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Coumba Sow, Fussballnationalspielerin

Sow – der Name ist unter Schweizer Fussballenthusiasten schon seit geraumer Zeit ein Begriff. Neben dem zwei Jahre jüngeren Cousin Djibril, der aktuell für Eintracht Frankfurt seine Schuhe schnürt, hat sich auch Coumba (27) bereits einen Namen gemacht. Die in Zürich-Oerlikon aufgewachsene Offensivspielerin mit holländisch-senegalesischen Wurzeln wusste seit den ersten Toren im Regina-Kägi-Hof, dass sie ihr Leben lang gerne das Runde ins Eckige befördern will. «Fussball war immer mein Ausweg für persönliche, schulische und gesellschaftliche Probleme».

Die «Hauptaktivität mit ihrem Papi», wie Sow den Fussball beschreibt, hat ihr bereits einige wertvolle und einmalige Erfahrungen beschert. Vom Aufstieg in die erste Mannschaft der FCZ-Frauen über den Auslandaufenthalt in den USA bis zum ersten Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft hat sie schon einige Minuten auf dem Platz verbracht. Doch der Reihe nach: Sows Können am Ball hat ihr seit ihrer Jugend nicht nur die Anerkennung von älteren Spielkolleginnen, sondern auch jene des anderen Geschlechts eingebracht. Darauf war sie sehr stolz, denn obwohl sie «nicht das passende Geschlecht» für den Fussball hatte, wurde sie akzeptiert und dementsprechend auch gefördert. Da sie dem Spiel gerne viel Zeit gewidmet hatte, liess dagegen ihr Benehmen in der Schule zu Wünschen übrig, trotz guten Noten. Dennoch schloss sie – dank besonders strengen, aber wie sie sagt ehrlichen Lehrerinnen und Lehrer – die eidgenössische Matura ab.

Ihrem ersten Verein trat Sow wenige Jahre vor dem Schulabschluss bei. Nach einer langen Suche ihres Vaters hat sie beim SV Höngg einen Fussballclub gefunden, der ihr Talent förderte. Im Zürcher Quartier am Käferberg lernte sie zudem eine ihrer engsten Freundinnen und ihre heutige Mitspielerin in der Nationalmannschaft, Barla Deplazes, kennen. Mit ihr absolvierte sie mehrere Aufnahmetrainings für die Regionalauswahl, erste Trainings beim FCZ und Jahre später dann auch Spiele für die Nationalmannschaft. Die ersten Jahre beim Zürcher Fussballclub waren «eine grosse Ehre», wie es die 27-Jährige nennt. Der Stadtzürcher Verein gehört im Schweizer Frauenfussball zu den prestigeträchtigsten Clubs. Mehrere Meistertitel und Cuptitel hat er im letzten Jahrzehnt gefeiert. Als Sow hier begann war das Spiel gespickt von erfolgreichen Spielerinnen wie Inka Grings, Sonja Fuss und Manuela Zürcher. Im ersten Training sei sie besonders ehrfürchtig gewesen. «Rein fussballerisch hatte ich damals den besten Trainer. Dorjee Tsawa war immer professionell und hat auch in schwierigen Zeiten das Beste aus mir herausgeholt.» Leider könne sie das nicht von jedem Coach in ihrer Karriere behaupten, sagt sie bestimmt.

Grosse mentale Fortschritte hat Sow dann in Amerika erreicht. «Hier geht es rauer zu. Nichts mehr mit Schönwetterfussball. Nur schon die Infrastruktur der Universitäten war krass; ein eigenes Fitnessstudio mit privaten Physiotherapeuten, komplette Nike-Ausrüstungen, ja sogar über einen Privatjet verfügte die Oklahoma State University auf der anderen Seite des Ozeans. Man war als richtige Profis anerkannt.» Schnell merkte sie, dass sie vielen Mitspielerinnen und Gegnerinnen technisch weitaus überlegen war. Doch war ihr auch bald klar, dass sie in den USA selten an ihr Limit kam und im besten Fall sogar darüber hinausging.

Als Athletin war sie in den Vereinigten Staaten angesehen. Personen, die sie kannten, grüssten sie, sprachen mit ihr über Sport, gesellschaftliche Entwicklungen und das tägliche Leben. Betrat sie jedoch als «normale» Person einen etwas luxuriöseren Laden, so bemerkte sie die allzeit vorherrschende Rassenthematik in Amerika am eigenen Leib. Meist änderte sich die Haltung des jeweiligen Gegenübers unverzüglich, als sie ihren Aufenthaltszweck in Amerika offenlegte.

Und wo Fleiss ist, da ist auch Erfolg. Es dauerte nach ihrer Rückkehr nicht lange und Sow wurde von der damaligen Trainerin der Schweizer Nationalmannschaft Martina Voss-Tecklenburg auf die Pikettliste gesetzt. «Für mich war es dann symbolisch crazy, dass ich ausgerechnet gegen Holland, dem Geburtsland meiner Mutter, zum ersten Aufgebot für die Schweiz kam. Ich habe noch nie so viele Zuschauer an einem Frauenmatch gesehen. Auch wenn ich nicht gespielt habe, war die Stimmung von den fast 25`000 Zuschauern überwältigend.» Noch etwas bewegender sei dann das Rückspiel in Schaffhausen gewesen, bei dem Sow ungefähr zwanzig Minuten vor Schluss eingewechselt worden war.

Von grossen Verletzungen war Sow bislang verschont geblieben. In diesem Frühjahr kämpfte sie allerdings mit einer Covid-Erkrankung – zu einem denkbar ungünstigen Moment, denn es standen wichtige Partien mit der Schweizer Nationalmannschaften an. «Ich hätte beinahe nicht am Barrage-Hinspiel gegen Tschechien teilnehmen können. Es war alles sehr hektisch, war dann aber froh, eingewechselt worden zu sein. Ich wollte aus persönlichen Gründen alles Mögliche geben und es hat sich gelohnt.» Ihr Tor verhalf der Nationalmannschaft ins Penaltyschiessen und schliesslich auch zum Ticket für die Europameisterschaft nach England. Auch bei den bisherigen Qualifikationsspielen für die Weltmeisterschaft 2023 in Neuseeland zeigte Sow grossartige Leistungen. Sie gehört inzwischen zur Stammelf und ist auch neben dem Platz rundum beliebt bei ihren Mitspielerinnen. Ihren Lohn verdient sie inzwischen aber nicht mehr in der Schweiz, sondern beim französischen Hauptstadtclub Paris FC.

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