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Jetzt kommen die Krypto-Banken

Start-ups der jungen Finanztechnologieszene streben die traditionelle Schweizer Banklizenz an. Eines, das die Bewilligung schon hatte, gab bereits wieder auf.

Valentin Ade

Die Newcomer der Schweizer Finanzszene wollen auf Augenhöhe mit den etablierten Playern kommen. Dafür greifen sie nach dem entscheidenden Merkmal der traditionellen Finanzwelt: der Banklizenz.

Das Fintech-Start-up Crypto Finance mit Sitz in Zug hat heute mitgeteilt, dass es bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Banklizenz beantragen wird. Dafür hat es bei Schweizer Unternehmen und Investoren 16 Mio. Fr. eingesammelt, unter anderem ist der Hedge-Funds-Pionier Rainer-Marc Frey mit von der Partie.

Crypto Finance bietet Fondsmanagement, Handel und Verwahrung rund um Kryptovermögenswerte an. Der prominenteste, Bitcoin, hat vor kurzem die 20’000-$-Marke geknackt.

Das Start-up wird geführt vom ehemaligen UBS-Banker Jan Brzezek. Im Verwaltungsrat sitzen unter anderem der bekannte Fintech-Investor Marc Bernegger und Raymond Bär, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der Bank Julius Bär.

Verstärkung aus der Bankenwelt

Doch Crypto Finance ist nicht das einzige Schweizer Fintech/Krypto-Start-up, das den traditionellen Weg einer Bank beschreiten will. So bereitet auch das Jungunternehmen Smart Valor mit Sitz in Baar das Gesuch um eine Banklizenz vor. «Wir bringen Vermögenswerte auf die Blockchain», sagt Gründerin Olga Feldmeier.

Und auch das Zuger Unternehmen Bitcoin Suisse schliesst nicht aus, sich um eine Banklizenz zu bemühen. Gegründet von Nikolas Nikolajsen, ist Bitcoin Suisse aktiv in den Bereichen Handel und  Verwahrung von Kryptowährungen sowie Dienstleistungen rund um Initial Coin Offerings (ICO). Beim ICO gibt ein Krypto-Start-up eine eigene digitale Währung zur Finanzierung seines Projekts heraus.

Bitcoin Suisse hat im November Arthur Vayloyan – er ist Ex-Geschäftsleitungsmitglied der Falcon Private Bank und ehemaliger Credit-Suisse-Banker – zum neuen CEO berufen.

Bankverbindung fast unmöglich

Diesen Unternehmen, die eine Banklizenz alter Schule anstreben, sind die Erleichterungen des Schweizer Gesetzgebers für Fintech-Start-ups offensichtlich zu wenig. Der sogenannte bewilligungsfreie Sandkasten wurde bereits bei der Vernehmlassung von der Start-up-Branche als zu klein kritisiert.

Die neue Bewilligungskategorie für Fintech-Start-ups, die sogenannte Banklizenz «light», wird frühestens 2019 in Kraft treten. Für manche Gesellschaften dürfte allerdings auch sie zu wenig sein, lässt sie doch «nur» Publikumseinlagen von maximal 100 Mio. Fr. zu. Und dann dürfen die Gelder nicht angelegt oder verzinst werden.

Zudem ist es für Krypto-Start-ups heute in der Schweiz nahezu unmöglich eine Bankverbindung zu eröffnen. Einer der grössten Bitcoin-Verwahrer der Welt, das Unternehmen Xapo – ebenfalls Sitz in Zug – wickelt die Einzahlungen seiner Kunden beispielsweise über eine Bank in Gibraltar ab.

Wollen die Newcomer mit den Etablierten mithalten, bleibt nur noch die althergebrachte Banklizenz. Und das heisst: ein monatelanger Prozess, Mindestkapital von 10 Mio. Fr., Kosten für Anwälte und Prüfgesellschaften. Ob im Fall von Crypto Finance die aufgenommenen 16 Mio. Fr. ausreichen, ist also fraglich.

Nicht alle bestehen

Ein Fintech-Start-up mit Banklizenz gibt es in der Schweiz übrigens bereits. Besser gesagt: Das Jungunternehmen gibt es noch. Die Flynt Bank, ein Projekt des Ex-Leonteq-CEO Jan Schoch, hat Anfang Dezember mitgeteilt, ihre Banklizenz zurückgeben zu wollen.

Erst in diesem Jahr hatte Flynt bekannt gegeben, die Lizenz von der Finma erhalten zu haben. Anfang November dann verkaufte Schoch die Flynt-Technologie – eine ganzheitliche Vermögensverwaltungsplattform für Superreiche – an einen grossen Kunden des Unternehmens.

Flynt, die Fintech-Bank im Aufbau, verbrannte in atemberaubenden Mengen Geld. Insider sprechen von 10 bis 12 Mio. Fr. pro Jahr. Dies habe Schoch als Alleineigentümer nicht mehr stemmen können.

Es ist anzunehmen, dass Rainer-Marc Frey bei Crypto Finance einen längeren finanziellen Atem hat, zumal er nicht der einzige Investor ist.

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