Unternehmen / Konsum

Je luxuriöser, desto besser

Luxus kommt in Inflationszeiten gut weg, Rohstoffpreise und Lohninflation bereiten dennoch Probleme.

«Luxus hat bei der Inflation klare Vorteile» sagt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Der Kostendruck ist im Luxus tiefer als in anderen Konsumsegmenten, die höheren Bruttogewinne und dementsprechend besseren Margen dämpfen die gestiegenen Rohstoffkosten von Gold und Diamanten. Dies sieht man vor allem in den am höchsten platzierten Luxussegmenten, da zählt die Markenstärke und es gilt «je teurer, desto exklusiver». Vorteil für Richemont: Marken wie Cartier können Preiserhöhungen problemfrei an die Kundschaft weitergegeben, tendenziell sind preisliche Steigerungen sogar von Vorteil, um den Wert der Produkte und die Exklusivität zu erhöhen. Für das Luxussegment bei Swatch – Breguet, Blancpain – gilt Ähnliches.

Mehr Angestellte in der Schweiz, weniger Lohninflation

Im Vorteil sieht Schwendimann Swatch Group bei der Lohninflation, da mehr Arbeitnehmende in der Schweiz beschäftigt werden (51% vs. 22% bei Richemont)  und die Lohninflation hier weniger stark als in den USA oder in Europa ist. Richemont beschäftigt mehr Leute im Ausland, was zu grösseren Anpassungen bei den Löhnen führen kann. Auch bei nicht traditionell als Luxus klassifizierten Schweizer Unternehmen wie Calida und Lindt & Sprüngli verlässt man sich auf das im Vergleich zu Konkurrenten teurere Angebot. So bestätigt eine Sprecherin von Lindt & Sprüngli, dass ihre Schokolade erfahrungsgemäss auch in Krisenzeiten beliebt bleibe. Bei Calida sieht man im ersten Halbjahr 2022 das stärkste Wachstum bei Aubade, der höchstpositionierten Lingerie-Marke.

Rohstoffpreise sind unterschiedlich problematisch

Kurzfristig macht sich Calida-Finanzchef Sacha Gerber keine grossen Sorgen, wie er im Gespräch mit FuW sagt. Die Rohstoffe, hauptsächlich Baumwolle, werden ein Jahr vor Lancierung der neuen Kollektionen besorgt, weshalb der Konzern den kurzfristigen Preisschwankungen weniger stark ausgesetzt ist. Da 60% des Umsatzes der Calida Gruppe B2C ist und sie somit direkten Zugriff zu den Endkonsumenten hat, ist die Implementierung logistischer Kosteneinsparungen verhältnismässig schnell möglich.

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