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Märkte / Anleihen

Junk Bonds zittern vor dem Fed

Wenn das Fed heute den Leitzins erhöht, blicken Anleger nervös auf den High-Yield-Markt. Denn dort rumort es jetzt schon.

Seit Wochen dominiert ein Thema die Finanzmärkte: Wird die US-Notenbank heute Abend die Zinsen ein weiteres Mal anheben? Welchen Pfad wird sie für den Rest des Jahres vorzeichnen?

In einigen Marktsegmenten sorgt die Aussicht auf deutlich steigende Zinsen für Unbehagen, so etwa bei Anleihen mit niedriger Bonität, Hochzinsanleihen oder Junk Bonds genannt: Dort sind die Kurse seit Anfang Monat unter Druck. Der ETF von iShares auf den US-High-Yield-Markt ist auf den tiefsten Stand seit Dezember gefallen.

Die Aktienkurse dagegen waren einigermassen stabil. Bis vor kurzem aber liefen Aktien und Junk Bonds Hand in Hand. Beide profitierten von der Wachstumseuphorie nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Denn wenn die Wirtschaft brummt, sprudeln die Unternehmensgewinne, und selbst die hoch verschuldeten Firmen überleben.

Doppelt getroffen

Die Anleihenrenditen sind in den vergangenen Tagen über alle Bonitätssegmente gestiegen, auch die von US-Staatsanleihen. Doch bei den Hochzinsanleihen war der Zinsanstieg überdurchschnittlich. Dementsprechend hat sich der Renditeaufschlag zu sicheren US-Treasuries von 3,44 auf 3,9 Prozentpunkte erhöht. Die Spread-Ausweitung ist nicht dramatisch, doch es ist die erste in diesem Ausmass seit den Turbulenzen vor der Wahl von Trump.

Zunehmende Renditeaufschläge drücken ein erhöhtes wahrgenommenes Risiko von Zahlungsausfällen aus. Wenn das Zinsniveau steigt, könnte es selbst bei guter Wirtschaftslage für einige Unternehmen mit hohem Schuldenstand eng werden, so die Befürchtung.

Die Hochzinsanleihen leiden derzeit also gleich doppelt: sowohl unter dem allgemeinen Zinsanstieg als auch unter den höheren Kreditrisikoprämien.

Hoch bewertet

Die Risse im High-Yield-Markt könnten ein Vorbote für allgemeine Turbulenzen an den Finanzmärkten sein. Vielleicht handelt es sich aber auch bloss um eine technische Korrektur. Schliesslich sind die Bewertungen wieder extrem hoch. Sowohl die Renditen als auch die Renditeaufschläge sind im Februar auf das tiefste Niveau seit zweieinhalb Jahren gefallen.

US-Junk-Bonds rentierten im Mittel noch 5,5%, solch niedrige Marktzinsen gab es in der Geschichte nur in zwei Perioden: kurz vor dem Taper Tantrum im Jahr 2013 und vor dem Einbruch des Erdölpreises im Jahr 2014.

Mit Taper Tantrum werden die Verwerfungen im Zusammenhang mit der Reduzierung (Tapering) der Anleihenkäufe durch das Fed bezeichnet.

Der Spread oder Renditeaufschlag ist im Zug der Rally im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozentpunkte gefallen. Auch das war historisch gesehen ein extrem niedriger Wert. Nur in der Phase der Übertreibung vor der Finanzkrise wurden noch tiefere Aufschläge gemessen.

Ein amerikanisches Phänomen

Steigende Anleihen-Spreads beschränken sich bisher auf den Markt für US-Unternehmensanleihen. Bei auf Dollar lautenden Schwellenländerbonds dagegen lässt sich kein Anstieg der Renditeaufschläge ausmachen.

Dort hat die Anpassung bereits in den vergangenen vier Jahren stattgefunden. Reagiert haben dagegen die Schwellenländerwährungen. Sie haben sich in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar etwas abgewertet. Denn der Zinsvorteil gegenüber dem Dollarraum dürfte weiter sinken.

Ein anderes Anleihensegment, in dem die Zinsaufschläge zunehmen, sind Eurostaatsanleihen. Die Zinsaufschläge gegenüber deutschen Anleihen liegen sowohl in Frankreich als auch in Italien deutlich über dem Niveau der vergangenen zwei Jahre. Diese Spread-Ausweitung hat allerdings weniger mit der US-Geldpolitik zu tun als mit nationalen Begebenheiten.