Kaffee mit…

Eduard Brunner, Störapotheker

Einen Termin für einen Kaffee mit Eduard (Edi) Brunner zu finden, ist nicht einfach. Der Apotheker, der vor der Selbständigkeit siebzehn Jahre lang Geschäftsführer einer Basler Apotheke war, ist oft ausgebucht. Rent a pharmacist heisst sein Unternehmen mit Sitz in Basel. Brunner vermietet sich selbst an Apotheken in der Deutschschweiz, um Personalengpässe zu überbrücken.

«Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass es oft schwer bis unmöglich ist, einen Stell­vertreter zu finden. Meine Frau und meine Tochter mussten daher auch schon ohne mich in die Ferien starten», beschreibt Brunner das Motiv für die Gründung seines Unter­nehmens im Jahr 2015.

Zunächst deutete in Brunners Laufbahn kaum etwas auf eine Unternehmensgründung hin. «Ich komme aus einer Handwerkerfamilie. Mein Vater hatte ein kleines Malergeschäft. In das Geschäft einsteigen wollte ich aber nie», sagt der 56-Jährige. Sein Vater habe immer unter dem Druck gestanden, für seine bis zu zwölf Mitarbeiter ausreichend Arbeit zu finden. Dem habe er sich nicht aussetzen wollen.

Während eines Praktikums als Pflegeassistent am Berner Inselspital wurde Brunner definitiv klar, dass nicht die Medizin, sondern doch die Pharmazie der richtige Weg für ihn ist. «Da hast du Chemie, Physik, ­Medizin und schaffst mit den Händen im Labor, was mir schon als ­Schüler gefallen hat.»

Im Gespräch bezeichnet sich Eduard Brunner immer wieder als ­Störapotheker. Die Stör ist ein Begriff aus der frühen Neuzeit und bezeichnet die Arbeit eines Handwerkers im Haus des Kunden. Die Störköchin oder der Störmetzger sind in der deutschsprachigen Schweiz noch heute gebräuchliche Bezeichnungen.
Der traditionelle Begriff passt aber recht gut zu Brunners Berufs­verständnis, das er als «eher konservativ» bezeichnet. Dabei bezieht er sich vor allem auf das erweiterte Angebot von Apotheken, die oft zu Ketten gehören und zum Beispiel auch Hörgeräte und Brillen im Angebot ­haben. «Schuster, bleib bei deinem Leisten», meint er dazu . «Ich bin der klassische Allround-Apotheker, aber nicht auch noch Optiker, Hörgeräteakustiker oder Ohrringestecher.»

Auf die Frage, was eine gute Apotheke ausmacht, zögert er nur kurz. Besonders wichtig sei: «Standort, Standort und nochmals Standort.» Die Leute müssten quasi gezwungen sein, die Apotheke zu durchqueren. Und natürlich gutes Personal. Das sei das A und O jeder Apotheke aber heute schwer zu finden. Was auch an der weitgehenden Regulierung liege.

In der Rückschau wird Brunner beinahe sentimental. «Früher konnte man nach dem Studium einfach in einer Apotheke arbeiten. Du hast Stellvertretungen gemacht, fertig. Bis zur Leitungsfunktion brauchte man zwei Vollzeitjahre.» Das sei heute, dreissig Jahre später, undenkbar. Allerdings sei die Situation jetzt auch vollkommen anders. Damals habe es zum Beispiel keine Generika gegeben, das Sortiment sei überschaubar gewesen.

Brunner gründete sein Unternehmen, als eine Übernahme der von ihm geführten Apotheke nicht möglich war und gleichzeitig die Idee für Rent a pharmacist immer konkreter wurde. Mittlerweile ist eine Stammkundschaft entstanden, die ihn oft schon Monate im Voraus bucht, um Planungssicherheit für Ferien oder Weiterbildungen zu schaffen.

Der Anfang war nicht ganz einfach, denn für jeden Kanton musste der Störapotheker eine Berufsausübungsbewilligung einholen, wobei es unterschiedlich hohe Hürden zu nehmen galt. Aber mit den kantonalen Fallstricken kennt er sich aus, schliesslich heisst seine Dissertation «Föderalismus und Zentralismus in der Schweizer Pharmazie».
Das Interesse an juristischen Fragen hat dem Apothekenspringer ein zweites Standbein verschafft. Auf Honorarbasis beurteilt er für den Vertrauensärztlichen Dienst verschiedener Schweizer Krankenversicherungen die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten. Ein drittes Standbein ist die Beratung. «Ich hatte schon einige interessante Mandate. Zum Beispiel ein Spital, das vor der Frage stand, ob die eigene Apotheke noch rentiert oder ein Outsourcing besser ist.»

Eine Wachstumsstrategie hat Rent a pharmacist nicht. Sein Geschäft sei mittlerweile etabliert und er selbst gut ausgelastet. Mit der Erinnerung an die Sorgen seines Vaters sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass er Kleinstunternehmer bleiben werde.

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