Kaffee mit…

Jo Dietrich, Co-Gründer von ZEAM

Ein Montagmorgen im Februar. Jo Dietrich kommt vom Strandspaziergang zurück. «Wir haben gerade unsere Woche geplant», erzählt er via Zoom und trinkt dabei einen Espresso. Wir, das sind der 25-jährige Jo Dietrich und die 21-jährige Yaël Meier. Das Paar hat vor zwei Jahren ein Unternehmen gegründet: Zeam. Heute haben sie ein gemeinsames Kind und ein Team mit fast zwanzig Mitarbeitern. Der Neuste ist sechzehn Jahre jung und arbeitet als Content Creator.

«Junge sind ein Blick in die Zukunft», sagt Dietrich. «Was die Generation Z heute cool findet, prägt die Realität von morgen.» Wer wissen will, wie diese Realität dereinst aussehen wird, muss die heute 13- bis 27-Jährigen verstehen. Dieses Verständnis fehlt allerdings noch oft: Junge Menschen werden von Erwachsenen laut Dietrich nicht ernst ­genommen. «Das war bereits damals so, als das Internet aufgekommen ist. Auch Social Media wurde anfänglich unterschätzt. Und jetzt, mit dem Metaverse, ist es dasselbe.»
Das wollen Dietrich und Meier ändern. Mit Zeam helfen sie Unter­nehmen dabei, die Generation Z zu verstehen. Dabei geht es ihnen aber um mehr als nur das Verständnis für die Generation Z. Sie wollen ihre Sichtweise einbringen. Anders als andere Agenturen kennen sie die Zielgruppe nicht nur, sondern sind sie selbst.

«Wir haben gemerkt, dass wir Produkte und Kampagnen sehen, die ganz klar eine junge Zielgruppe ansprechen sollen, aber völlig daran vorbeischiessen», erzählt Dietrich. Der Grund dafür: fehlende Diversität. Personen unter dreissig Jahren sind in den Teams, die über diese Produkte und Kampagnen entscheiden, kaum vertreten. «Das kann doch nicht sein», sagt Dietrich. «Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Und diese besteht auch aus uns Jungen.»

Der Diversitätsgedanke motiviert das junge Paar. Um ihn zu verbreiten, setzen sie vor allem auf die Kraft von Social Media. TikTok als Tool, um die Welt zu verändern? «Wenn dir Leute zuhören, kannst du die Welt ver­ändern. Und TikTok ist eine Plattform dafür, um Leute zu erreichen», ­antwortet Dietrich. Eines ihrer jüngsten Projekte ist ein TikTok-Kanal für eine Vergleichsplattform für Versicherungen. Zusammen mit dem CEO und dem Gründer haben sie das ursprüngliche Produkt für Junge übersetzt. Mit Erfolg. «Die Jungen finden es cool, weil wir ihnen dabei helfen, zu sparen», sagt Dietrich. Die Zahlen geben ihm recht. Ein TikTok-Video wurde bereits 250 000 Mal angeschaut.

«Am Ende bewirkt aber einzig eine Änderung der Nachfrage wirklich etwas», räumt Dietrich ein und erklärt: «Plötzlich ist Diversity das Thema der nächsten Staffel von Germanys Next Topmodel. Nicht, weil ProSieben Diversity-Fan geworden ist, sondern weil auch bei Models Diversity gefragt ist.» Gleichzeitig wollen sie mit Zeam junge Menschen inspirieren, sich einzubringen und ihren Weg zu gehen. «Wir wollen zeigen, dass sie, wenn man sie lässt, es können», erklärt Dietrich und geht mit Meier als Beispiel voran. Gibt es den passenden Beruf nicht, schaffen sie ihn selbst. Er analysierte Start-ups für die zwei grössten Schweizer Medienhäuser, sie arbeitete als Journalistin, bevor sie ihr Unternehmen gründeten.

Dietrich ist aber mehr als Unternehmer. Auch die Bezeichnung Aktivist, Influencer und Vater trifft auf ihn zu. Wie geht man mit diesen unterschiedlichen Rollen um? «Ganz ehrlich: Ich würde das gar nicht trennen. Es sind keine Rollen. Das bin einfach ich», sagt er und repräsentiert damit ein typisches Anliegen der Generation Z. Sie wollen sich nicht für die Arbeit verstellen. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit löst sich auf. «Verschiedene Rollen einzunehmen, bedeute immer, Abstriche zu machen», sagt Dietrich. Dass er keine Abstriche macht, ist spürbar. Dietrich erzählt auf eine erfrischende, enthusiastische Art, und wenn er sagt «Unternehmen brauchen ein frisches Denken», dann glaubt man ihm.

«Wir machen einfach. Wir sind die Jungen, und wir definieren, wie unsere Zukunft aussehen wird», sagt Dietrich. Das gibt den Unternehmern die Freiheit, Bestehendes zu hinterfragen, wie etwa die Definition eines Berufs oder den Begriff des Büros. Aktuell arbeitet ihr Team vollkommen digital. Das ermöglicht Dietrich und Meier, im Februar von Portugal aus zu arbeiten. Ihr Team trifft sich jeden Monat zu einem Team-Event. Damit sollen auch der spontane Austausch und die qualitative Zeit zusammen sichergestellt werden. Zudem werden sie demnächst für einen Monat den Versuch eines Pop-up-Büros wagen.

Auch die Öffentlichkeit zeigt sich von Dietrich angetan. 2020 wurde er von der Zeitschrift «Forbes» zu einer der einflussreichsten dreissig Personen unter dreissig im deutschsprachigen Raum gewählt, genau wie seine Partnerin. Meier ist zudem LinkedIn Top Voice. Als Stimme für die Jungen wahrgenommen zu werden, bringt Verantwortung mit sich. Wie Dietrich damit umgeht? «An der Verantwortung wächst man», sagt er.

Wenn der Druck trotzdem zu gross wird, dann ist es umso wichtiger, darüber zu reden. «Leider wird das in unserer Gesellschaft noch nicht ­thematisiert», stellt Dietrich fest. «Gerade für junge Menschen wäre das aber wichtig.» Es bleibt also noch viel zu tun für Dietrich und seinen ­Einsatz für die Generation Z.

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