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Beatrice Stirnimann, CEO Baloise Session

Ihr Adrenalinpegel steigt, wie jedes Jahr um diese Zeit. Ob sie noch ruhig schlafen kann? «Ach, seit Juli nicht mehr», sagt Beatrice Stirnimann lachend. Als CEO der Baloise Session ist sie hauptverantwortlich dafür, dass das Musikfestival am Rheinknie auch nächsten Monat wieder möglichst reibungslos über die Bühne geht. Im kleinen, gemütlichen Café del Mundo im Basler Gundeliquartier nahe am Bahnhof macht sie trotzdem keinen gestressten Eindruck. Schliesslich sind acht von zehn Konzertabende bereits ausverkauft, samt Zusatzbestuhlung. Die Eintrittskarten für den Eröffnungsabend mit dem diesjährigen Aushängeschild Herbert Grönemeyer waren im Nu weg.

Ab dem 12. Oktober ist Beatrice Stirnimann «permanent on the Road», wie sie es formuliert:  «Ich bin am Morgen unter den ersten, die kommen, und am Abend wird es immer spät.» Gespräche mit Musikern, Agenten, Sponsoren, der Presse und mit der Crew halten sie während zweieinhalb Wochen ständig auf Trab. Die Zahl der Angestellten steigt vorübergehend von einem Dutzend auf etwa 250, darunter 40 Freiwillige. Auch die CEO hat als freiwillige Abendhelferin begonnen, vor fünfundzwanzig Jahren, als das Festival noch Rheinknie Session hiess und eher regionale Ausstrahlung besass. Seither ist die fünfzigjährige Baselbieterin der Baloise Session treu geblieben: «Das Festival hat sich immer verändert, langweilig wurde es mir nie.» Es sei sehr spannend, immer neue Künstler und Sponsoren zu treffen. Manchmal aber auch nervenaufreibend, etwa wenn Auftritte kurzfristig abgesagt werden – «einen Plan B gibt es nicht, wir können Musiker nicht auf Reserve buchen.»

Das Budget der Baloise Session ist mit 8,5 Mio. Fr. beachtlich, verglichen mit 28 Mio. Fr. des Montreux Jazz Festivals. Mit einer Auslastung von weit über 90% der Konzerte stellt die Basler Veranstaltung den Event am Genfersee in den Schatten. Die Mehrheit des Budgets bringen Sponsoren, Firmenkunden und der von Moritz Suter ins Leben gerufene Gönnerverein auf. Beatrice Stirnimann bestätigt: «Der Gönnerverein ist essenziell für uns. Er ermöglich den Auftritt grosser Namen.» Von diesen hat es seit der Gründung des Festivals 1986 etliche gegeben: Miles Davis, Elton John, Eric Clapton, Marc Knopfler, Rod Stewart, Zucchero, Grace Jones, Toto und andere mehr. Es braucht viel Einsatz und Glück, bis das Programm steht. «Wir haben ein Archiv mit etwa 1500 Künstlern, die wir permanent verfolgen», erläutert die Festivalchefin. Die bis zu 600 Verhandlungen pro Jahr betrachtet die CEO als «Investition in die Zukunft». Manchmal klappe es erst nach mehreren Anläufen, so auch im Fall von Grönemeyer, der seit Jahren auf der Wunschliste stand. Welches wäre ihr Traumgig? «Tom Waits!», sagt sie ohne Zögern. Ein Knüller wäre auch Bruce Springsteen, der in New York ebenfalls in einem kleineren Club aufgetreten sei. Sein Agent habe jedoch auf die Anfrage noch nicht reagiert.

Als Erfolgsrezept der Baloise Session nennt Beatrice Stirnimann die Ausrichtung als «Boutique-Festival» und «die Nähe der Besucher zu den Musikern». Das Festival begrüsst in der Event Halle der Messe Schweiz pro Abend lediglich 1500 Konzertbesucher. Möglich wären doppelt so viel, sagt die CEO, doch verzichte man bewusst auf Plätze. Tische mit Kerzenlicht sorgen für eine Musikclub-ähnliche Atmosphäre. Viele Musiker schätzen die Stimmung. Alicia Keys «loved the whole vibe», Schauspieler-Sänger Kevin Costner lud nach dem Konzert zu einer Pizza ein.

Beatrice Stirnimann ist froh, die Baloise Versicherung für weitere fünf Jahre als Hauptsponsor ans Festival gebunden zu haben. Während Jahren war Oettinger Davidoff Hauptsponsor, weshalb das Festival den Namen Avo Session trug. Dann lösten die Basler Versicherungen das Zigarrenunternehmen als wichtigster Geldgeber ab. Ein Selbstläufer ist die Session aber nicht: «Wir müssen schauen, die Qualität und das Renommee zu halten», betont die CEO. Die Künstler verdienten wegen der Streaming-Angebote nicht mehr viel mit dem CD-Verkauf, sodass Live-Auftritte immer wichtiger würden als Einnahmequelle. Das treibt die Gagen in die Höhe.

Im internationalen Showgeschäft geht es um viel Geld. Ihr Engagement im Vorstand von «Amie» ist für Beatrice Stirnimann daher eine «Herzensangelegenheit». Die Basler Organisation hilft jungen Müttern in oft sozial armen Verhältnissen, den Berufseinstieg zu finden. «Da sehe ich die andere Seite vom Leben», meint sie.

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