Märkte / Anleihen 10:14 - 15.03.2017

Junk Bonds zittern vor dem Fed

Wenn das Fed heute den Leitzins erhöht, blicken Anleger nervös auf den High-Yield-Markt. Denn dort rumort es jetzt schon.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Anleihe
Fremdmittelaufnahme am Kapitalmarkt . Anleihen können fix oder variabel verzinst werden. Die als Wertpapier ausgestalteten und somit handelbaren Bruchteile einer Anleihe werden Obligationen oder Bonds genannt.
Bond
Englische Bezeichnung sowohl für eine Anleihe wie auch für ihre handelbaren Bruchteile, also die Obligationen .
Bonität
Mass der Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Dabei bezieht sich die Kreditfähigkeit auf die Vermögens- und Ertragslage des Schuldners und die Kreditwürdigkeit auf seinen Willen, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen (vgl. Rating ).
ETF
ETF sind Anlagefonds, die kotiert sind und an der Börse wie Aktien permanent gehandelt werden. Bei den meisten bisher lancierten ETF handelt es sich um Indexfonds, deren Zielsetzung es ist, einen bestimmten Branchen- oder Länderindex (in der Regel Aktien) nachzubilden.
Fed
US-Zentralbanksystem, dem die zwölf Federal Reserve Banks angeschlossen sind. An der Spitze steht das Direktorium (Board) in Washington, das auch die Mehrheit im Offenmarktausschuss stellt, in dem über die Geldpolitik entschieden wird.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
High-Yield-Markt
Markt für hochverzinsliche Anleihen sowie Leveraged Loans .
Junk Bond
Hochrentierende und zugleich durch hohe Risiken gekennzeichnete Anleihe . Die Emittenten solcher Titel sind oft Unternehmen mit einem Rating von BB+/Ba1 und tiefer, d. h. spekulativer Qualität .
Kreditrisiko
Verlust, den eine Partei im Fall der Zahlungsunfähigkeit eines Geschäftspartners erleiden würde (Kreditrisiko). Beispiele: Banken untereinander im Geldmarkt , Käufer von Obligationen oder strukturierten Produkten und Emittent .
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Notenbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .
Rally
Markttendenz mit stark steigenden Kursen.
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Spread
Betragsmässige (also positiv definierte) Differenz zwischen dem Geldkurs und dem Briefkurs eines Finanzwerts (Marge ). Je tiefer sie ist, desto kostengünstiger ist der Handel.
Staatsanleihe
Anleihe , die von einem Staat zur Deckung seines Finanzierungsbedarfs im In- oder Ausland emittiert wird. Die Renditen der Staatsanleihen dienen als Benchmark für andere Emittenten desselben Staates. Die Schweiz begibt im Unterschied zu anderen Ländern keine Anleihen der Eidgenossenschaft im Ausland.

Seit Wochen dominiert ein Thema die Finanzmärkte: Wird die US-Notenbank heute Abend die Zinsen ein weiteres Mal anheben? Welchen Pfad wird sie für den Rest des Jahres vorzeichnen?

In einigen Marktsegmenten sorgt die Aussicht auf deutlich steigende Zinsen für Unbehagen, so etwa bei Anleihen mit niedriger Bonität, Hochzinsanleihen oder Junk Bonds genannt: Dort sind die Kurse seit Anfang Monat unter Druck. Der ETF von iShares auf den US-High-Yield-Markt ist auf den tiefsten Stand seit Dezember gefallen.

US-Hochzinsanleihen und Aktienzoom Quelle: Bloomberg

Die Aktienkurse dagegen waren einigermassen stabil. Bis vor kurzem aber liefen Aktien und Junk Bonds Hand in Hand. Beide profitierten von der Wachstumseuphorie nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Denn wenn die Wirtschaft brummt, sprudeln die Unternehmensgewinne, und selbst die hoch verschuldeten Firmen überleben.

