Kaffee mit…

André Maeder, CEO KaDeWe Group

«Ich bin schon fast ein Berliner», lacht André Maeder nach bald sechs Jahren in der deutschen Hauptstadt. Ihm gefällt besonders die Weitläufigkeit der Parks und Grünanlagen, durch die er gerne spaziert, auch um über seine Arbeit als CEO der KaDeWe Group nachzudenken. Auch vom Empfangsraum am Hauptsitz des Detailhandelskonzerns geht der Blick ins Grüne, durch das der Landwehrkanal schimmert. «Es ist fast wie im Dschungel», merkt der 59-jährige gebürtige Berner und leidenschaftliche Kaffeetrinker an.

Die Anspielung könnte auch Maeders eigentlichem Revier gelten, dem Kaufhaus des Westens an der nahen Tauentzienstrasse. Könnte, denn obwohl das KaDeWe seit 2016 komplett umgestaltet wird, sind die Besucher im achtstöckigen Haus bestens umsorgt und gut geleitet. Der Umbau unter der Federführung von Rem Koolhaas und der Agentur OMA ist gut abgeschirmt, sodass den Kunden kaum ersichtlich wird, dass aktuell 20% der Verkaufsfläche von 60 000 m² unter Bau stehen. «Wir wollen in der Liga von Harrods, Selfridge oder Galeries Lafayette spielen», umschreibt Maeder die Zielsetzung. Das 1907 eröffnete KaDeWe zählt täglich rund 30 000 Besucherinnen und Besucher, in der Vorweihnachtszeit können es bis zu 180 000 Personen sein, die ins Haus strömen. Aufs Jahr hochgerechnet sind dies rund 10 Mio. Kauflustige.

Die KaDeWe Group investiert viel Geld in den Umbau ihrer drei Häuser – neben dem Haus in Berlin sind dies der Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg. 450 Mio. €, davon 250 Mio. € aus der eigenen Kasse und der Rest mit Mitteln der Partnergeschäfte, fliessen in die Erneuerung der drei Einkaufstempel mit einem Jahresumsatz von zusammen 600 Mio. €. Dies, obwohl manche Marktbeobachter skeptisch sind, was die Zukunft des Typus Warenhaus mit Blick auf das veränderte Einkaufsverhalten betrifft. Ganz anders André Maeder, der langjährige Branchenkenner ist vom Gegenteil überzeugt: «Das Format KaDeWe hat sehr gute Chancen, weitere hundert Jahre zu überleben. Denn wir verkaufen Träume, Inspirationen, und wir erfüllen Wünsche, die der Kunde gar nicht kannte, bevor er zu uns kam», begründet er seine Zuversicht.

Um den gestiegenen Ansprüchen an Erlebnis und Lifestyle gerecht zu werden, muss sich das Warenhaus gemäss Maeder nicht neu erfinden.  «Aber wir müssen es neu aufladen mit Emotionen und den Servicegedanken weiterentwickeln», gibt er die Richtung vor. Beispiele, wie das KaDeWe dies umsetzt, gibt er gleich mehrfach. Einen Sportschuh individuell gestalten? Gerne. Lust auf die Begleitung durch einen Personal Shopper oder eine Präsentation in privatem Rahmen? Kein Problem. Auch ein im Bausatzsystem gefertigter Kronleuchter nach eigenem Geschmack figuriert auf dem Angebot, das insgesamt mehr als 1 Mio. Artikel umfasst. Ist der Umbau dereinst abgeschlossen, sollen die Kunden zudem auf jeder Etage eine Kaffeebar oder eine Champagnerbar vorfinden.

Maeder legt viel Wert darauf, das Haus auf den Charakter der Stadt und ihrer Menschen abzustimmen und ihnen über die Einkaufsmöglichkeiten hinaus etwas zu bieten. «Unsere Städte bieten das Umfeld, und wir sind da mittendrin», sagt er. Sehen und gesehen werden gehöre einfach dazu. Rund 50% der KaDeWe-Kundschaft stammen aus Berlin, 20% aus dem übrigen Deutschland, und je 15% sind Touristen aus Europa bzw. dem Rest der Welt. Für die Berlin-Besucher ist das Haus der drittgrösste Magnet nach dem Brandenburger Tor. Mit einer wachsenden Zahl an Pop-up Stores sollen auch regelmässige Kunden stets Neues entdecken können. Ausstellungen und kleine Konzerte sind zur Abrundung ebenfalls gedacht.

Die Strategie wird von den Besitzern Central Group aus Thailand (50,1%) und Signa aus Österreich (49,9%) voll mitgetragen. «Das KaDeWe hat gute Eltern», meint Maeder dazu, der die Gruppe seit Anfang 2014 führt. Er nennt das Know-how und den langfristigen Geschäftsansatz, den die Eigentümer verfolgen. Den Weg nach Berlin fand Maeder bald nach dem Ausscheiden aus dem Modehaus Charles Vögele im Herbst 2011. Ein Freund aus seiner Londoner Zeit bei Harrods ermunterte ihn, als Verkaufschef zu Karstadt zu kommen. Als zwei Jahre danach René Benko mit Signa die KaDeWe Group aus dem Konzern herauslöste und einen CEO für die Gruppe mit 4000 Angestellten suchte, sagte Maeder zu. Noch bevor die drei Häuser fertig umgebaut sind, wird die Gruppe in den nächsten Jahren nach Wien und Düsseldorf expandieren. Fast zum selben Zeitpunkt – und damit einiges später als die meisten Konkurrenten – soll der Onlinevertrieb seine Tätigkeit aufnehmen. Ob die Gruppe die Fühler auch in die Schweiz ausstreckt, wo die Globus-Gruppe zum Verkauf steht und ein Standort an der Zürcher Bahnhofstrasse lockt? Die Möglichkeit von Gesprächen wollte Maeder nicht ausschliessen.

In der Weltstadt Berlin kommt Maeder als Cineast und Liebhaber von gutem Essen voll auf die Rechnung. Er taucht gerne in die Kinowelt und in die kreative Gastroszene ein, die er rund um den Wohnort nahe dem Kurfürstendamm findet. Obwohl Zürich punkto Lebensqualität nicht zu schlagen sei, vermisst er aus der Schweiz nichts. Auch nicht die Wochenendausflüge ins Tessin, hat er doch die unberührten Landschaften an der Ostsee als neue Liebe kennengelernt.

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