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Joe Biden startet am «Super Tuesday» durch

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten wird zu einem Zweikampf zwischen Biden und Sanders.

(Reuters) Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten verengt sich auf ein hart umkämpftes Duell zwischen Joe Biden und Bernie Sanders. Die beiden Rivalen schnitten am «Super Tuesday», dem wichtigsten Tag der Vorwahlen, mit Abstand am besten ab. Vor allem der noch vor einer Woche abgeschriebene Ex-Vizepräsident Biden startete durch.

Der 77-Jährige, der für das moderate Lager steht, feierte überraschend in den meisten der 14 Bundesstaaten, in denen am Dienstag abgestimmt wurde, wichtige Siege. Doch auch der bisherige Spitzenreiter Sanders vom linken Parteiflügel fuhr mehrere Etappenerfolge ein.

Der Kampf um die Nominierung verschärft sich damit immer mehr zum Richtungsstreit: Wollen die Demokraten die USA nach links rücken oder versuchen sie, mit einem Kandidaten der politischen Mitte, bei der Präsidentenwahl im November den Republikaner Donald Trump aus dem Weissen Haus zu verdrängen?

«Für alle, die umgehauen, ausgezählt und zurückgelassen wurden: Das ist eure Kampagne», rief Biden jubelnden Anhängern in Los Angeles zu. «Wir sind noch sehr lebendig.» Monatelang war Biden als Favorit gehandelt worden, schnitt dann aber überraschend schwach bei den ersten drei Vorwahlen im Februar ab.

Erst am Samstag gelang ihm in South Carolina im vierten Anlauf das ersehnte Comeback. Daraufhin stiegen Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, seine direkten Rivalen im Buhlen um die Stimmen moderater Wähler, aus und empfahlen ihren Anhängern, Biden zu wählen.

Das zahlte sich aus. Biden siegte nicht nur wie erwartet in Südstaaten wie Alabama, Arkansas und Tennessee, sondern überraschend auch in Massachusetts, Minnesota und allem voran im Schlüsselstaat Texas, wo er in Umfragen zuvor zurückgelegen hatte.

Unter dem Strich sammelte er Hochrechnungen zufolge am «Super Tuesday» die meisten der Delegierten ein. Diese nominieren nach dem landesweiten Vorwahlmarathon dann im Sommer auf einem Parteitag Trumps Herausforderer.

Biden punktet bei Schwarzen und Frauen

Biden, der acht Jahre Stellvertreter des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama war, gelang die spektakuläre Wende dank seiner Beliebtheit bei afroamerikanischen Wählern. Auch bei Älteren, wohlhabenden Vorstädtern und Frauen kam er vielerorts besser an als Senator Sanders.

Der 78-Jährige, der besonders bei jüngeren Wählern Euphorie auslöst, gab sich dennoch siegessicher. «Wir werden die Nominierung der Demokraten gewinnen, und wir werden den gefährlichsten Präsidenten in der Geschichte dieses Landes besiegen», sagte er in Vermont.

Bernie Sanders kommt vor allem bei Älteren, wohlhabenden Vorstädtern und Frauen gut an. (Bild: Kate Flock/Bloomberg)

Sanders holte dort sowie in Colorado und Utah die meisten Stimmen. Ausserdem steuerte er in Kalifornien auf einen symbolisch wichtigen Sieg zu. Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat hat die meisten Delegierten zu vergeben.

Sanders weiss hier die am schnellsten wachsende Minderheit der Latinos hinter sich, die eine wichtige Säule der demokratischen Anhängerschaft bilden. Insgesamt ging es am Dienstag auf einen Schlag um mehr als ein Drittel der 3979 Delegiertenstimmen.

Bloomberg will Bewerbung überdenken

Für die anderen Bewerber verlief der Super-Wahltag enttäuschend. Die linke Senatorin Elizabeth Warren schaffte es nicht einmal, in ihrem Heimatstaat Massachusetts vor Biden und Sanders zu landen. Der Milliardär Michael Bloomberg konnte nur im US-Aussengebiet Amerikanisch-Samoa einen Sieg verbuchen.

Der Ex-Bürgermeister von New York stand das erste Mal auf den Wahlzetteln. Die ersten vier Vorwahlen liess er aus, konzentrierte sich stattdessen ganz auf den «Super Tuesday» und steckte 500 Millionen Dollar in Wahlwerbung. Einer Sprecherin zufolge will er die Zukunft seiner Bewerbung überdenken. Dies müsse aber nicht heissen, dass er das Handtuch werfe.

Michael Bloomberg ist ehemaliger Bügermeister von New York.  (Bild: Erik S. Lesser/EPA/Keystone)

Sollte er aussteigen, dürfte davon am ehesten Biden profitieren, da auch Bloomberg vor allem Wähler in der politischen Mitte anspricht. Biden argumentiert, dass ein Kandidat Sanders mit aus amerikanischer Sicht teils radikal linken Positionen viele Wähler verprellen und in die Arme Trumps treiben könnte. Er empfiehlt sich dagegen als der Bewerber, der das nach vier Jahren Trump tief gespaltene Land über die Parteigräben hinweg wieder einen kann.

Ideen, wie den von Sanders geforderten Ausbau der allgemeinen Krankenversicherung, hält er für finanziell nicht umsetzbar. Sanders schürt dagegen Hoffnungen, dass die USA nach Trump einen echten Wandel hin zu einer gerechteren Gesellschaft einleiten. Der selbst ernannte «demokratische Sozialist» wirbt für kostenlose Universitäten, Mindestlöhne und will Steuern so erhöhen, das es besonders Reiche trifft. Sollte der Wall-Street-Kritiker Kandidat werden und gegen Trump gewinnen, dürfte das an den Börsen für Unruhe sorgen.

Wann eine Entscheidung in dem Zweikampf fällt, ist derzeit nicht absehbar. Biden ist zwar nach dem «Super Tuesday» wieder obenauf. Aber Sanders hat bereits einmal bewiesen, wie zäh er ist: 2016 bot er – damals noch als klarer Aussenseiter – der hochfavorisierten Hillary Clinton monatelang die Stirn. Erst kurz vor dem Nominierungsparteitag räumte er seine Niederlage ein. Die Demokraten kürten Clinton, die aber anschliessend gegen Trump verlor.

Leser-Kommentare

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Willy Huber 05.03.2020 - 13:21
Die USA sind mit ca. 250 Jahren ein noch relativ junger Staat, gleichwohl heute einer der mächtigsten. Weitestgehend durch europäische Auswanderer besiedelt gelang eine Staatsform, die man als urdemokratisch bezeichnen kann; die einzelnen Staaten haben grosse Unabhängigkeit und Verantwortung, der Kongress (Senat und Repräsentantenhaus) bestimmt die Geschicke des Landes. Beipielhaft und vorbildlich; die Schweiz hat diese Staatsform bei der Gründung… Weiterlesen »