Doppelt getroffen

Die Anleihenrenditen sind in den vergangenen Tagen über alle Bonitätssegmente gestiegen, auch die von US-Staatsanleihen. Doch bei den Hochzinsanleihen war der Zinsanstieg überdurchschnittlich. Dementsprechend hat sich der Renditeaufschlag zu sicheren US-Treasuries von 3,44 auf 3,9 Prozentpunkte erhöht. Die Spread-Ausweitung ist nicht dramatisch, doch es ist die erste in diesem Ausmass seit den Turbulenzen vor der Wahl von Trump.

Höhere Kreditrisikoprämiezoom Quelle: Bloomberg, US High Yield Index

Zunehmende Renditeaufschläge drücken ein erhöhtes wahrgenommenes Risiko von Zahlungsausfällen aus. Wenn das Zinsniveau steigt, könnte es selbst bei guter Wirtschaftslage für einige Unternehmen mit hohem Schuldenstand eng werden, so die Befürchtung.

Die Hochzinsanleihen leiden derzeit also gleich doppelt: sowohl unter dem allgemeinen Zinsanstieg als auch unter den höheren Kreditrisikoprämien.

Hoch bewertet

Die Risse im High-Yield-Markt könnten ein Vorbote für allgemeine Turbulenzen an den Finanzmärkten sein. Vielleicht handelt es sich aber auch bloss um eine technische Korrektur. Schliesslich sind die Bewertungen wieder extrem hoch. Sowohl die Renditen als auch die Renditeaufschläge sind im Februar auf das tiefste Niveau seit zweieinhalb Jahren gefallen.

US-Junk-Bonds rentierten im Mittel noch 5,5%, solch niedrige Marktzinsen gab es in der Geschichte nur in zwei Perioden: kurz vor dem Taper Tantrum im Jahr 2013 und vor dem Einbruch des Erdölpreises im Jahr 2014.

Mit Taper Tantrum werden die Verwerfungen im Zusammenhang mit der Reduzierung (Tapering) der Anleihenkäufe durch das Fed bezeichnet.

US-Hochzinsanleihen seit 2000zoom Quelle: Bloomberg

Der Spread oder Renditeaufschlag ist im Zug der Rally im vergangenen Jahr auf 3,5 Prozentpunkte gefallen. Auch das war historisch gesehen ein extrem niedriger Wert. Nur in der Phase der Übertreibung vor der Finanzkrise wurden noch tiefere Aufschläge gemessen.

Ein amerikanisches Phänomen

Steigende Anleihen-Spreads beschränken sich bisher auf den Markt für US-Unternehmensanleihen. Bei auf Dollar lautenden Schwellenländerbonds dagegen lässt sich kein Anstieg der Renditeaufschläge ausmachen.

Dort hat die Anpassung bereits in den vergangenen vier Jahren stattgefunden. Reagiert haben dagegen die Schwellenländerwährungen. Sie haben sich in den vergangenen Wochen gegenüber dem Dollar etwas abgewertet. Denn der Zinsvorteil gegenüber dem Dollarraum dürfte weiter sinken.

Ein anderes Anleihensegment, in dem die Zinsaufschläge zunehmen, sind Eurostaatsanleihen. Die Zinsaufschläge gegenüber deutschen Anleihen liegen sowohl in Frankreich als auch in Italien deutlich über dem Niveau der vergangenen zwei Jahre. Diese Spread-Ausweitung hat allerdings weniger mit der US-Geldpolitik zu tun als mit nationalen Begebenheiten.

Höhere Renditeaufschläge für Italien und Frankreichzoom Quelle: Bloomberg

Weitere Artikel aus der Serie «Anleihen»

18.04.2017 Anleihen

Kaum Alternativen zu Argentinien

lock-status

Meistgelesene Artikel

28.04.2017 Makro

Trumps magere Bilanz

28.04.2017 Praktikus

Der Praktikus vom 29. April 2017

lock-status
28.04.2017 Meinungen

Ernüchterung im Weissen Haus