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US-Banken steigern Gewinn

J.P. Morgan und Citigroup haben im ersten Quartal deutlich mehr verdient. Sie profitieren von steigenden Zinsen und von der US-Steuerreform.

(Reuters) Bei den grossen US-Banken klingeln zu Jahresbeginn die Kassen. Steigende Zinsen, niedrigere Steuern und ein florierender Aktienhandel beleben das Geschäft. Die grösste US-Bank J.P. Morgan steigerte ihren Gewinn im ersten Quartal um mehr als ein Drittel auf 8,7 Mrd. $, Citigroup (C 69.12 -0.52%) erhöhte ihr Ergebnis 13% auf 4,6 Mrd. $. Selbst die von mehreren Skandalen erschütterte Wells Fargo verbesserte ihr Ergebnis 5% auf 5,9 Mrd.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon äusserte sich am Freitag hochzufrieden: «2018 hat gut begonnen, alle unsere Geschäftsfelder haben sich gut entwickelt.» Auch Citi-Chef Mike Corbat zeigte sich zuversichtlich: «Wir sind in einer guten Ausgangsposition für den Rest des Jahres.»

US-Banken profitieren von Steuerreform

Die US-Institute profitieren nicht zuletzt von der grössten Steuerreform in den USA seit 30 Jahren, wodurch die Körperschaftssteuer seit Jahresbeginn auf 21% von 35% gesunken ist. Zudem steigen die Zinsen jenseits des Atlantiks.

Die US-Notenbank dürfte nach Einschätzung von Experten auch unter dem neuen Chef Jerome Powell am Kurs der behutsamen Zinsanhebungen festhalten. Das treibt den Zinsüberschuss der Banken kräftig an. Zuletzt hatte die Fed im März ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 1,5 bis 1,75% angehoben.

Die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump und die höheren Zinsen helfen den US-Instituten ihren ohnehin grossen Vorsprung auf die europäischen Wettbewerber weiter auszubauen. In Europa liegt der Leitzins seit Jahren auf dem Rekordtief von 0%, für Einlagen bei der Europäischen Zentralbanken (EZB) müssen sie sogar einen Strafzins von 0,4% zahlen.

Höherer Ertrag im Aktienhandel

Auch der seit einigen Quartalen darbende Handel mit Aktien belebte sich. Die Angst vor steigender Inflation und stark steigenden Zinsen sowie die Furcht vor einem Handelskrieg mit China – nicht zuletzt befeuert durch Trumps Tweets – sorgten im ersten Quartal für Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Sowohl bei J.P. Morgan als auch bei der Citigroup kurbelte das den Ertrag im Aktienhandel kräftig an. Erstere löste in diesem Bereich 2 Mrd. $, so viel wie nie zuvor. Dabei hatte bereits im Vorjahreszeitraum der Amtsantritt von Trump als US-Präsident für boomende Börsengeschäfte gesorgt. J.P. Morgan konnte die Erträge im ersten Quartal 10% auf 28,5 Mrd. $ steigern, bei der Citigroup kletterten sie 3% auf 18,9 Mrd.

Während die europäischen Institute im Investmentbanking seit Jahren Federn lassen müssen, ist J.P. Morgan mit einem globalen Marktanteil von rund 8% weiterhin die Nummer eins in dem prestigeträchtigen und margenstarken Geschäft.

Doch selbst für die erfolgsverwöhnten US-Amerikaner wachsen im Investmentbanking nicht überall die Bäume in den Himmel. Bei J.P. Morgan stagnierten die Erträge im Anleihenhandel, bei Citigroup gingen sie zurück.

Wells Fargo droht Milliardenstrafe

Während die Erträge bei JP Morgan und Citigroup stiegen, gingen sie bei Wells Fargo 2% auf 21,9 Mrd. $ zurück. Das Institut aus San Francisco steht wegen eines Phantomkonten-Skandals in der Kritik. Über mehrere Jahre sollen rund 2 Mio. Konten ohne Genehmigung der Kunden eröffnet worden sein. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen.

Die Behörden haben Wells Fargo vorgeschlagen, den Skandal wegen mutmasslich unrechtmässiger Baudarlehen und anderen Vergehen mit einer Strafzahlung von 1 Mrd. $ beizulegen, wie das Geldhaus am Freitag mitteilte und damit Informationen von Reuters bestätigte. Doch eine Einigung steht noch aus. Den für das erste Quartal ausgewiesene Gewinn von 5,9 Mrd. $ muss Wells Fargo möglicherweise noch nach unten korrigieren.

JP Morgan, Citi und Wells Fargo eröffneten den Bilanzreigen der US-Großbanken. In der kommenden Woche folgen dann die Bank of America (BAC 30.19 -0.43%), Goldman Sachs (GS 242.49 -1.69%) und Morgan Stanley (MS 53.07 -1.06%).

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