Ohne Rom kein Europa. Wir sind alle Römer.

Darauf besannen sich Westeuropas Politiker nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs. Auf den Steinen Roms wurde mit dem Bau dessen begonnen, was heute die Europäische Union ist. Am 25. März 1957 unterschrieben Belgien, die damals nur aus dem Westen bestehende Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande die sogenannten Römischen Verträge; die Zeremonie fand im Palazzo dei Conservatori statt, unweit des Forum Romanum.

Die Symbolik der Ortswahl ist augenfällig. Das römische Reich der Antike, wiewohl genauso nordafrikanisch und vorderasiatisch wie süd- und westeuropäisch, war die erste Klammer des Kontinents. Die Römer hinterliessen ihre lateinische Sprache, die sich, in heutiger geografischer Benennung, von Portugal bis Moldawien, vom Ärmelkanal bis Sizilien auffächerte und etablierte. Dazu natürlich Schrift, Recht, Kultur, Technik, Strassen, Brücken, Städte, segensreicherweise auch den Weinbau; schliesslich – nachdem das aus dem Orient stammende Christentum in Rom die Oberhand gewonnen hatte – diese monotheistische Religion.

All das strahlte mit der Zeit weit über den Limes hinaus und zivilisierte (Rückfälle gab und gibt es immer wieder) die «Barbaren»: Germanen, Slawen, Kelten, was sich eben in diesem verwinkelten Erdteil an Völkerschaften so herumtrieb. Selbst die Rohlinge aus dem Norden, deren Ansturm das mürbe gewordene Rom am Ende nicht mehr standhielt, romanisierten sich teilweise und christianisierten sich ganz. Roms Kulturangebot war zu unwiderstehlich.

Die Reichsidee wirkte lange über den Untergang des antiken Rom im 5. Jahrhundert fort, in Konstantinopel – Ostrom – ohnehin, dann in Aachen. Erst 1806 endete das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation), das freilich, wie Voltaire spottete, weder heilig noch römisch noch ein Reich war. Dennoch, der Bezug auf Rom war langlebig. Nicht zu vergessen: Ein letztes, unverwüstliches Nachfolgegebilde Roms ist gewissermassen der Heilige Stuhl, der Vatikan.

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