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J. P. Morgan spürt Steuereffekt – Wells Fargo profitiert

Zum Jahresende ist der Gewinn der J.P. Morgan auch wegen der in Kraft gesetzten US-Steuerreform eingebrochen. Anders ist es Wells Fargo ergangen.

(Reuters) Milliardenschwere Belastungen durch die US-Steuerreform, maue Geschäfte im wichtigen Anleihenhandel und ein fauler Kredit an den Möbelhändler Steinhoff: An der grössten US-Bank J.P. Morgan scheint das alles abzuprallen.

Der Gewinn lag 2017 unter dem Strich mit 24,4 Mrd. $ (20,1 Mrd. €) auf Vorjahresniveau, wie das Institut am Freitag mitteilte. Ein Minus durch die Steuerreform von fast zweieinhalb Mrd. $ kratzte kaum am Gesamtergebnis des Wall-Street-Hauses, das nach drei Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed inzwischen wieder auskömmlich Zinsen einstreicht.

Entsprechend äusserte sich Bank-Chef Jamie Dimon höchst zufrieden mit dem Geschäftsverlauf der zurückliegenden zwölf Monate: «2017 war für J.P. Morgan in vielen Bereichen ein Rekordjahr.»

Vor allem im Investmentbanking, insbesondere im Beratungsgeschäft rund um Fusionen, Übernahmen und Börsengänge, habe sich das Institut hervorragend geschlagen. Und auch die Vermögensverwaltung erwirtschaftete satte Gewinne.

An der Börse goutierten Anleger die Bilanz: Die J.P.-Morgan-Aktie kletterte im frühen Handel auf ein Rekordhoch von 111,98 Dollar.

Lediglich im Anleihenhandel, bei dem auch die Deutsche Bank (DBK 10.128 -0.37%) in den USA traditionell stark vertreten ist, gingen die Erträge wegen der Zurückhaltung vieler Kunden und sehr niedriger Schwankungen an den Finanzmärkten um 34% zurück.

Hinnehmen musste J.P. Morgan im vierten Quartal neben den Steuerbelastungen auch den Ausfall eines Kredits über 143 Mio. $ an den deutsch-südafrikanischen Möbelhändler Steinhoff. Insgesamt stand im Schlussquartal ein Gewinn von 4,2 Mrd. $ zu Buche, gut ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Höhere Boni

Wegen des satten Jahresgewinns stellte Dimon seiner Mannschaft höhere Bonus-Zahlungen in Aussicht. Die genaue Höhe solle in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden, sagte er.

Damit dürfte es für die Konkurrenz noch schwerer werden, im Kampf um gute Leute gegen J.P. Morgan zu bestehen – das gilt vor allem für das Investmentbanking, wo seit jeher die höchsten Gehälter gezahlt werden.

Auch die Deutsche Bank will ihren Mitarbeitern in diesem Jahr höhere Boni zahlen, sie dürften wegen des zu erwartenden Verlusts aber nicht besonders üppig ausfallen.

J.P. Morgan eröffnete den Bilanzreigen der US-Grossbanken. In der kommenden Woche folgen Morgan Stanley (MS 49.18 0.57%), Citigroup (C 69.35 -0.16%), die Bank of America (BAC 30.01 0.77%) und Goldman Sachs (GS 231.02 -0.18%).

Die europäischen Konkurrenten brauchen noch etwas länger, bis sie den Investoren einen Blick in die Bücher gewähren. Die Deutsche Bank will ihre Jahresbilanz am 2. Februar veröffentlichen.

Einmalige Belastungen

So wie J.P. Morgan leiden auch die meisten anderen US-Banken unter der Steuerreform von Trump – allerdings nur kurzfristig. Mit der grössten Steuerreform in den USA seit 30 Jahren sinkt die Körperschaftssteuer auf 21% von 35%.

Davon werden zwar auf lange Sicht auch die Banken profitieren, doch zunächst werden bei vielen hohe Abschreibungen fällig. Die Institute hatten während der Finanzkrise hohe Verluste erlitten, die sie über Jahre geltend machen konnten und die die Steuerlast drückten. Mit dem künftig niedrigeren Steuersatz sinkt der Wert dieser Verlustvorträge nun.

Eine Ausnahme ist die in San Francisco beheimatete Grossbank Wells Fargo, die vergleichsweise gut durch die Finanzkrise gekommen war: Dem Geldhaus, das vielen Amerikanern wegen seines Postkutschenservice im Wilden Westen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus ihren Schulbüchern bekannt ist, spülte die Steuerreform im vierten Quartal mehr als 3 Mrd. $ in die Kasse.

Im Geschäftsjahr 2017 stand insgesamt ein Nettogewinn von gut 22 Mrd. $ zu Buche. Dass der Gewinn stagnierte, hängt mit zahlreichen Skandalen zusammen, die die Bank zuletzt erschüttert haben. Für die Bewältigung von Rechtsstreitigkeiten verbuchte das Institut allein im Schlussquartal eine Belastung von 3,25 Mrd. $ vor Steuern.

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