Kaffee mit…

Daniela und Emanuel Steiner, Gründer von FELFEL

Der Empfang ist warmherzig – trotz coronabedingtem Zwangsabstand. Daniela und Emanuel Steiner empfangen die Journalistin hoch über den Dächern des Zürcher Quartiers Binz. Platz ist ohnehin reichlich vorhanden: Erst kürzlich hat das Jungunternehmen auch die zweite Hälfte der Etage in Beschlag genommen. Das Wachstum ist beeindruckend. Die Gründer von Felfel führen sichtlich stolz durch die neuen Räumlichkeiten. Der Kaffee muss warten.

Corona hat den Zürchern nochmals Schub verliehen. Das Geschäftsmodell ist in Zeiten von Social Distancing besonders tauglich: In vielen Schweizer Unternehmen steht ein Kühlschrank von Felfel, wo Mitarbeiter gegen Be­zahlung mit dem Badge oder neu über die App rund um die Uhr frische Mahlzeiten herausnehmen können – kontaktlos. «Wir zählen mittlerweile mehr als fünfhundert Kunden – vor der Krise waren es gut vierhundertsiebzig», sagt Daniela Steiner. Allein an diesem Montag kommen drei neue dazu. «Ich hatte gerade in den ersten Wochen des Lockdown Angst, Emanuel ist da mehr der Optimist.» Die Krise habe sie näher an die Kunden gebracht, glaubt dieser. «Die Unternehmen sehen uns auch als Partner, um ihre Mitarbeiter zufriedenzustellen.» Zu Beginn der Pandemie schwenkte Felfel kurzerhand auf ein neues Konzept um: Goodie-Bags waren ein Weg, wie sich Firmen bei ihren Angestellten bedanken konnten. «Und wir konnten zeigen: Wir sind da, wo ihr seid», sagt Emanuel.

«Am Anfang war das Warenlager noch extern, aber mittlerweile geht alles über uns», sagt Emanuel. Das Essen wird gekocht, kommt in die Zentrale und geht von dort wieder raus. «Mit der jetzigen Lagerkapazität könnten wir bis zu tausendfünfhundert Kunden beliefern.» Die Lieferanten sind mit Felfel gewachsen. Zu Beginn sei es schwierig gewesen, weil das Geschäft völlig neu war. Die ersten drei Kunden habe er noch allein akquiriert, sagt Emanuel. «Ich bin mit einer Box im Mobility-Auto vorbeigefahren.» Danach habe er die ersten Leute eingestellt.

Die Logistik und die Technologie sind beeindruckend. Der Kern des Systems: die Erfassung jeder Transaktion. Sekunden, nachdem eine Swiss­port-Mitarbeiterin in Glattbrugg eine Portion Penne All’Arrabiata aus dem Kühlschrank genommen und gescannt hat, geht die Information in der Zentrale ein. Grosse Bildschirme zeigen, welche Produkte nachgefragt werden, sprich, wer, wo, was isst. Die Daten helfen bei der Planung. «Wenn wir sehen, dass an einem Standort der Himbeerkuchen besonders nachgefragt wird und an einem anderen weniger, können wir am nächsten Tag anders beliefern.» Noch wichtiger aber ist die langfristige Erfahrung. Zwar kommt jedes Menü höchstens einmal alle paar Wochen in den Kühlschrank. Aber Felfel weiss mit der Zeit immer besser, was die Kunden wollen. Fazit: Die Felfel-Schweiz liebt Momos, tibetanische Teigtaschen.

Steiners führen Felfel als Familienunternehmen. Der Umgang unter den Mitarbeitenden ist auffallend freundlich. Sie verlangen aber auch sehr viel. «Wir haben eine sehr starke Unternehmensstruktur», sagt Daniela Steiner. Dabei sei die Rekrutierung neuer Mitarbeiter eine der grössten Herausforderungen. «Im Prozess müssen auch Kandidaten für Positionen im oberen Management für das Team kochen.» Mancher dürfte daran scheitern, ein Gericht für mehr als fünfzig Feinschmecker zuzubereiten.

Und die Essensqualität wird bei den Jungunternehmern grossgeschrieben: Die beiden testen jede Woche jedes Produkt. «Das ist das Schöne bei Familienbetrieben. Wenn wir unseren Koch Giovanni am Sonntagnachmittag anrufen und ihm sagen, dass die Pasta zu lange gekocht ist, dann korrigiert er das sofort.» Bei einer grösseren Firma ginge dieser Prozess wohl Tage, bis die Information durch alle Instanzen ist. Heute arbeiten circa neunzig Leute für das Jungunternehmen – ein grosser Teil davon im Kundenservice. «Dieses Jahr werden nochmals etwa dreissig Stellen dazukommen – bis zu einer Grösse von hundertfünfzig oder zweihundert Leuten kann man diesen Führungsstil aufrechterhalten», glaubt Emanuel. «Unser Ziel ist es nicht, einfach 40% im Jahr zuzulegen. Auch wenn wir derzeit ein sehr schnell wachsendes Unternehmen sind», sagt Daniela. Auch eine Expansion ins Ausland strebt Felfel nicht an. Es mache mehr Spass, mit den Kunden zusammen Produkte weiterzuentwickeln.

Auch privat wächst die Familie. Die beiden erwarten Zwillinge, bereits haben sie eine kleine Tochter. «Der Vorteil ist die grosse Flexibilität, die unser Job uns gibt – und die Grosseltern, die uns unterstützen.» Ohne die ginge es wohl nicht. Denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei in der Schweiz schwierig. Darum zahlt Felfel den Mitarbeitern bis zu zwei Tage in der Woche die Kinderbetreuung. Die Voraussetzung: Sie müssen weiter Vollgas geben, denn Teilzeitpensen seien nicht wirklich mit dem starken Wachstum vereinbar. Auch wenn für Eltern Ausnahmen gälten.

Vor eineinhalb Jahren haben sich die beiden aus der operativen Leitung zurückgezogen. Seither leiten Anna Grassler und Jürg Schläpfer das Tagesgeschäft. Natürlich sind die Gründer aber weiterhin an der Front. Daniela sei die Macherin, für die Produktentwicklung und das Entdecken neuer Köstlichkeiten zuständig. Emanuel habe mehr die Vogelperspektive. «Wir ergänzen uns sehr gut», sagt er – «und haben ähnliche Werte.»

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