Kaffee mit…

Fabio Dubler, Möbel-Experte

«Wenn ich mit 22 Jahren gewusst hätte, dass ich mit 38 immer noch Möbel verkaufen würde, hätte ich wohl nie damit angefangen», sagt Fabio Dubler und nimmt einen tiefen Zug an seiner Zigarette. «Aber im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass alles so gekommen ist», fügt er lachend hinzu. Heute beschäftigt er fünfzehn Mitarbeiter, zusammen restaurieren und verkaufen sie hochwertige Vintage-Möbel aus dem 20. Jahrhundert sowie kontemporäre Designklassiker.

Angefangen hat alles mit der Möglichkeit, einen der Viaduktbögen unter der Eisenbahnlinie in der Nähe der Zürcher Hardbrücke temporär zu mieten. «Wir wollten einfach etwas auf die Beine stellen, und ein Freund hatte dann die Idee, dass wir Möbel verkaufen könnten.» Diese Ursprungsidee wurde weitergesponnen, und nach nur zwei Monaten eröffneten Dubler und sein damaliger Geschäftspartner Philippe Ernst ihr Ladenlokal im namensgebenden Bogen 33. Damals war das Viadukt noch nicht die mit Architekturpreisen ausgezeichnete Einkaufsmeile von heute, die kargen Bögen wurden von Handwerkern und kreativen Jungunternehmern besiedelt. Vom damit einhergehenden Gestaltungsfreiraum profitierte auch Dubler: In dem gut einen Jahr im Viadukt bis zum Umzug 500 Meter weiter entwickelte er sich zum Experten für Designklassiker aus den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern. Obwohl die Idee mit den Möbeln aus dem Freundeskreis kam, hat Dubler seine Berufung nicht ganz zufällig gefunden. Die Faszination für ästhetische Einrichtung wurde ihm in die Wiege gelegt, der Vater war Innenarchitekt, die Mutter Künstlerin und die Grossväter schon Bauunternehmer, Architekt und Polsterer.

Die Nachfrage nach Vintage-Möbeln wächst stetig – aber auch die Zahl der Anbieter. Sie bleiben allerdings ein Nischenprodukt, jedes Sofa, jeder Tisch ist ein Unikat. Der Kunde muss das Produkt sehen und anfassen können. «Ein Foto wird dem haptischen Erlebnis nicht gerecht», erklärt Dubler. Deshalb ist auch der physische Ausstellungsraum wichtig. «Bei Vintage ist die Skalierbarkeit schwierig, aber neue Möbel kann man mit den sinkenden Logistikkosten immer besser auch an Kunden in der Ferne verkaufen.» Deshalb betreibt Dubler seit diesem Frühling auch die Online-Boutique Memorie.ch. Dort werden neue Produkte von Schweizer Firmen wie Horgenglarus und de Sede sowie Möbel internationaler Hersteller verkauft. Ausserdem im Angebot sind eigene Kleinstserien von Klassikern wie beispielsweise Spaghetti-Lounger und -Gartenstuhl.

Als Treffpunkt für das Gespräch hat Dubler das Café des Hotel Greulich im Zürcher Kreis vier ausgesucht. Das Lokal liegt in Gehdistanz zu seiner neuen Wirkungsstätte, dem H100. Erstmals sind (fast) alle seine Projekte unter einem Dach zu finden. Neben dem Zusammenzug der verschiedenen Ladenlokale – Bogen 33, Viadukt*3, Time Tunnel – schätzt er insbesondere, dass nun Lager, Werkstatt und Verkauf direkt nebeneinanderliegen. Eine gute Infrastruktur und ein grosses Lager sind bei Vintage-Möbeln zentral, um flexibel zu bleiben. «Du kannst nicht Nein sagen, wenn du ein Angebot für 200 schwer erhältliche Stühle bekommst, auch wenn du sie dann nicht so schnell weiterverkaufen kannst, du nimmst sie. Unser Lagerbestand ist deshalb gross.»

Die 1400 m² grosse Lagerfläche ist am Mittwoch- und Donnerstagabend auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Bis die 400 m² grosse Ausstellungsfläche diesen April bezogen werden konnte, hat es allerdings gedauert. «Den Vertrag haben wir schon vor mehr als fünf Jahren unterschrieben.» Wegen einer Bauverzögerung konnten sie dann erst im Frühjahr umziehen. «Der Umzug war dafür dann ganz einfach. Möbel von A nach B zu verschieben, ist schliesslich unser Job», sagt Dubler mit einem Lachen und nimmt einen Schluck von seinem Cappuccino.

Neben dem Verkauf von Möbeln ist Dubler auch in der Geschäftsleitung von getBUTIK tätig. Die Firma bietet Softwarelösungen für den Detailhandel an. «Die Software ist aus unseren eigenen Bedürfnissen entstanden und wurde von einem fähigen Team konstant weiterentwickelt», sagt Dubler. Mittlerweile zählt die Firma unter der Leitung von Matthias Linherr mehrere hundert Kunden, vom Fisch- und Weinhändler bis zum Coiffeur. «Schon mit 22 war meine Motivation nicht, erfolgreich zu sein, sondern etwas Neues, Sinnvolles zu erschaffen. Und dass das funktioniert hat und sich weiterentwickelt, ist ein schönes Gefühl.» Bis heute steht Dubler jeden Samstag selbst im Laden und verkauft Möbel.

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