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Japaner, schafft endlich das Bargeld ab!

Hat die Bank of Japan wirklich alles getan, um Inflation zu erzeugen? Nein, meint ein US-Ökonom, solange es den Yen noch als Bargeld gibt.

Alexander Trentin

Die Bank of Japan will Inflation. Dazu hat sie erst Ende Oktober ihr Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing, QE) ausgeweitet. Die Devisenmärkte sind beeindruckt. Die Zentralbankbilanz wächst mit diesen Käufen, gleichzeitig wird der Yen zum Dollar immer schwächer:

Japan1Quelle: Bloomberg

Doch Inflation und Wachstum damit zu stimulieren, ist deutlich schwieriger, als die Währung abzuwerten. In den letzten zwei Quartalen schrumpfte die Wirtschaftsleistung. Und im Oktober sanken die Preise wieder. Die nur temporär hohe Monatsinflation von 2% im April konnte durch die Erhöhung der Konsumsteuer erreicht werden. Doch der sinkende Ölpreis schlägt sich auch in Japan in einer tieferen Inflationserwartung nieder.

Japan2Quelle: Bloomberg

Der Konsens unter Marktbeobachtern ist, dass die japanische Zentralbank ihre Aufgabe erfüllt. Immerhin hat sie ja ihr QE-Programm gerade erst ausgeweitet. So argumentiert der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff vor kurzem, dass nun die Strukturreformen der japanischen Regierung endlich umgesetzt werden müssen, denn die Bank of Japan sei an das Ende ihrer Möglichkeiten gekommen. Erst dadurch könne sich Japan aus Deflation und niedrigem Wachstum befreien.

Doch stimmt das wirklich? Für Miles Kimball, Professor an der Universität Michigan, ist es nicht richtig, dass die Bank of Japan wirklich schon alles versucht hat. Denn die Japaner könnten ihre Zinsen senken. Die sind zwar schon bei null, aber Kimball gehört zu den Wirtschaftswissenschaftlern, die elektronisches Geld statt Papiergeld befürworten – damit man darauf negative Zinsen erheben kann. Gibt es kein Bargeld mehr, kann man sich vor negativen Zinsen auf dem Konto – wie es einzelne Banken in Deutschland für Geschäftskunden schon eingeführt haben – nicht mehr in Papiergeld retten. In einer Nachricht auf Twitter (TWTR 29.18 1.21%) schreibt Miles Kimball:

kimball

Die Japaner sind interessiert

Diese Sicht hat er schon letztes Jahr der Bank of Japan präsentiert. Und laut Kimballs Webseite zeigte sich die Zentralbank wie auch die Regierung Japans «interessiert» an seinem Vorschlag.

Die Papierwährung könnte zwar weiter existieren, aber die Preise müssten in Einheiten des elektronischen Geldes ausgedrückt werden. Es könnte einen sich ändernden Wechselkurs von elektronischem Geld zu Papiergeld geben. «Wir müssten uns nie mehr darum sorgen, dass Zentralbanken nicht mehr die Feuerkraft haben, einem langen Abschwung entgegenzuwirken», schreibt Kimball in einer Kolumne.

Absolute Geldwertstabilität möglich

Kimball ist aber kein Inflationstreiber, der das Geld in unserem Portemonnaie oder auf unserem Bankkonto immer wertloser machen will. Im Gegenteil: Er argumentiert, dass mit der Möglichkeit negativer Zinsen auch das allgemein akzeptierte Inflationsziel von 2% nicht mehr nötig ist. Ein Inflationsziel von 0% – also absolute Geldwertstabilität – wäre dann möglich.

Seine Argumentation: Die Zentralbanken wollen eine Inflation von 2%, damit sie Raum haben, den realen Zins tief genug zu drücken. Der reale Zins ist der nominale Zins minus die Teuerungsrate. Für Investitionsentscheidungen ist der reale Zins entscheidend. Wird der nominale Zins auf 0% gesetzt, ist mit einer Inflation von 2% immerhin ein Realzins von –2% möglich. Doch kann der nominale Zins negativ werden, dann ist dieser Spielraum durch eine positive Teuerung für die Zentralbank nicht mehr notwendig.

«Schon allein die Vorteile einer echten Preisstabilität würden die Unbequemlichkeiten von elektronischem Geld aufwiegen», glaubt Kimball. Könnte die Bank of Japan auch nach ihren riesigen Anleihenkäufen keine anhaltende Inflation erzeugen, dann könnten wir dort vielleicht die erste Abschaffung des Papiergelds einer Nation erleben.

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