Märkte / Makro

Japan hält an lockerer Geldpolitik fest

Die japanische Notenbank behält ihre Geldpolitik bei. Sie würde «ohne zu zögern» bei Bedarf weitere Massnahmen ergreifen.

(Reuters) Auch Japans Notenbank steht Gewehr bei Fuss, auf eine Konjunkturabkühlung mit einer noch lockereren Geldpolitik zu reagieren. Sie will «ohne Zögern» zu einem noch expansiveren Kurs übergehen, sollte die Entwicklung hin zur angepeilten Inflation von zwei Prozent bei einem Konjunktureinbruch erlahmen. Ihren Strafzins auf Einlagen von Geschäftsbanken beliessen die Währungshüter in Tokio am Dienstag wie erwartet bei 0,1%. Auch blieb es bei der Orientierungslinie für die Märkte, dass die Niedrigzinsphase noch bis «mindestens etwa Frühjahr 2020» andauern soll. Die Währungshüter in Tokio liegen mit ihrem Hang zu einer noch lockereren Geldpolitik im globalen Trend.

Mehrere asiatische Notenbanken haben die Zinsen bereits gesenkt. Wegen der unsicheren Konjunkturaussichten durch den Zollkonflikt steuert auch die US-Notenbank Fed auf die erste Kappung seit der Weltfinanzkrise zu. Und die Europäischen Zentralbank hat ebenfalls eine lockerere Linie signalisiert.

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda trat vor der Presse dem Eindruck entgegen, den Währungshütern in Tokio gehe allmählich die Munition aus, um die Wirtschaft bei einem Konjunktureinbruch zu befeuern: «Wir haben noch vielfältige Mittel zur Lockerung der Geldpolitik.» Dazu zählt er unter anderem die Senkung kurz- und langfristiger Zinsen sowie umfangreichere Wertpapierkäufe.

Analyst Tobias Basse von der NordLB geht davon aus, dass mit niedrigeren Leitzinsen in den Vereinigten Staaten durchaus noch ein spürbarer Aufwertungsdruck auf die japanische Währung Yen aufkommen könnte. «In einem solchen Szenario dürfte man in Tokio wohl sehr konkret über geeignete Anpassungen an der eigenen Geldpolitik nachdenken.» Angesichts der Vielzahl der bereits umgesetzten Massnahmen würde die Bank of Japan dann wahrscheinlich «tief in die geldpolitische Trickkiste» greifen müssen. Ein stärkerer Yen erschwert die Wettbewerbsposition von Japans exportorientierter Wirtschaft auf den Weltmärkten.

Die Bank of Japan versucht bereits seit Jahren, mit Wertpapierkäufen die eigene Konjunktur anzukurbeln und für mehr Inflation zu sorgen. Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen hatte das Land lange Zeit gelähmt. Die Inflation schwächte sich zuletzt aber wieder ab. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni in der Kernrate – also ohne die schwankungsanfälligen Preise für frische Nahrungsmittel – nur noch um 0,6% zu – das niedrigste Niveau seit Juli 2017. Im Mai waren es noch plus 0,8%. Kuroda ist dennoch weiter guten Mutes, dass die Notenbank ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreichen kann, auch wenn durch den Zollkonflikt die Risiken für die Konjunktur in dem Fernostland gestiegen seien.

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