Unternehmen / Schweiz

Jeder fünfte Schweizer Arbeitsplatz in Gefahr

Nach der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses erwägen viele hiesige Unternehmen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Der Anteil ihrer Arbeitsplätze in der Schweiz könnte so bis 2018 von zurzeit 57 auf 46% sinken.

In den nächsten drei Jahren könnte jeder fünfte Arbeitsplatz in der Schweiz ins Ausland verlagert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft AlixPartners unter rund fünfzig hiesigen Unternehmen. AlixPartners wollte von ihnen wissen, wie sie auf den durch die Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses ausgelösten Währungsschock reagieren. Danach haben 52% der befragten kleineren Gesellschaften (unter 1 Mrd. Fr. Umsatz pro Jahr) strukturelle Massnahmen wie die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland schon beschlossen oder durchgeführt. 31% wollen es noch tun. Bei den grösseren Unternehmen lauten die entsprechenden Zahlen 41 bzw. 23%. Dementsprechend rechnen die Gesellschaften damit, 2018 noch 46% der Arbeitsplätze in der Schweiz zu haben. Zurzeit beträgt dieser Anteil 57%.

Anders als bei früheren Fussabdruckoptimierungen und Auslagerungswellen erwägen die Unternehmen jetzt, auch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie Verwaltungstätigkeiten ins Ausland zu verlegen und nicht mehr nur Produktions- und Montagearbeiten. Joost Geginat, Managing Director im Zürcher Büro von AlixPartners, fragt sich allerdings, ob die Unternehmen «wirklich willens und in der Lage» seien, Arbeitsplatzverlagerungen im angekündigten Ausmass vorzunehmen. Denn solche Massnahmen seien «nicht einfach durchzuführen» und seien meist «mit hohen Kosten verbunden».

Breites Massnahmenspektrum

Wenn bisher schon Arbeitsplatzmassnahmen beschlossen oder durchgeführt wurden, dann waren es neben der Verlagerung ins Ausland meist Kurzarbeit, Arbeitszeitverlängerungen oder Anpassungen der Nebenleistungen. Einen Stellenabbau versuchten die Unternehmen dagegen wenn möglich zu vermeiden. Den Hebel bei den Personalkosten angesetzt haben wegen des Währungsschocks bisher 52% der befragten kleineren Betriebe, 17% wollen es noch tun. Bei den grösseren Gesellschaften haben 29% schon bei den Personalkosten gespart, 4% haben entsprechende Massnahmen noch vor.

Auf den Währungsschock reagierten die Unternehmen aber nicht nur mit Personalmassnahmen wie Einstellungsstopp, Entlassungen oder Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Zu den populärsten Massnahmen gehörten gemäss der Umfrage auch die Neuverhandlung von Einkaufsverträgen, die Optimierung der Lieferantennetzwerke und Preisanpassungen bei den verkauften Produkten und Dienstleistungen.

Deutlicher negativer Margeneffekt

Mit diesen und weiteren Massnahmen versuchten und versuchen die Unternehmen, den Effekt der abrupten Frankenaufwertung auf ihre Marge abzufedern. Den negativen Einfluss auf die Ebitda-Marge veranschlagen sie in der Umfrage auf durchschnittlich 11%. Bei 70% der Befragten war die Wirkung kleiner, bei 30% grösser. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Gesellschaften mit weniger als 500 Mio. Fr. Umsatz pro Jahr.

Mit der Einleitung von Massnahmen hoffen die Unternehmen den negativen Einfluss der Frankenaufwertung auf die Marge auf durchschnittlich 4% verkleinern zu können. Die mögliche Reduktion hängt dabei wesentlich von der Unternehmensgrösse ab. Gesellschaften mit weniger als 500 Mio. Fr. Umsatz erwarten eine Reduktion des Margeneffekts von 50% gegenüber der ursprünglichen Projektion. Bei den grösseren Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. Fr. Umsatz soll die durch Massnahmen bewirkte Verkleinerung des Margeneffekts der Frankenaufwertung sogar 75% betragen.

Standortattraktivität sinkt

In der Umfrage wurden die Gesellschaften auch gefragt, wie sie den Unternehmensstandort Schweiz nach dem Währungsschock beurteilen. Danach ist die Schweiz weiterhin attraktiv als Holding- und Innovationsstandort (77 bzw. 64% Zustimmung). Als den optimalen Ort für Verwaltungsaktivitäten (46%) und für die Produktion von Premiumgütern (33%) sieht die Schweiz dagegen nur noch eine Minderheit der Unternehmen.

AlixPartners-Mann Geginat ist «optimistisch, dass die Schweizer Unternehmen die mit dem Währungsschock verbundenen Herausforderungen bewältigen können». Sie hätten «bisher schnell und gut reagiert». Zudem hätten sie «noch weitere Hebel zur Ergebnisverbesserung zur Verfügung».

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