Unternehmen / Ausland

Japans Konzerne kaufen sich zur Weltspitze hoch

Nach dem Rekordjahr 2018 wird das asiatische Land weiterhin den Markt der Mergers & Acquisitions prägen.

Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Doch es zweifelt kaum jemand daran, dass der Verkauf der Stromnetzsparte von ABB an den ­japanischen Industriekonzern Hitachi erfolgreich über die Bühne geht. Mit einem Transaktionsvolumen von 11 Mrd. $ zählt der Deal zu den grössten, die japanische Unternehmen je eingegangen sind.

Es ist nicht zufällig, dass ausgerechnet ein japanischer Konzern in der Schweiz auf Einkaufstour ist. 2018 haben Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne mit 184 Mrd. $ so viel Geld wie noch nie für den Kauf ausländischer Gesellschaften ausgegeben, wie Daten des Finanzdienstleisters Dealogic zeigen. Erstmals seit vier Jahren liegt ­Japan in der Rangliste der globalen M&A-Aktivitäten (Merger & Acquisitions) wieder vor China.

Wachstum hinzu erwerben

Getrieben wurde das Transaktionsvolumen von einem Megadeal. Im vergangenen April kündete der japanische Pharmakonzern Takeda an, die britische Biopharmagesellschaft Shire für 62 Mrd. $ zu übernehmen.

Es war ebenfalls Takeda, die 2011 die grösste Transaktion eines japanischen Unternehmens in der Schweiz stemmte. Damals wurde Nycomed für 14 Mrd. $ übernommen. «Das Beispiel von Takeda zeigt, dass in Japan derzeit internationale Champions errichtet werden. Japans Unternehmen wollen globale Marktführer werden», sagt der langjährige Investmentbanker Heiko Horn, der für Citi den Standort Zürich leitet.

In ihrem M&A-Ausblick für 2019 prophezeien die Analysten von sowohl UBS wie JPMorgan, dass Japans Kauffieber nicht nur dieses Jahr, sondern mittelfristig anhalten wird. «Die japanische Wirtschaft weist keine Branche auf, die im Binnenmarkt wirklich wachsen kann. Deshalb besteht das Bedürfnis, sich Wachstum im Ausland über alle Sektoren hinweg zu ­kaufen», sagt Hernan Cristerna, globaler M&A-Co-Chef bei JPMorgan, auf Anfrage. Solang das Wirtschaftswachstum in Japan nicht anspringe, würden sich dortige Unternehmen im Ausland umsehen.

Gestützt werden die M&A-Aktivitäten zudem von gezielten Massnahmen diverser Finanzinstitutionen. «Unternehmen erhalten Finanzierungskonditionen von einheimischen Geschäftsbanken, der staatlichen Development Bank of Japan sowie von der Bank of International Cooperation, die im internationalen Vergleich sehr günstig sind. Das ist ein sehr grosser Vorteil», sagt Citi-Investmentbanker Horn. Er erwartet künftig weiterhin Transaktionen mit einem Volumen zwischen 5 und 10 Mrd. $.

USA gefragter als Europa

Hauptsächlich setzt Japan bei seiner Einkaufstour auf Nordamerika. «Die USA bieten den Vorteil, dass es der weltweit grösste Binnenmarkt ist. Zudem sind die konjunkturellen Unsicherheiten dort weniger ausgeprägt als in vielen anderen Teilen der Welt», so Cristerna von JPMorgan. Allerdings sorgt der stark protektionistisch geprägte politische Kurs von US-Präsident Donald Trump für zusätzliche Hürden bei Übernahmegelüsten.

Immer wieder schaut sich Corporate Japan deshalb in Europa um. Die Beteiligungsgesellschaft Softbank zeigte vergangenen Frühling Interesse an einer Minderheitsbeteiligung an Swiss Re, zog sich dann aber zurück. Erst kürzlich sorgte der Getränkehersteller Asahi in London für Aufregung, als er der Traditionsbrauerei Fuller das Biergeschäft für 330 Mio. $ abkaufte und damit die Expansion in Europa fortsetzt. Bereits 2016 hatte Asahi diverse europäische Biermarken wie etwa Peroni oder Pilsner Urquell von Getränkegigant SABMiller erworben.

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