Unternehmen / Konsum

Johannes Reck: Der König der Economy-Vielflieger

Anstehen war gestern. Dank Johannes Reck und Get Your Guide ist der Besuch des Eiffelturms und der Mona Lisa deutlich einfacher geworden.

«Weil ich der schlechteste Programmierer war», antwortet Johannes Reck im Scherz auf die Frage, warum er von den fünf Gründern von Get Your Guide CEO geworden ist. Er fügt aber hinzu, dass es etwas Wahres habe. Denn Reck hatte die Idee für das Online-Buchungsportal Get Your Guide. Und zwar an einem Schüleraustauschkongress in Peking, als er online erfolglos eine Sightseeing-Tour buchen wollte. Während des Biochemiestudiums an der ETH in Zürich gründete er 2007 mit Kommilitonen Get Your Guide. Daraus wurde ein Jahr später Ernst. Reck schrieb einen Businessplan und holte Investoren ins Boot. Jüngst Private-Equity-Koloss KKR mit 50 Mio. $.

Das Geld finanziert weiteres Wachstum. Zwar ist Getyourguide.com schon jetzt führend im Online-Verkauf von Tickets für Attraktionen wie Eiffelturm und London Eye. Laut Reck können die Verkäufe für bestehende Aktivitäten und deren Anzahl von 30 000 aber noch gesteigert werden. Und auch der Markt wächst, besonders dank Touristen aus China. «Uns war immer klar: An der Marktgrösse wird es nie scheitern», sagt Reck. Profitabel ist das Geschäft noch nicht. Das bereitet dem Wahlberliner jedoch keine Sorgen, er verweist auf Amazon (AMZN 2442.37 1.72%).

«Wenn wir nicht permanent am Gaspedal sind, werden wir abgehängt», sagt Reck. Er fürchtet den Wettbewerb nicht. Um gefährlich zu werden, müsste ein Konkurrent günstiger Verkehr auf die eigene Seite leiten, ihn erfolgreicher in Verkäufe konvertieren und zudem – das ist laut Reck der entscheidende Punkt – ein besseres Angebot haben als Get Your Guide. Dennoch bleibt er auf der Hut: «Unsere Konkurrenten sitzen genauso in China wie im Silicon Valley, und jeden Tag können neue dazukommen.»

Jederzeit könne das Geschäftsmodell in Frage gestellt werden. War der Anteil von Verkäufen über Smartphones vor zwei Jahren noch inexistent, machen sie heute die Hälfte des Umsatzes aus. Das erfordert aber auch die passenden Lesegeräte bei den Anbietern – darum kümmert sich Get Your Guide neuerdings auch. Den Umsatz gibt der 31-Jährige nicht preis. Er dürfte im Bereich von 100 Mio. € liegen.

«Ich glaube, dass Get Your Guide eine Position einnehmen kann wie Uber (UBER 36.32 6.35%) bei Taxis und Airbnb bei Ferienwohnungen», sagt Reck selbstbewusst. Darum wurde ein Verkauf bisher auch strikt abgelehnt. Gründer und Mitarbeiter haben die Mehrheit am Unternehmen, und keiner der externen Kapitalgeber halte mehr als 20%. Offener ist Reck für einen Börsengang. Davon würden alle profitieren. Alles aber zu seiner Zeit: «Die führende Marktposition und das hohe Wachstum ist wie ein Sechser im Lotto. Die Welle muss man bis zum Ende durchreiten», sagt der gebürtige Kölner.

Persönliche Privilegien braucht Reck nicht. Er fliegt Economy und benutzt den öffentlichen Verkehr. Nur wenn es eilt, nimmt er Uber. In seiner Rolle sieht er auch eine Vorbildfunktion. Er lege Wert auf eine flache Hierarchie, die Mitbestimmung und das Führen auf Augenhöhe. Reck, locker und direkt, wirkt nicht wie der Chef von über 200 Mitarbeitern. Die Grösse erlaube ihm, einfacher zu delegieren. Dadurch fällt es ihm leichter, während des Urlaubs das Smartphone auszuschalten.

Klar benutze er Get Your Guide immer noch, erklärt er. Aber nicht mehr so oft wie zur Anfangszeit. «Früher bin ich selbst quer durch Europa geflogen und habe alles getestet, bevor ich die Sachen auf die Seite genommen habe», sagt Reck. So habe er in der Economy-Klasse den höchsten Senatoren-Status in Europa erhalten. «Das waren die manisch depressiven Phasen zwischen Bankrott und absolutem Superstar», so Reck. Seine Freundin habe ihn stark unterstützt. Zum Glück sei es heute entspannter geworden. Abends und am Wochenende schalte er das Smartphone für mehrere Stunden aus.

Zwar hat die Arbeitsbelastung abgenommen, nicht aber die Ambitionen: «Ich möchte ein Produkt aufbauen, das das Reiseerlebnis nachhaltig verändert», erklärt Reck. Dazu ist er mit Get Your Guide auf gutem Weg.