Kaffee mit…

Jean-Luc Battaglia, C&A-Chef für die Schweiz und Italien

«Richtig guten Kaffee gibt es nur an der Bar in Italien.» Davon ist Jean-Luc Battaglia überzeugt. Der Manager ist 54 Jahre alt, eine Mischung zwischen Sean Connery und dem Intellektuellen Umberto Eco. Wenn der Direktor der Bekleidungskette C&A für die Schweiz und Italien in Zürich ist, geht er zu Sprüngli und kippt einen Espresso runter. «Sprüngli steht für schweizerische Exzellenz des Kaffees.» Er liebt es auch, dort sein Frühstück einzunehmen, und schwärmt von der Patisserie, auf die er beim Gespräch in der Confiserie Sprüngli am Paradeplatz aber lieber verzichtet. Er zeigt auf seinen Bauch und springt gleich auf, um die perfekt sitzenden Jeans im abgewetzten Look zu demonstrieren, die natürlich von C&A stammen. Die Veste und auch das Jackett hat er aber im Shop eines italienischen Freundes in der Nähe seines Wohnorts Busto Arsizio bei Malpensa erworben.

Der Sprung in den Sprüngli ist nötig, denn eine Kaffeebar gibt es keine im kürzlich umgebauten Flagship Store in Zürich. «Dafür haben wir keinen Platz gefunden», aber in Berlin zum Beispiel führe C&A eine Kaffeelounge. Kein Platz für eine Kaffeebar auf 2500 Quadratmetern Verkaufs­fläche, auf sechs Etagen verteilt? «Anderes wie etwa das Designstudio war wichtiger.» 96 Filialen führt Battaglia in der Schweiz und beschäftigt 1300 Personen. Zwei Geschäfte mussten dieses Jahr hierzulande geschlossen werden. In Italien führt er zehn Geschäfte mit 150 Mitarbeitern. Die Konzernzentrale befindet sich in Düsseldorf. Nächstes Jahr wird dort eine Frau, Giny Boer, neu das Zepter über 1400 Filialen in Europa führen.

«2020 ist ein schwieriges Jahr. Zwei Monate haben wir verloren. Das ­holen wir nicht mehr auf», sagt Battaglia. Trotzdem ist er optimistisch, in den Sommermonaten seien die Kunden zurückgekehrt und auch der Black Friday sei gut gelaufen. Nun wünscht er sich, dass das Weihnachtsgeschäft weiter gut läuft. «Ich hoffe sehr, der Schweizer Coronaweg wird gewinnen.» Gegenüber seinen Bekannten in Italien muss er ihn immer wieder verteidigen.

Bei Zahlen gibt sich der offene Italiener zugeknöpft. Zum Glück gibt die GfK-Detailhandelsbibel Auskunft: 441 Mio. Fr. Umsatz erzielte C&A vergangenes Jahr in der Schweiz. Das ist ein Viertel weniger als vor zehn Jahren. Der Verkauf von Mode schrumpft in der Schweiz seit Jahren. Bereits vor Corona war der Markt übersättigt. Selbst starke Mitbewerber wie H&M und Zara spüren das. Und mit Zalando kann es C&A, die weniger als 10% des Umsatzes online macht, nicht aufnehmen. «Wir haben in den letzten vier Jahren in der Schweiz 15% Marktanteil gewonnen», erklärt Battaglia stolz, «und wir investieren hierzulande stark. Das zeigt, wir sind von diesem Markt überzeugt.» Rund vierzig Jahre sei C&A hier aktiv. In Italien erst zehn. «Dort ist der Markt noch wettbewerbslastiger.»

1841 eröffneten Clemens und August Brenninkmeijer das erste Geschäft in den Niederlanden. Seither geben ihre Anfangsbuchstaben dem Unternehmen den Namen. C&A gehört zur Cofra Holding in Zug, deren Besitzer die Gründerfamilie ist. Die Brenninkmeijers sind in der Reichsten-Liste der «Bilanz» mit 13 bis 14 Mrd. Fr. aufgeführt. Heute arbeiten auch Mitglieder der Familie bei C&A in der Schweiz.

Geboren ist Battaglia in Varese, aufgewachsen ist er zusammen mit zwei Brüdern in Ipra am Lago Maggiore in einer Mittelstandsfamilie. Daheim wurde französisch gesprochen, denn sein Vater, zwar ein Italiener, war in Frankreich aufgewachsen. Daher sein Vorname. Battaglia ging in eine europäische Schule und studierte in Grenoble. Bald heuerte er bei einem Sportartikelhersteller an, denn Fussball faszinierte ihn seit jeher. Heute schaut er nur noch seinen beiden Söhnen beim Spielen zu. «Die Knie», stöhnt er. Dafür schwingt er sich aufs Motorrad. Es ist eine Harley-Davidson, sagt er und lacht verschämt. Reisen mit seiner Familie ist seine grosse Leidenschaft. Den geplanten Trip nach Japan musste er absagen. Die auffälligen silbernen Reifen an seinem Arm kauft er jeweils am Strand in Sardinien bei den «fliegenden Händlern», eines hat ihm aber seine Frau geschenkt. Sie betreibt ein Unternehmen für Kühlzimmer an ihrem Wohnort. Er arbeitet derzeit meist im Home Office in der Lombardei.

Acht Jahre war er für Diesel tätig, auch als Country Manager für die Schweiz und Italien. Doch mit der Zeit störte es ihn, dass Produkte stark gefragt waren, weil ein bestimmter Popstar diese Hose oder dieses Hemd trug, und nicht, weil sie qualitativ gut waren. «Bei Diesel war die Kultur ­italienisch – mehr instinktiv, und bei C&A ist sie nordeuropäisch – mehr reflektierend.» Bei C&A will er vor allem das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Das war auch ein Grund, weshalb er vor bald zehn Jahren bei C&A als Leiter des italienischen Marktes eingestiegen war. 2017 machte er mit der Leitung des Schweizer Marktes einen Karrieresprung.

Das Fundament für Nachhaltigkeit sei bei C&A gelegt, nun gehe es darum, es besser zu kommunizieren. «Alle unsere Babykleidung ist aus ­Biobaumwolle», nennt er als Beispiel. Und kann er für die Arbeitsbedingungen in den Sweatshops der Zulieferer die Hand ins Feuer legen? «Wir gehören zu den transparentesten Modeunternehmen.» Sein Lebensziel ist ein typisch italienisches: glücklich pensioniert zu werden.

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