Kaffee mit…

Beatrice Egli, Schlagersängerin

Das Treffen mit Beatrice Egli findet virtuell statt. Die 33-jährige Schlagersängerin weilt derzeit im Südtirol. Dort hatte sie am Vortag einen Auftritt, einen der ersten seit den Lockerungen. Die letzten Tage seien unglaublich gewesen: «Fünf Länder in drei Tagen, es war crazy», schwärmt sie.

Euphorisch erzählt sie, wie fest sie sich darauf gefreut hatte, live auftreten zu können. «Es ist grossartig, wieder unterwegs zu sein. Die Zuschauer sind hungrig und ich ebenso.» Trotz jahrelanger Erfahrung ist die «Deutschland sucht den Superstar»-Gewinnerin vor jeder Show nervös. «Das Lampenfieber verschwindet nie, egal wie gut ich vorbereitet bin.» Während dem Höhepunkt der Pandemie war die gebürtige Schwyzerin nicht wie viele andere Künstler in einem Kreativitätsloch, im Gegenteil: Zwei Alben hat sie veröffentlicht. Für eine Performerin, die vor allem durch Applaus und Gekreische Feedback zu ihrer Musik erhält, war es schwierig aufzufassen, wie ihre Fans zu den neuen Titeln stehen. «Zum Glück gibt es Social Media, um eine Rückmeldung zu erhalten», sagt sie.

Als die Welt im Lockdown war, widmete sich Egli aber nicht nur der Musik. Sie bestieg unter anderem das Matterhorn. Das Unterfangen ist Teil ihrer Dok-Serie «Beatrice Egli unlimited». Teil eins feierte vergangenen Mittwoch auf Oneplus Premiere. Teil zwei erscheint am 8. Juni. Egli erklomm im August 2021 im Rahmen der «100% Women Peak Challenge» den berühmten Berg. Von Schweiz Tourismus organisiert bestiegen von März bis Oktober 2021 mehr als 700 Bergsteigerinnen aus 20 Ländern alle 48 Viertausender der Schweiz – und zwar in reinen Frauenseilschaften.

Um einen Berg zu erklimmen, braucht es viel physische und vor allem psychische Vorbereitung: «Viele fragen mich nach dem Gefühl, als ich auf der Spitze des Bergs angekommen war. Doch für mich waren die dazugehörenden Vorbereitungen das Entscheidende.» Der Start wurde laut Egli immer wieder verschoben, was emotional belastend war. «Der Moment ganz oben war zu kurz», erzählt sie.

Für Egli war der Weg das Ziel. Während der Präparation hatte sie Zweifel und Ängste. «Die Spitze war das Einzige, was ich gesehen habe und nicht die verschiedenen Etappen bis nach oben.» Die Erkenntnis, dass die Zwischenschritte entscheidend sind, war enorm wichtig für die Schwyzerin. Sie versucht, diese Einsicht fortan in ihr Leben zu implementieren. Emotional war der Moment nach dem Abstieg. «Unten kam alles aus mir heraus. Ich war erschöpft und unglaublich glücklich zugleich.» Erst da realisierte sie, dass sie es geschafft hatte. Am eindrücklichsten war für Egli die Erkenntnis, dass beim Klettern jede Entscheidung Konsequenzen hat. «Trittst du auf den falschen Stein, kann es das Ende sein. In jeder Faser meines Körpers spürte ich, was es bedeutet, im Moment zu leben.»

Seit zehn Jahren steht Egli im Rampenlicht. Mittlerweile hat sie zehn Studioalben veröffentlicht und war unzählige Male im Fernsehen. Promi zu sein in einer Welt geprägt von einer Gesellschaft, die Schlagzeilen von Stars verschlingt und in der jeder sich auf Social Media äussern kann, ist nicht leicht. Eine Privatsphäre zu bewahren, sei eine Mission für sich. «Alles werde ich nie mit der Öffentlichkeit teilen, darin bin ich konsequent.» Dennoch gibt sie in der Serie viel von sich preis. Und nicht nur sie. Als Egli die Dok zum ersten Mal sah, war sie zutiefst gerührt. Es sei schön, dass die Menschen in ihrem privaten Leben die Türen öffneten, um über die Sängerin zu sprechen. Einfach ist das Spiel mit der Öffentlichkeit nicht immer.

In ihrer Karriere habe sie schon viele Höhen und Tiefen erlebt, immer in den Augen der Öffentlichkeit. Sich da durch zu navigieren, sei nicht leicht gewesen. «Mir fällt es oft schwer, nein zu sagen, das musste ich erst lernen. Auf meine Bedürfnisse zu hören, habe ich auch durch die Vorbereitung fürs Matterhorn gelernt.» Die Doku soll laut Egli zeigen, dass jeder seine Träume erfüllen kann. «Ich, eine Metzgerstochter, habe es geschafft, das kannst du auch!» – es ist viel Optimismus verpackt in klischeehaften Aussagen. So wie Egli strahlend vor mir sitzt, ist aber jedes Wort glaubwürdig, und man ist geradezu motiviert, selbst etwas Neues zu wagen.

Als Zuschauerin einer erfolgreichen Schweizer Sängerin würde man behaupten, Egli erlebt viele Momente, in denen sie stolz auf sich selbst sein kann. «Innehalten und mir selbst auf den Rücken klopfen, fällt mir schwer.» Tatsächlich seien es nicht die gegen aussen offensichtlichen Momente, sondern Situationen, in denen sie ihre Ungeduld zügeln oder ihre Nervosität zähmen kann. «Sich selbst so zu nehmen in einfachen wie in anstrengenden Zeiten und dabei eine Entwicklung in seiner Persönlichkeit zu spüren, das ist mir wichtig.»

Die Devise, nach dem die Schlagersängerin lebt, ist einfacher gesagt als getan: «Ich will mein Leben lang das machen, was mich glücklich macht», erklärt sie. Rückschläge und Ungewissheit nimmt sie in Kauf, daran wachse sie. «Vielleicht kann ich durch die Dok auch den einen oder die andere darin bestärken, seinen oder ihren Weg zu gehen, und damit das Selbstvertrauen stärken. Dann hätte ich alles richtig gemacht.»

Nach einer so langen Atempause sprüht Egli nur so vor Elan und wird den ganzen Sommer lang an Festivals und Konzerten ihre Lebensenergie mit ihren Anhängern teilen.

, Closing Bell / Kaffee mit