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Jörg Gasser: «Es wird keine Sonderlösung für die Schweiz geben»

Der CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung appelliert für ein neues Selbstbewusstsein der Bankbranche. Er betont die Wichtigkeit eines EU-Marktzugangs.

Sinkende Margen, Kampf um Neugeld, steigender Regulierungsdruck: Die Schweizer Vermögensverwalter stehen vor grossen Herausforderungen. Um in diesem Umfeld bestehen zu können, müssen sie sich ständig neu erfinden. Doch längst nicht alle Probleme lassen sich mit nur einer Strategie bekämpfen. Politische Unsicherheiten belasten den Finanzplatz. Die Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU befinden sich in einer Sackgasse. Resultat: Die Türen zu den EU-Märkten bleiben grösstenteils verschlossen.

Jörg Gasser, CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung, ist optimistisch, dass die Schweiz in einzelnen Punkten noch Verhandlungsspielraum hat. «Die Debatten werden zwar härter», sagte Gasser am Mittwoch im Rahmen des FuW Forums «Vision Bank – Vision Finanzplatz Schweiz». «Aber es ist möglich, dass wir beim Rahmenabkommen noch etwas herausholen.»

Glaubt man seinen Worten, ist das Potenzial aber begrenzt. «Wer glaubt, dass wir eine grundsätzlich bessere Lösung erhalten werden, täuscht sich. Es wird keine Sonderlösung für die Schweiz geben.»

Frustrationspotenzial ist gross

Gassers Voten fielen im Rahmen einer Panel-Diskussion mit Vertretern der Bankenlandschaft, die sich am FuW Forum mit den Herausforderungen für das internationale Wealth Management auseinandersetzten. Dabei zeigte sich: Das Verhältnis zur EU ist für die Branche nicht nur ein grosser Unsicherheitsfaktor. Es birgt auch Frustrationspotenzial. «Die Stimmen werden lauter, die sagen: Wenn wir keinen Zugang zum EU-Markt erhalten, warum sollten wir ausländischen Banken dann den Zugang zur Schweiz ermöglichen?», so Gasser.

Wie kompliziert das Verhältnis zur EU geworden ist, zeigt das Beispiel der vereinfachten Freistellung in Deutschland. Schweizer Banken können bei der deutschen Finanzmarktaufsicht beantragen, auch ohne Vermittlung eines in Deutschland bewilligten Kreditinstituts grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen im Land aufzubauen. Doch das Verfahren ist kompliziert und langwierig. Ein Erfolg ist nicht garantiert. «Das ist Ausdruck einer Tendenz, die wir seit längerem feststellen», sagt er. «Wo man kann, baut man Druck gegen die Schweiz auf. Entweder, bis wir Rahmenabkommen haben, oder bis wir die Rechte der EU übernehmen.»

Mehr Selbstbewusstsein gefordert

Klar scheint: Wollen die Schweizer Banken in der EU einen vereinfachten Zugang, wird es ohne Abstriche nicht gehen. Schon heute nähert sich die Schweiz regulatorisch der EU an, zuletzt mit dem Regulierungspaket Fidlet/Finig. Doch damit ist es noch nicht getan. «Dass die Schweiz sich gegen eine dynamische Rechtsübernahme wehrt, gehört wohl zur DNA des Landes», sagt Gasser. «Die Frage stellt sich aber, wie weit wir das treiben können. Gerade im Hinblick auf das Rahmenabkommen.»

Vor diesem Hintergrund appellierte Gasser dafür, sich als Nation nicht auch noch selbst Fesseln zu verpassen. «Wenn wir einen erfolgreichen Finanzplatz haben wollen, muss die Stempelabgabe weg, und die Verrechnungssteuer muss reformiert werden», sagt er. «Das hat absolute Priorität für uns.»

Und der Chef der Bankiervereinigung trat für mehr Selbstbewusstsein der Bankbranche ein. «Wir sind gut darin, davon zu sprechen, wie schlecht es um das Banking in der Schweiz steht», sagt er. «Dabei haben wir die Rahmenbedingungen für eine gute Zukunft mit den Regulierungen der vergangenen Jahre gesetzt. Nun müssen wir endlich raus aus der Defensive.»