Kaffee mit…

Antoinette Hunziker-Ebneter, Bankerin

Vor dem Fenster grüne Gärten. Drinnen im Sitzungszimmer ist der Lärm von der Strasse kaum zu hören. Das Büro von Forma Futura Invest im Zürcher Engequartier scheint weit weg vom hektischen, lebhaften Handel, wie er früher an der Zürcher Ringbörse herrschte. «Nach wenigen Minuten im Handelsraum waren die ‹Vibes› schon spürbar. Man merkte, wohin sich die Börse bewegte», sagt Antoinette Hunziker, in den Achtzigerjahren eine der ersten Börsenhändlerinnen der Schweiz und heute CEO der Forma Futura Invest AG und Verwaltungsratspräsidentin der Berner Kantonalbank.

Begonnen hat sie ihre Tage damals mit einem kleinen Ritual: Auf dem Weg in die Börse, welche sich damals am Zürcher Bleicherweg befand, stärkte sie sich bei der Confiserie Sprüngli mit einem Fruchttörtchen. Anschliessend begann der Handel: Die Händler schlossen ihre Geschäfte «à la criée», auf Zuruf, ab, wie damals üblich. Dazwischen liefen die Fichenläufer mit ihren Zetteln hin und her. Zu Beginn gab es sogar noch eine Mittagspause, gegessen wurden Sandwiches in den kleinen Kabinen der Händler im Börsengebäude. Es sei eine schöne Zeit gewesen, geprägt von grossem Zusammenhalt, erinnert sie sich. Nach Handelsschluss freute man sich mit den Kollegen, welche einen Gewinn erzielt hatten, wusste aber, dass sich am nächsten Tag für jeden von ihnen das Blatt komplett wenden kann.

Ihre Karriere an der Börse begann Hunziker eher zufällig. Bei einem Vortrag eines Treasurers der Citibank an der Universität St. Gallen stellte sie als einzige Studierende Fragen, worauf dieser sie zum Mittagessen nach Zürich in die Bank einlud. Allerdings nicht ohne Hintergedanken: «There is no free lunch in life», sagte er. Sie müsse ihm dafür einen Vortrag über Währungsoptionen halten. Hunziker sagte zu und hatte am selben Abend nach ihrem Referat ein Jobangebot als Optionshändlerin für Devisen in der Tasche. «Ich war die erste Frau im Handelsraum und dazu noch eine ‹Gstudierte›.» Früher sei es nicht üblich gewesen, dass Börsenhändler über einen Universitätsabschluss verfügten.

Wenig später wechselte sie zur Bank Leu, um die Abteilung für Optionen und Futures aufzubauen. Abgesichert wurden die Transaktionen jeweils mit Aktien. Die Kollegen am Ring hätten ihr und den anderen Banken dafür jedoch regelmässig schlechte Preise gemacht. Hunziker ärgerte sich darüber. Nach einem Augenschein im Handelsraum der Börse forderte sie von ihrem Chef eine Verbesserung des Informationsflusses von Kassenhändler zu Optionshändler. «Dieser muss ganz eng sein. Im Devisenhandel waren wir im selben Raum. Man konnte hören, welchen Kurs der Kollege gemacht hat.» Kurz darauf wurde sie zur Leiterin des gesamten Wertschriftenhandels der Bank Leu befördert. Anschliessend war sie CEO der Schweizer Börse, wo sie unter anderem für den Aufbau der Elektronischen Börse Schweiz (EBS) verantwortlich war. Das bedeutete aber auch das Ende der Ringbörsen in der Schweiz. Das Berufsbild für Börsenhändler änderte sich, durch die Digitalisierung waren plötzlich ganz andere Voraussetzungen wichtig. Um den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen braucht es andere Menschen als solche, die gerne laut handeln und gestikulieren. Auch für sie sei es keine Option gewesen, tagtäglich bis zur Pensionierung von morgens bis abends vor dem Computer zu sitzen.

Nach einem Abstecher in die Leitung der Bank Julius Bär machte sich Hunziker als Gründungspartnerin der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Vermögensverwaltung Forma Futura Invest selbständig. Die Idee dazu entstand bei Kundengesprächen mit Julius Bär. Da habe sie realisiert, wie wichtig Unternehmern Werte sind. «Das Geld der Kunden einfach irgendwo anzulegen, stimmte für mich auch nicht mehr. Ich wollte dies ebenfalls wertebasiert machen.» Nach zwanzig Jahren Erfahrung in der Finanzbranche habe sie gesehen, dass Geld die Welt bewegt. Um die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, gilt es, in Firmen zu investieren, die verantwortungsbewusst mit Ressourcen umgehen. Bei Julius Bär gab es damals aber keinen Platz dafür, Nachhaltigkeit galt als Nischenthema.

Für Hunziker ist Nachhaltigkeit dagegen auch in Zeiten von Klimademonstrationen kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Seit mittlerweile zwölf Jahren wählt Forma Futura Invest die Firmen, in die sie investiert, nach zahlreichen rigorosen Kriterien aus. Nachhaltigkeit wird nicht nur nach reinen Umweltschutzkriterien entschieden. In die Beurteilung wird etwa auch miteinbezogen, ob ein Produkt tatsächlichen Bedürfnissen entspricht. Fonds haben sie keinen aufgelegt, angelegt wird das Geld der Kunden individuell. «Unter Nachhaltigkeit verstehen nämlich alle ein bisschen etwas anderes», sagt Hunziker.

Für sie sehr wichtig ist, dass sich mit nachhaltigen Investitionen auf lange Sicht die gleiche Rendite erzielen lässt wie mit konventionellen Anlagen. Sonst würde auch ihre Firma nicht funktionieren. Hier ist aber noch einiges an Aufklärungsarbeit nötig. Kaum jemand wird Verluste in Kauf nehmen und sich dafür mit der Nachhaltigkeit seines Portfolios trösten. Klar, für sie steige der Aufwand, und es resultiere nicht automatisch mehr Gewinn damit. Aber als Vermögensverwalterin könne sie sich ja auch ein etwas geringeres Salär bezahlen.

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