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Jerry Cotton geht an die Börse

Wer kennt sie nicht, die seit fünfzig Jahren wöchentlich am Kiosk aufliegenden Jerry-Cotton-Romanhefte. Die Muttergesellschaft des Verlagshauses geht nun an die Börse.

Andreas Meier

Verlegt werden die Hefte mit den Abenteuern eines FBI-Agenten vom Kölner Bastei-Verlag, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren unter anderem für seine teils in Hunderttausenderauflagen gedruckten Comics-Hefte Bessy, Lasso, Buffalo Bill, Felix, Gespenster-Geschichten und vielen mehr bekannt war.

Jetzt geht die Muttergesellschaft von Bastei, Bastei Lübbe, an die Börse. Die Romanhefte machen heute – zusammen mit den Rätselheften – nur noch rund 9% des Umsatzes aus. Comics werden seit 2006 überhaupt keine mehr herausgegeben. Dafür hat Bastei Lübbe kräftig in den Ausbau des Buchgeschäfts und schon früh in entsprechende Digitalangebote investiert. Mit Bestsellerautoren wie Ken Follett oder Dan Brown («Sakrileg») werden populäre Genres vom Krimi, über Science-Fiction bis zu Historien­romanen und Sachbüchern für ein breites Leserspektrum abgedeckt – als gedruckte Bücher, e-Books oder Hörbücher.

Ende 2011 wurde mit dem Kauf des Geschenk- und Wohnaccessoirehändlers Räder Wohnzubehör in ein neues Geschäftsfeld diversifiziert, um so ein Standbein ausserhalb des umkämpften Buchmarkts aufzubauen. Doch wurde auch im Buchgeschäft expandiert – etwa mit dem Kauf von Kinderbuch-Verlagen und dem renommierten Eichborn-Verlag.

Mit dem Erlös aus dem jetzt anlaufenden Börsengang will Bastei Lübbe vornehmlich das Digitalangebot und die Auslandmärkte (mit Fokus auf Englisch, Spanisch und Mandarin) ausbauen. Dazu werden bis 1. Oktober 5,3 Mio. Aktien zur Preisspanne zwischen 9 und 11 € zur Zeichnung angeboten. Der Handel startet am 8. Oktober im Prime Standard der Frankfurter Börse.

Von den angebotenen Aktien stammen 2 Mio. von der Lübbe Beteiligungs AG, die restlichen werden neu geschaffen. Zu 11 € hätte das Unternehmen nach dem Börsengang einen Wert von 145 Mio. €. Das vergleicht sich mit einem letztjährigen Umsatz von 98 Mio. €, einem Gewinn von 7,9 Mio. und einem Eigenkapital von 21 Mio. € (24% der ­Bilanzsumme per Ende Juni 2013).

Bastei Lübbe ist ein typischer mittelständischer, eigentümergeführter Betrieb. Stefan Lübbe, der Sohn von Gustav Lübbe, der den Verlag aufgebaut hatte, konnte 2002 die Insolvenz des mittlerweile serbelnden Unternehmens gerade noch verhindern und startete danach zusammen mit dem ehemaligen Kirch-Manager Karlheinz Jungbeck einen Totalumbau. Dieser ist geglückt. Bastei Lübbe erzielte 2012 eine Ebit-Marge von 12,2%.

Lübbe und seine Familie werden auch nach dem IPO eine Mehrheit am Unternehmen halten. Für das Geschäftsjahr 2013/14  werden ein Umsatz von 111 Mio.  und ein Ebit von 13 Mio. € budgetiert.

Zur angebotenen Preisspanne sind die Aktien mit dem 16- bis 19-Fachen des derzeitigen Gewinns bewertet, was für einen deutschen Small Cap recht hoch erscheint. Warten mit Kaufen bis nach dem Börsengang scheint da die angebrachte Taktik.

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