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Alexander Ospelt, Verwaltungsratspräsident Ospelt Gruppe

Gewisse Lebensmittel wecken auch nach vielen Jahren noch Erinnerungen. Mit Le Parfait geschmierte Brote waren auf Schulreisen oder Familienwanderungen früher fixer Bestandteil im Rucksack. Seit dem vergangenen Jahr, als Alexander Ospelt die Marke dem globalen Lebensmittelkonzern Nestlé abgekauft hat, wird der Brotaufstrich in der charakteristischen roten Tube nun im Hauptsitz der Ospelt-Gruppe, im liechtensteinischen Bendern produziert. «Jeder in der Schweiz kennt Le Parfait. Das hat uns interessiert», sagt Alexander Ospelt, der Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens. Nach einer Standortbestimmung gehe es nun darum zu prüfen, was beibehalten und was verändert werden muss, damit die Marke mit ihrer siebzigjährigen ­Geschichte der jungen Generation auch in Zukunft schmeckt.

Im Gespräch mit dem 60-Jährigen wird rasch klar: Für Alexander Ospelt dreht sich alles um Ernährung. Zur Gruppe, die der gelernte Metzgermeister in zweiter Generation führt, gehört neben Le Parfait auch noch die Charcuterie-Marke Malbuner. Dazu kommen zahlreiche Eigenmarken für Schweizer Grossverteiler. Ospelt: «Schon als mein Vater Ende der 50er Jahre noch eine kleine Metzgerei hatte, war ihm klar, dass er um weiterzukommen auch mit anderen Unternehmen ins Geschäft kommen muss.» Ospelt Senior hatte Kontakt zur Migros Ostschweiz, bald habe er begonnen, diese zu beliefern. Heute produziert das Unternehmen an fünf verschiedenen Standorten in Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland unter anderem Charcuterie, Rauchlachs, Sandwiches, Fertigpizzen und Tierfutter. 2020 wurde ein Umsatz von rund 700 Mio. Fr. erwirtschaftet.

Rasch folgte die Erweiterung des Angebots. Anfang der 80er kam eine Anfrage von einem Kunden, ob Ospelt nicht auch frische Eierspätzli herstellen könnte. «Damals gab es noch keine Spätzli zu kaufen, die einfach kurz in der Pfanne angebraten werden konnten», sagt er. Erste Muster wurden hergestellt, rasch wurden die Spätzli zu einem Verkaufsschlager. Zur Herstellung wurde in Sargans ein separater Standort errichtet. «Convenience Food, Fertiggerichte, das ist damals richtig explodiert.»

Abgesehen von ihren beiden Herstellermarken Le Parfait und Malbuner produziert das Unternehmen überwiegend Handelsmarken. Diese werden für Kunden hergestellt, die auch die Rechte an den jeweiligen Marken besitzen. Man müsse realistisch bleiben, meint Ospelt. Eine Marke aufzubauen, koste viel Geld. «Ein Familienunternehmen kann sich das nur schwer leisten.» Die Konkurrenz im Foodbereich ist aber auch bei Handelsmarken gross. «Es gibt sehr starke Mitbewerber, und jeder kämpft um einen Platz im Regal.» Über die Jahre habe sich die Ospelt-Gruppe aber einen sehr guten Namen geschaffen, vor allem dank guter Qualität.

Intensiv ist der Konkurrenzkampf auch bei einem weiteren Standbein der Gruppe, der Tiernahrung. Bereits in den 70ern hat Ospelt Senior mit dem Geschäft begonnen, um so Schlachtnebenprodukte verwerten zu können. Im Angebot gibt es heute Nahrung für Hunde und Katzen. Die Entwicklung ist rasant: «Vor 25 Jahren sind die grossen Foodtrends mit einer Verzögerung von fünf Jahren auch im Tierbereich angekommen», sagt er. Heute dauere das kaum mehr als ein halbes Jahr. Viele Konsumenten stehen vor dem Regal und kaufen für ihre Haustiere so ein, wie sie sich auch ernähren. Ospelt produziert deshalb auch veganes Katzenfutter auf Anfrage eines Kunden aus Italien, trotz anfänglicher Skepsis. Nun müsse  man schauen, ob sich das auch durchsetzt.

Der Gang an die Börse war für Alexander Ospelt nie Thema, das Unternehmen ist nach wie vor im Familienbesitz. «Nein, mein Vater hat mir ­immer gesagt, ich soll schauen, dass wir selbständig bleiben.» Die Diversifikation der Gruppe ist nicht auf einem Strategiepapier entstanden. Auf andere Investoren Rücksicht zu nehmen, ist für einen eigenständigen Unternehmer nicht nötig. Über die Jahre hinweg konnte er so mehrere ­Geschäftsmöglichkeiten nutzen, die ihm zugetragen wurden, etwa beim Einstieg in das Geschäft mit Tiefkühlpizzen oder den Kauf einer Lachsrösterei. Mit Sohn Philipp, der für das Marketing verantwortlich ist, ist bereits die dritte Generation im Familienunternehmen tätig. Wie lange wollen Sie den Job noch machen? «Ich habe mir keinen Zeithorizont gesteckt», sagt Ospelt. Es müsse für sie beide passen. Und solange es ihm Spass mache, bleibe er dabei.

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