Märkte / Makro

Japans Notenbank hält gegen weltweiten Trend an sehr lockerer Linie fest

Notenbankchef Kuroda glaubt trotz der steigenden Inflation nicht an die Erreichung des 2%-Ziels der Bank of Japan.

(Reuters) Trotz steigender Inflationsgefahren bleibt Japan anders als andere grosse Industrieländer geldpolitisch auf lockerem Kurs beliess am Freitag ihr kurzfristiges Zinsziel bei minus 0,1% und die Zielrendite für zehnjährige Staatsanleihen bei 0%. Notenbankchef Haruhiko Kuroda betonte, auch wenn die Inflation bald zeitweise die Zielmarke der Notenbank von 2,0% erreichen könne, sei eine geldpolitische Straffung «unangemessen».

Denn die vom Ukraine-Krieg weiter angeheizten Rohstoffpreise sorgten für eine Inflation, die den Konsum belaste. Zudem schmälere diese die Gewinne der Firmen, womit die Wirtschaft insgesamt leide. «Wir werden unsere kraftvollen geldpolitischen Lockerungsmassnahmen geduldig beibehalten, um eine nachhaltige, stabile Inflation zu erreichen», betonte der Notenbankchef.

Die BoJ koppelt sich damit vom Trend zu einer Straffung des Kurses ab, den die Währungshüter in London bereits Ende vorigen Jahres mit der Zinswende als erste der grossen Zentralbanken einleiteten. Mittlerweile hat die britische Notenbank schon zwei Mal nachgelegt. Und auch die einflussreichste Notenbank der Welt, die amerikanische Federal Reserve, hat den Preis des Geldes jüngst erhöht und will die Zügel dieses Jahr kräftig anziehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts der kräftig steigenden Inflation zumindest den Weg für eine Zinserhöhung freigemacht.

«Uhren in Japan ricken anders»

«Doch die Bank of Japan hält unbeirrt an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Die Uhren ticken in Japan eben doch etwas anders», meint NordLB-Analyst Bernd Krampen. Das liege auch daran, dass es in dem Fernostland trotz der ebenfalls zu beklagenden Lieferengpässe und höherer Energiepreise noch nicht zu einem massiven Anstieg der Inflation gekommen sei.

Während die Verbraucherpreise in der Euro-Zone zuletzt um 5,9% zulegten, ist die in Japan von der Notenbank als besonders relevant angesehene Kern-Inflationsrate – ohne frische Lebensmittel, aber mit Energie – im Februar nur auf 0,5% gestiegen. Doch in dem lange Zeit von einer konjunkturlähmenden Deflation im Griff gehaltenen Land ist dies eine recht hohe Rate, die seit zwei Jahren nicht mehr erreicht wurde. Dabei erwiesen sich die Energiekosten mit einem Anstieg von 20,5% als Haupttreiber. Die Verbraucherpreise (CPI) zogen insgesamt sogar um 0,9% an. Experten gehen davon aus, dass sich die Inflationsrate ab April der Zwei-Prozent-Marke nähern könnte – auch weil die Energiepreisexplosion im Zuge des Ukraine-Konflikts in dem rohstoffarmen Land dann voll durchschlagen dürfte.

Laut BoJ zieht Japans Wirtschaft im Trend an. Der Ausblick war damit weniger optimistisch als bei der vorherigen Sitzung im Januar, als es hieß, die Wirtschaft zeige «deutlichere Anzeichen eines Aufschwungs». Die BoJ warnte auch vor neuen Risiken durch den Krieg in der Ukraine, der die Finanzmärkte destabilisiere und die Rohstoffkosten drastisch in die Höhe treibe.