Kaffee mit…

Boris Blank, Musiker

Musik ist das Leben von Boris Blank. Noch immer fährt der mittlerweile 68-Jährige, der seit gut vierzig Jahren zusammen mit Dieter Meier das international erfolgreiche Elektropop-Duo Yello bildet, jeden Tag auf den Zürichberg in die Meier’sche Villa und tüftelt dort im Studio an neuen Sounds, Rhythmen und Songs. «Ich kann bis zu meinem Tod Musik machen», sagt Blank auf die Frage, wie lange er noch zu arbeiten gedenke. Das eben erschienene Album «Point», das vierzehnte des Duos, sei denn auch nicht der Schlusspunkt, wie manche den Titel interpretierten. Es sei vielmehr «der Point of no Return», meint Blank. Die Musik von Yello werde in diesem Album «auf den Punkt gebracht».

Wir treffen Blank im «La Fontana» an der Haldenbachstrasse im Zürcher Hochschulquartier. Das Lokal, ein Take Away mit italienischen ­Speisen und Spezialitäten, wird von Blanks Frau Patrizia Fontana und Tochter Olivia geführt. «Hier gibt es die besten Ravioli nördlich des Gotthards», sagt Blank. Wir sitzen draussen und geniessen einen der letzten warmen Sommertage. Blank bestellt einen Tee. Er sei kein grosser Kaffeetrinker, ­erklärt Blank. Nur am Mittag trinke er jeweils einen Espresso. Sonst mache er sich am Morgen eine grosse Kanne Tee, nehme sie mit ins Studio und zehre den ganzen Tag davon.

Während unseres Gesprächs wird Blank immer wieder von Passanten begrüsst. Er wechselt ein paar freundliche Worte mit ihnen und scherzt dabei über den Unfall, der dazu geführt hat, dass sein linkes Bein in einem Gehgips steckt. Blank hat sich den Ruf eines öffentlichkeitsscheuen Tüftlers eingehandelt, der einsam in seinem Studio Musik komponiert. Aber hier wirkt er volksnah und leutselig, wie er sich selbst charakterisiert. Im «La Fontana» ist Blank ein Star zum Anfassen.

Blank interessierte sich schon früh in seiner Jugend für Geräusche und Töne, für Echos und Klänge von Räumen. So nahm er etwa einmal ein Milchkesseli, füllte es mit Wasser und brachte dieses mit einem Röhrli zum Blubbern. Die so erzeugte Musik nahm er mit dem Revox-Tonbandgerät seiner Eltern auf. Dabei experimentierte er mit den zwei Tonspuren und den drei Bandgeschwindigkeiten und erzeugte so Klangcollagen.

Heute macht Blank das im Studio mit Computern, Synthesizern und Samplern. Immer dabei hat er sein Smartphone, auf dem die von ihm selbst entwickelte App «Yellofier» installiert ist. Damit lassen sich überall spontan Geräusche, Klänge und Töne aufnehmen, mit Rhythmen versehen und zu richtigen Songs machen. So nahm Blank im Museum für Nautik in Lissabon einer Kanone von Seefahrer Vasco da Gama heimlich den Zapfen ab, gab Vokallaute ins offene Rohr hinein, nahm sie mit der App auf und entwickelte daraus ein Musikstück. «Ich finde das hoch spannend. Andere sagen, das sei schräg oder verwirrt», meint er dazu.

Die Musik von Yello bezeichnet Blank als spielerisch und rhythmisch. Sie habe einen hohen Wiedererkennungswert. Welthits wie «Oh Yeah» oder «The Race» fanden denn auch Eingang in Film, Fernsehen und Werbung. Charakteristisch für Yello sind nicht nur die Sounds und Rhythmen von Blank, sondern auch der sonore Sprechgesang von Meier. Mit ihm habe er ein sehr entspanntes Verhältnis. Er sei ein Freund, sie hätten einen ähnlichen Humor und könnten gut über Gott und die Welt diskutieren.

Auch wenn die beiden wie siamesische Zwillinge erscheinen, arbeitet Blank doch die meiste Zeit allein in seinem Studio mit einer grossen Fensterfront, die einen freien Blick in die Natur erlaubt. «Ich komme mir manchmal wie ein Mönch in seiner Klausur vor.» Dabei gerate er oft in eine Art meditativen Zustand. Er sei kein klassischer Musiker, sondern ein Autodidakt, der sich alles selbst beigebracht habe. Instrumente wie Querflöte, Gitarre, Bass oder Tenorsaxophon könne er «für den Hausgebrauch» spielen, aber nicht perfekt. Er sei rhythmisch begabt, verstehe aber nichts von Harmonien. Auch könne er noch heute keine Noten lesen.

Blank ist nicht nur der musikalische Mastermind von Yello. Er hat auch eigene Sachen gemacht. So liegen von ihm das solo aufgenommene Box Set «Electrified» und das Album «Convergence» vor, das er mit der malawischen Jazzsängerin Malia eingespielt hat. Auch für ein halbes Dutzend Filme hat er die Musik komponiert, obwohl er sich damit jeweils schwertat. «Mich in vorgegebene Choreografien und Spannungsbögen einzwängen zu müssen, ist nicht meine Welt.» Er komponiert lieber mit offenem Ausgang. «Ich lasse mich von Klängen treiben und addiere sie, bis eine Struktur für ein Stück vorhanden ist.» Seine Soloprojekte bezeichnet Blank bescheiden als «wichtige, wegbegleitende Erlebnisse».

Martin Gollmer

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