Schmuck soll schmücken. Zur wertvermehrenden langfristigen Kapitalanlage oder oder gar zum kurzfristigen Spekulieren eignen sich Edelsteine und Juwelen kaum, schon gar nicht aus privater Warte. Das bedeutet zwar nicht, dass jedes Schmuckstück mit der Zeit wertlos wird, doch die meisten Gebrauchsjuwelen, die regelmässig getragen werden, bringen im Wiederverkauf nur Bruchteile ihrer einstigen Ankaufspreise, oft sogar kaum mehr als ihren Edelmetallwert.

Dieser Wertzerfall im Generationentakt, der heute ja auch andere einst teuer bezahlte vermeintliche Wertobjekte wie alte Möbel und Antiquitäten erfasst, spiegelt sich in den vergleichsweise bescheidenen Preisen, zu denen man gegenwärtig attraktive, originelle alte Schmuckstücke kaufen kann. Selbst unter Einrechnung der Kosten für das Auffrischen, Polieren, Anpassen, Umarbeiten und gegebenenfalls Reparieren und Ergänzen solcher alter Schmuckstücke durch einen geschickten Juwelier erhält man hier gemessen am Preis beeindruckend viel Schmuckwert.

Auf die Steine kommt es an

Der Wiederverkaufswert von Juwelen wird in erster Linie durch ihren Materialwert bestimmt, also durch ihren aktuellen Edelmetallwert und vor allem durch den Marktwert der in ihnen gefassten Edelsteine. Ein Hauptgrund für die enttäuschende Performance alten Schmucks liegt darin, dass die Qualität den heutigen Anforderungen an Reinheit, Farbe und vor allem Schliff meist nicht derjenigen entspricht, die an Diamanten und Edelsteine gestellt wird.

Neben diesen harten Wertkriterien gibt es noch eine Reihe weicher Merkmale, die den Wert und die Wertentwicklung von Juwelen beeinflussen. Dazu gehören die stilistische und die künstlerische Perfektion von Design und Ausführung eines Schmuckstücks. Wertsichernd kann auch die Herkunft aus dem Besitz einer für ihren Juwelenappetit und Geschmack berühmten Diva wie Liz Taylor oder der Herzogin von Windsor wirken, deren Juwelen häufig von den besten Juwelieren ihrer Zeit stammen.

Weil diese nur die besten Edelsteinqualitäten verarbeiteten, versprechen signierte Stücke berühmter Juwelenlabel wie Cartier, Tiffany, Van Cleef & Arpels, Harry Winston, aber auch Laurence Graff, JAR (Joel Arthur Rosenthal), Chopard, Gübelin und Bucherer überdurchschnittliche Wertbeständigkeit. Dass neue und alte Juwelen solcher Häuser meist mehr als ähnliche Arbeiten unbekannter Juweliere kosten, dürfte Anlageberatern und Anlegern bekannt vorkommen: Eine höhere Anlagequalität ist ja auch bei konventionellen Kapitalanlagen meist mit einer Prämie verbunden.

Für Edelsteine und Juwelen gelten aber noch weitere Regeln, etwa dass sich zur langfristigen wertsichernden Kapitalanlage ausschliesslich die vier klassischen Könige des Edelsteinreichs eignen. Neben weissen und fancyfarbenen Diamanten sind dies die beiden Aluminiumoxidmineralien Rubin und Saphir sowie das Aluminium-Berylliumsilikat Smaragd. Solche Steine sollten zudem aus den besten Lagerstätten kommen, von bester Qualität sowie perfekt geschliffen sein. Weisse Diamanten müssen in den Farben D oder E, den Reinheitsstufen Lupenrein oder VVSI und der besten Schliffgraduierung XXX vorliegen und überdies mindesten 5 bis 10 Karat schwer sein. Rubine stammen idealerweise aus Burma und sind von «taubenblutroter» Farbe. Als «Verunreinigung» ist allenfalls nadeliger Rutil – Titandioxid – akzeptabel, der solchen Steinen einen seidigen Schimmer verleiht, die «Seide» des Rubins». Saphire stammen bestenfalls aus der Himalayaregion Kaschmir und sind «kornblumenblau».

Schön aber nicht sicher

Die wertvollsten Smaragde stammen aus Kolumbien und zeigen in ihrem Innern oft ein eigentümliches Muster aus festen, flüssigen und sogar gasförmigen Einschlüssen, das Juweliere auch als den Garten oder den «Jardin» eines Smaragds bezeichnen. Zwar wurden und werden auch mit anderen Edelsteinen schöne, schmückende Juwelen geschaffen, und es wäre schade, auf diese Vielfalt des Edelsteinreichs zu verzichten, doch zum Edelsteinwert eines Schmuckstücks und zu seiner Wertbeständigkeit tragen selbst hochwertige Türkise, Opale, Amethyste, Turmaline, Granate, Aquamarine, Kunzite usw. kaum bei. Solange für teure moderne Exoten wie die tiefblauen Tansanite, die orangerosafarbenen Padparadscha-Saphire oder die Paraibaturmaline mit ihrem einzigartigen «Electric Blue» eine generationenumspannende Markterfahrung fehlt, fährt man mit der Beschränkung auf Diamanten, Saphire, Rubine und Smaragde vielleicht nicht schöner, aber sicherer.

Als Ausnahme mag der nach Zar Alexander II. benannte ferne Smaragdverwandte «Alexandrit» mit seinem eigentümlichen beleuchtungsabhängigen «Changieren» oder Wechsel zwischen rötlicher und grünlicher Farbe gelten, der mit der Zunahme der Zahl reicher Russen zu neuen Marktehren gelangen könnte.

 

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