Meinungen

Volatile Zeiten

Die Marktteilnehmer haben die Coronavirusvariante Omikron bereits abgehakt, ein Grund zur Freude ist das nur bedingt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Auch ohne den Einfluss von Omikron stehen dem Markt volatile Zeiten bevor.»

So lautet die Antwort auf die Frage, ob die Märkte das Auftreten der Coronavirusvariante Omikron bereits verarbeitet haben: Ja, aber. Das Ja gilt derweil nur, wenn sich die gegenwärtig erwarteten Eigenschaften von Omikron in den nächsten Wochen bestätigen. Wenn sie also zwar ansteckender ist als bisherige Varianten, dabei aber weniger schwere Verläufe verursacht und die aktuellen Impfstoffe Schutz vor Hospitalisierung bieten.

Der Grund für diese Einschätzung ist das Börsentableau. In der Schweiz haben der Hauptindex SMI (SMI 10'823.12 +3.54%) sowie der breitere SPI (SXGE 13'945.94 +3.37%) den Rückschlag bereits wettgemacht. In den USA fehlen dem marktbreiten S&P 500 dafür nur ein paar Punkte.

Die Reaktion passt ins Bild, denn jedes Mal, wenn eine neue Variante auftauchte respektive sich die Lage der Pandemie überraschend verschlechterte, brauchte der S&P 500 weniger lang, um sich vom Einbruch zu erholen. Waren es im Frühjahr 2020 noch fast 26 Wochen, hat sich die Zeit bei Delta auf sieben verkürzt.

Nun zum Aber. Auch wenn Omikron bereits abgehakt worden ist, gibt es immer noch genügend Faktoren, die der Börsenrally ein Ende bereiten könnten. In den USA erreichte die Inflation mit einer Rate von 6,8% im November bspw. ein Vierzigjahreshoch. Ein Grund sind die Lieferengpässe. Sie haben sich zwar gelockert, aus der Welt geschafft sind sie aber nicht.

Ausserdem wird das Federal Reserve wohl im nächsten Jahr beginnen, an der Zinsschraube zu drehen, während sich das Wirtschaftswachstum wieder dem langfristigen Pfad annähern wird. Auch ohne den Einfluss von Omikron stehen dem Markt also volatile Zeiten bevor.