochen.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).

(Reuters/AWP) Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt trotz kurzfristig verbesserter Wachstumsaussichten Alarm. Seiner Ansicht nach rütteln wachsende nationale Egoismen an den Grundfesten der Weltwirtschaft und schüren die Gefahr eines Handelskrieges. «Die Selbstbezogenheit der Politik vielerorts bedroht die weltweite wirtschaftliche Integration und damit die auf Zusammenarbeit fussende wirtschaftliche Ordnung in der Welt», heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten IWF-Weltwirtschaftsausblick. Darin warnt er Fonds zudem vor einer Verwässerung der Finanzregulierung der vergangenen Jahre. Dadurch würde das Risiko neuer Krisen erhöht.

«Auch wenn die Weltwirtschaft etwas Fahrt aufnehmen sollte, können wir uns nicht sicher sein, dass wir das Gröbste hinter uns haben», betonte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. In den vergangenen Monaten hatten vor allem protektionistische Töne von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung gesorgt. Sein Name wird in dem IWF-Bericht allerdings nicht genannt.

Beschleunigung in der Schweiz

Kurzfristig sieht der Fonds jedoch Anlass für etwas mehr Zuversicht. Er erhöhte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft 2017 um 0,1 Punkte auf 3,5%, nach einem Anstieg von 3,1% 2016. Für 2018 erwartet der IWF unverändert ein Plus von 3,6% . Die Konjunkturbeschleunigung erstreckt sich nach Worten Obstfelds nicht nur auf die Industriestaaten, sondern auch auf Schwellen- und Entwicklungsländer. Wenn die Finanzmärkte mitspielen, könnte die Weltwirtschaft laut IWF-Einschätzung kurzfristig sogar noch etwas besser abschneiden.

Für die Schweiz rechnet der Währungsfonds mit einem Wachstum von 1,4% im laufenden Jahr, das sich 2018 auf 1,6% beschleunigen soll. Dieses Wachstum werde unterstützt von der ausländischen und inländischen Nachfrage sowie den nachlassenden Auswirkungen der Franken-Aufwertung, heisst es im IWF-Bericht.

«Kampf von jedem gegen jeden»

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,6% zulegen. Das wären 0,1 Punkte mehr als vom Fonds im Januar prognostiziert. Die Vorhersage für 2018 beträgt weiterhin 1,5%. Für die USA rechnet der IWF auch nach Trumps Amtsantritt weiterhin mit 2,3% 2017 und 2,5% 2018. Ihre Prognose für das vor einem EU-Austritt stehende Grossbritannien korrigierten die Experten um einen halben Prozentpunkt nach oben auf 2,0% im laufenden Jahr. 2018 soll das Wachstum mit 1,5% ebenfalls stärker ausfallen als zuletzt vorausgesagt, allerdings ist dies nur eine geringfügige Anhebung. Hochgeschraubt wurden auch die Prognosen für China (auf 6,6% für 2017 und 6,2% für 2018) und für Russland (auf jeweils 1,4%).

Auf mittlere Sicht überwiegen nach IWF-Darstellung jedoch die Wachstumsrisiken. Obstfeld warnte insbesondere vor einer Welle protektionistischen Handelspolitik und einem Wettlauf um die laxeste Finanzaufsicht. Die Folge wäre «ein Kampf von jedem gegen jeden, bei dem am Ende alle Länder schlechter dastünden». Als weiteres Problem betrachtet der Fonds die Gefahr eines schnellen Zinsanstiegs in den USA. Denn dadurch könnten sich die Finanzierungsbedingungen andernorts verschlechtern und der Dollar-Kurs nach oben getrieben werden. Das würde Länder mit hoher Dollar-Abhängigkeit treffen, etwa in Form einer steigenden Schuldenlast. Ein zusätzliches Risiko bestehe darin, dass Chinas Wirtschaftswachstum in starkem Masse von heimischen Krediten abhängig sei.

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