Kaffee mit…

Christina Stahl, Gründerin von Ameli Zurich

Central, Bellevue, Letten, Viadukt – so heissen die Taschen von Ameli Zurich. Kreativer Kopf und Gründerin des Unternehmens ist Christina Stahl (29), die das Ziel hat, die perfekte Business-Handtasche für Frauen zu erschaffen. Taschen, die nicht nur funktional sind und genügend Platz für einen grossen Laptop bieten, sondern auch den eigenen Stil ausdrücken und elegant sind.

Die Idee, Handtaschen zu entwerfen, hatte Stahl schon lange. «Als Beraterin war ich von Montag bis Donnerstag unterwegs», erzählt sie. Von ihrem Arbeitgeber erhielt sie 2020 eine herkömmliche Laptoptasche. Zum Bleistiftrock und zu den hohen Schuhen passte sie aber ganz und gar nicht. «Die Tasche trug dann mein Mann», sagt Stahl. Elegantere Taschen dagegen seien für ihre Geschäftsreisen zu unpraktisch gewesen. «Während mein Partner am Flughafen ­locker seine Tasche auf den Koffer gelegt hatte, mühte ich mich mit meiner schweren Tasche ab», beschreibt Stahl ihre Erfahrung und fasst ihr ­Taschendilemma zusammen: «Es gab einfach keine Kompromisslösung zwischen Eleganz und Funktionalität.»

Das wollte sie ändern. Zusammen mit ihrem Mann, Charly Stahl (33), hat sie vor zwei Jahren Ameli Zurich gegründet – während einer Schreibblockade bei ihrer Doktorarbeit. Seither dient die Wohnung des Paares in Zürich als Büro. Im stilvoll dekorierten Wohnzimmer, das mit allem technischen Zubehör als Sitzungszimmer ausgestattet ist, serviert Stahl den Filterkaffee. Im Zimmer nebenan führt ihr Mann ein Telefongespräch. Im dritten Zimmer, das gleichzeitig als Showroom dient, bereiten zwei Werkstudentinnen ein Fotoshooting vor. Hund Maya ist auch dabei. Insgesamt beschäftigt das Ehepaar sieben Vollzeitmitarbeiter und drei Werkstudentinnen. Die Doktorarbeit im Bereich Data Analytics in Fashion Supply Chains schreibt Stahl nebenbei weiter.

Ob das nicht zu viel wird? Stahl verneint. Sie ist sich gewohnt, viel zu arbeiten. Das liegt in der Familie. Schon ihre Eltern waren selbständig und führten einen Metallbaubetrieb. Während des Studiums und der Arbeit als Consultant arbeitete sie ebenfalls von ihrem eigenen oder dem Hotelzimmer aus. Trotzdem: Ihr Ziel ist es, die Wochenenden frei zu halten, denn dann finde die kreative Arbeit statt. «Während der Woche ist so viel los, dass es an der Zeit fehlt, um in den Flow-Zustand vom Designen zu kommen», erzählt sie.

Ihre Taschen designt sie selbst. «Das ist Frankenstein. Den habe ich selbst genäht», sagt Stahl und stellt den Prototyp ihres allerersten Taschenmodells auf den Tisch. Die Nähte sind etwas schief, die Form ist aber klar erkennbar. Ein kleines, weisses Stück Papier, auf dem mit blauem Kugelschreiber der Name des Unternehmens geschrieben steht, das mit Klebeband an der schwarzen Tasche angebracht ist, symbolisiert das Logo.

Mittlerweile näht sie die Entwürfe nicht mehr selbst. Das übernimmt ihr Produzent in Italien. Zusammen entwickeln sie ihre Designs bis zum finalen Prototyp weiter. Stahl fertigt Zeichnungen und Collagen an, der Produzent in Italien entwirft das Rohmodell. «Wenn etwas nicht gut aussieht, sagt er es mir direkt», erklärt sie und ergänzt: «Wir reden mit Händen und Füssen und verstehen uns bestens.»

Ihre Treffen halten sie inmitten des Produktionsbetriebs ab. Das hat den Vorteil, dass die Transparenz der Produktion gewährleistet ist. «Ich bin mittendrin und sehe, wie die Taschen produziert werden», beschreibt Stahl. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie das Ehepaar erfahren musste. Ihren ursprünglichen Produzenten mussten sie während der Gründung wechseln, weil er ihnen keinen Einblick in die Produktion ­gewährte und diese teilweise nach China auslagerte. Nachdem Stahl und ihr Mann zahlreiche Produzenten in Italien abgeklappert hatten, fanden sie einen kleinen Familienbetrieb nahe der Schweizer Grenze, der über viel handwerkliches Wissen verfügt.

Die Taschen werden von Hand aus italienischem Leder gefertigt. Auf die Qualität legt Stahl besonders viel Wert: «Mein Anspruch ist, dass ich ­Taschen produziere, die heute genauso wie in zehn Jahren getragen werden können.» Entsprechend ist das Design der Taschen zeitlos. «Ich finde es interessant, wie sich bestimmte Konstrukte permanent verändern und trotzdem eine Konstante aufweisen», sagt Stahl. Sie ist der Meinung, dass langlebige Produkte in einem Markt, der für seine Schnelllebigkeit bekannt ist, etwas Besonderes sind.

Mit Schnelllebigkeit kennt sie sich denn auch aus. Während ihrer Zeit als Consultant arbeitete sie nicht nur bei Projekten in der Modeindustrie, sondern auch im Automobilsektor. Dabei hat sie ihre Stärke für analytische Themen entdeckt. «Nach zehn Stunden Excel hatte ich immer noch ein Grinsen im Gesicht», sagt Stahl, die ihre Website selbst programmiert. «Ich könnte aber nicht nur analytisch sein. Ich brauche auch das Kreative», ergänzt Stahl, die bereits im Gymnasium Kurse in Mathe und Kunst besuchte. «Ich habe immer auf mein Herzblut gehört und bin meiner Motivation, Neues zu lernen, gefolgt» – der rote Faden in ihrer Biografie. Sie verbindet damit Kreatives mit Analytischem, genau so, wie sie Eleganz und Funktionalität in ihren Taschen verbindet.

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