Unternehmen / Konsum

Jordi ist neuer Aryzta-VRP

Die Aktionäre haben an der a.o. GV eine neue Spitze unter der Leitung des ehemaligen Hiestand-Chefs gewählt.

(AWP/GA) Der Backwarenkonzern Aryzta (ARYN 0.702 -4.88%) hat eine neue Führungsspitze: Die Aktionäre wählten an der ausserordentlichen Generalversammlung vom Mittwoch alle drei von der aktivistischen Investorengruppe Veraison/Cobas vorgeschlagenen Verwaltungsräte. Neuer Präsident ist Ex-Hiestand-Chef Urs Jordi.

Jordi wurde mit knapp 97% aller Stimmen in den Verwaltungsrat und mit rund 66%  zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Daneben ziehen mit Armin Bieri (66% Zustimmung), ebenfalls ein ehemaliger Hiestand-Manager, und Heiner Kamps (95%) zwei weitere Branchenexperten in den Verwaltungsrat ein.

Aryzta-CEO Kevin Toland wurde von den Aktionären aus dem Verwaltungsrat abgewählt. Fast zwei Drittel folgten dem entsprechenden Antrag der Investorengruppe Veraison/Cobas.

Der bisherige Präsident Gary McGann sowie Dan Flinter, Rolf Watter und Annette Flynn verlassen das Aufsichtsgremium.

Watter, der der GV vorstand, drückte sein Bedauern über die Nichtwahl Tolands aus. Toland habe aber bereits im Vorfeld zugesagt, als CEO an Bord zu bleiben. Er konnte ebenso wie McGann wegen der Corona-Reisebeschränkungen nur online von Irland aus an der GV teilnehmen.

In allen Punkten durchgesetzt

Weiter wurden Kamps und Bieri neu in den Vergütungsausschuss gewählt, während Jim Leighton und Tim Lodge die Wahl nicht schafften. Damit hat sich die Investorengruppe um den aktivistischen Fonds Veraison auf der ganzen Linie durchgesetzt. Das sei ein historischer Tag – so etwas habe er noch nie erlebt, sagte Gregor Greber von Veraison am Rande der GV.

Die Investorengruppe hatte nach gewohnter Veraison-Manier schnell einigen Druck aufgesetzt: Gemeinsam mit dem bestehenden Aktionär Cobas sowie Michaela und Heiner Kamps baute sie seit dem Mai einen Anteil von rund 20% an Aryzta auf und forderte die Einberufung der nun abgehaltenen ausserordentlichen GV.

Der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat soll Aryzta wieder auf Vordermann bringen. Aktionäre, die an der GV das Wort ergriffen, sprachen dem neuen Team das Vertrauen aus. Diese schauten in die Zukunft und das sei sehr gut für die langjährigen Aktionäre, die viel gelitten hätten.

Ohne Gegenkandidat

Ursprünglich hätte es für das Präsidium zu einer Kampfwahl kommen sollen: Aryzta stellte Andreas Schmid, ehemaliger Barry-Callebaut-Chef und Verwaltungsrat mehrerer Gesellschaften, für den Posten auf. Doch dieser nahm sich am Vortag der GV selbst aus dem Rennen. Dies begründete er mit den «jüngsten Entwicklungen».

Am Donnerstagabend hatten Aryzta und die Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bestätigt, Übernahmeverhandlungen zu führen. Singer ist bekannt als aggressiver Investor. Unter anderem hat er bereits den Kurznachrichtendienst Twitter (TWTR 39.35 -0.63%) und den Pharmakonzern Bayer (BAYN 56.72 0.46%) ins Visier genommen.

Der neue VR-Präsident Jordi sprach sich entschieden gegen einen Verkauf aus. «Das wäre der schlechteste Zeitpunkt», sagte er an der GV. «Wir sind hier, um das Unternehmen auf den Erfolgspfad zurückzuführen.»

An der GV waren knapp 60% des Aktienkapitals vertreten. Die meisten hatten dabei schon im Vorfeld abgestimmt. An der GV erschienen 135 Aktionäre, die rund 18% der abgegebenen Stimmen vertraten.

Erste Pläne

Jordi will dem Management in den nächsten Wochen seine Strategie vorstellen, wie er am Rand der GV zu «Finanz und Wirtschaft» sagte. Als Kernpunkte hatte er zu einem früheren Zeitpunkt eine «kontrollierte Vereinfachung, geografisch, strukturell und im Geschäftsmodell» genannt.

Dabei verglich er Aryzta mit einem Containerschiff. Je mehr Container oder Geschäftseinheiten darauf geladen seien, desto näher rücke die Wasserlinie, und im Extremfall sinke das Schiff. «Das verhindern wir, indem wir Container umladen bzw. für sie neue Eigner finden.»

Aus dem Verkauf von Non-Core-Geschäften hofft Jordi, 600 Mio. € zu lösen. Damit liesse sich die Verschuldung auf ein «vernünftiges» Mass reduzieren.

Zudem muss sich der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat mit dem Kaufinteressenten Elliott zusammensetzen, zu dem Jordi bisher noch keinen Kontakt hatte.

Luft ist draussen

Aus dem zuvor durch die Übernahmespekulationen angeheizten Aktienkurs ist am Mittwoch viel Luft entwichen. Das hat die Valoren auf ein angemesseneres Niveau zurückgebracht.

Die operative Durststrecke hat Aryzta noch nicht überwunden. Die Erfolge im Geschäft werden die weitere Entwicklung des Aktienkurses prägen.

 

Die komplette Historie zu Aryzta finden Sie hier. »

Leser-Kommentare

Tobias Schait 16.09.2020 - 14:07

Auch eine Premiere nach 3 Jahren Durststrecke. Wieder einmal ein fairer Bericht der FuW. Spekulanten auf eine Übernahme ziehen sich jetzt zurück, weil sie nicht breve 30% Kursavancen einheimsen können. Die Geduldigen Aktionäre können heute feiern. Wenn beste Backwarenfachleute den EBITDA verbessern, ist auch die gegenwärtige Eigenkapitalquote vollauf genügend.

Michael Wagner 17.09.2020 - 10:12
Hey Tobias, habe gestern online die aoGV verfolgt und auch aufmerksam zugehört was du gesagt hast – gute Rede! Bin voll und ganz Deiner Meinung! Ich verstehe die EK-Qouten-Diskussion sowieso nicht. Ob in der Bilanz nun 2mrd, 1mrd oder 0 Goodwill steht, spielt für das Geschäft keine Rolle. Das Gipfeli schmeckt nicht besser oder schlechter deswegen, auch wenn z.B. das… Weiterlesen »