Kaffee mit…

Anton Mosimann, Starkoch

Er macht nur eine kurze Stippvisite an seinem eigentlichen Wohnort London. Erst gerade ist Anton Mosimann (72) aus Myanmar zurückgekehrt, wo er mit seiner Frau an einer Rallye – «eines meiner grossen Hobbys» – teilgenommen hat. Bald fliegt er in die Schweiz, wo er zusammen mit einem Teil seines Koch-Teams an verschiedenen Orten im Wallis wunderbare Essen zubereitet.

Seine Faszination für alte Autos zeigt er gerne. Sogar seine Manschettenknöpfe sind in Form von kleinen Oldtimern gehalten. «Ich bin viel unterwegs», sagt der Starkoch, über den wegen seiner Nähe zur königlichen Familie in Schweizer People-Magazinen regelmässig berichtet wird. Das sei auch eine der Seiten an seinem Job, die er über alles liebe. So war er erst kürzlich wieder mal in Bangkok. «Diese Düfte, diese Gewürze – einfach inspirierend», sagt Mosimann. In 75 Städten der Welt hat er bereits gekocht, in den letzten Jahrzehnten hat er rund tausend Köche ausgebildet. Imposante Zahlen einer eindrücklichen Karriere.

Wir treffen uns in seinem Club-Restaurant in London – dem Mosimann’s im Londoner Botschaftsquartier Belgravia. Es befindet sich in einer ehemaligen presbyterianischen Kirche, eingeklemmt in einer der langen, typisch britischen Häuserreihen. Der Orgelraum dient heute als Weinkeller. Es ist späterer Nachmittag, und noch keine Gäste sind in Sicht. Dennoch herrscht bereits emsiges Treiben. Das Personal bereitet sich auf einen intensiven Abend vor. Der Esssaal ist im Kirchenschiff untergebracht, abgerundet mit ausgesuchten Malereien an den Wänden.

Trotz seines intensiven Programms wirkt Mosimann entspannt und zufrieden. «Das ist mein Naturell. Ich war nie derjenige, der in der Küche herumschrie und für Hektik sorgte», erzählt Mosimann, der sich aus dem Tagesgeschäft etwas herausgenommen hat. Sein Restaurant und der Catering-Service werden heute von seinen zwei Söhnen begleitet, Anton ist als Berater im Familienunternehmen verblieben. Und immer wieder zieht es ihn an den Herd. Doch was macht eigentlich einen guten Koch aus? Mosimann zögert ein wenig – und sagt: «Kochen lernen kann jeder. Aber um sich abzuheben, muss man ein Gefühl dafür entwickeln. Wer für viele Leute kocht, muss spüren können, wie man das Essen zubereiten muss, damit es erst auf dem Tisch den perfekten Biss erhält.»

Trotz seines Erfolgs in London ist Mosimann stets auf dem Boden geblieben. «Vergesse nie, woher du kommst», lautet sein Motto. Er selbst ist im seeländischen Nidau in einfachen Verhältnissen als Sohn eines Wirteehepaars aufgewachsen und absolvierte im «Bären» in Twann seine Kochausbildung. Bereits in der Schweiz wollte er etwas erreichen und schaffte es, in fünf Palace-Hotels zu arbeiten. Später zog es ihn unter anderem nach Schweden, Korea und Japan, bevor er in London landete. Dort kam er im ehrwürdigen Hotel Dorchester unter. Mit Fleiss und seinem Streben nach Höherem arbeitete er sich bis zum Küchenchef hoch – und holte sich zwei Michelin-Sterne. «Das war ungewöhnlich, weil es schwierig ist, als Vertreter eines Hotel-Restaurants ausgezeichnet zu werden.»

In dieser Zeit kam Mosimann per Zufall in Kontakt mit Prinz Charles, zu dem er bis heute eine enge Bekanntschaft pflegt. Ebenfalls zählte er in den letzten Jahrzehnten die Premierminister zu seinen Gästen – von Margaret Thatcher bis hin zu David Cameron, die sein weltberühmtes Pilzrisotto mit einem Schuss Trüffelöl kosteten. Auch Theresa May konnte er in einem seiner privaten Essräume bereits einmal bekochen – allerdings noch zu einer Zeit, bevor sie das schwierige Brexit-Mandat übernahm.

Immer wieder nimmt sich Mosimann auch Zeit für die Benachteiligten der Gesellschaft, die Obdachlosen – ein Problem, das in London unübersehbar ist. So geht er manchmal mit ihnen weggeworfene, unverdorbene Esswaren suchen und kocht gemeinsam ein Abendessen. Er engagiert sich aber auch immer wieder bei Charity-Veranstaltungen, bei denen Geld für Randgruppen gesammelt wird.

Daneben nimmt ihn ein weiteres Projekt in Beschlag, das er seit drei Jahren vorantreibt: Im Walliser Ort Le Bouveret, am Ufer des Genfersees, hat er 2016 auf dem Gelände der Hotelfachschule César Ritz sein eigenes Museum eröffnet. Es soll alles andere als eine Selbstdarstellung werden, sondern ein Museum der kulinarischen Geschichte Europas. 6000 Kochbücher, darunter 350 historische, hat Mosimann in seiner Schaffenszeit gesammelt, das älteste davon aus dem 16. Jahrhundert.

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