Kaffee mit…

Joscha Rosenbauer, Asset-Manager

«Als Quereinsteiger lerne ich jeden Tag etwas dazu», sagt Joscha Rosenbauer, CEO von Strongbox Capital. Seit 2016 baut er mit einem Partner eine auf Behavioral Finance spezialisierte Asset-Management-Boutique auf. Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger und setzt Erkenntnisse daraus in Investitionsentscheiden um. Das widerspricht dem effizienten und rational handelnden «Homo oeconomicus». Sein Partner hat auf dem Gebiet promoviert und lange in der Finanzindustrie gearbeitet.

«Derzeit verwalten wir 60 Mio. Fr.», sagt Rosenbauer. Die erste Pensionskasse ist seit gut drei Monaten in ihren Fonds investiert. Das reiche noch nicht, um die Kosten zu decken. Eine gewisse Grösse ist wichtig, erklärt Rosenbauer: «Institutionelle Anleger wollen eine mehrjährige Erfahrung und verwaltetes Vermögen von 100 Mio. Fr.» Diese Marke will das junge Unternehmen bis Ende 2019 erreichen. «Im Moment sind wir daran, uns bekannt zu machen, und sprechen deshalb mit vielen potenziellen Kunden.»

Dass er das «La Stanza» am Bleicherweg für unser Treffen wählt, hat zwei Gründe: «Der Kaffee ist gut, und unsere Kunden schlagen das auch oft vor.» Er ist Stammgast, wird an diesem Spätsommertag noch lange im Lokal bleiben und mögliche Kunden treffen.

Bevor er selbständig wurde, arbeitete er fast elf Jahre in verschiedenen Stationen beim Sportwagenbauer Porsche, zuletzt als Leiter Vertrieb für die Schweiz. Die Zeit bei Porsche sei super gewesen. «Ich habe 37 Porsche gefahren und bin erst Anfang dreissig», erzählt er etwas verlegen.

Seine Karriere war auf der Überholspur. In einem «Spiegel»-Interview vor sechs Jahren hiess es, dass er Job und Freizeit nicht trennt. Sein Telefon sei immer an, der Beruf habe oberste Priorität. Die berufliche Laufbahn war vorgespurt. «Als Nächstes hätte mich Porsche nach Asien geschickt.» Das wollte er allerdings nicht, er stieg aus, wurde sein eigener Chef. Was er vermisst, ist vor allem die Emotionalität der Marke Porsche, aber auch seine ehemaligen Arbeitskollegen.

Heute gibt der zweifache Familienvater wieder Vollgas, setzt alles auf die neue Herausforderung. Zurzeit hat der Porsche-Fan kein eigenes Auto. «Wir haben alle unsere Ersparnisse ins Unternehmen und in unsere Anlagestrategie investiert, sind also mit im Boot.» Das ist ihm wichtig. Er möchte seinen Kunden gegenüberstehen und die volle Verantwortung tragen.

Dazu muss angepackt werden. Das beginnt lange bevor ein Kunde gewonnen werden kann. Wer ein Beratungsunternehmen beauftragt, um bei der Finanzmarktaufsicht Finma eine Vermögensverwalterlizenz zu beantragen, muss mit Kosten von 300 000 bis 700 000 Fr. rechnen. «Da haben wir gesagt, wir machen das selbst und sparen uns das Geld.» Das ist viel Arbeit für das kleine Team. Vollzeit sind sie zu zweit, Teilzeit zu sechst.

Der beste Mitarbeiter sei ihr Tool für die Aktienauswahl. Bei Strongbox Capital haben sie den Anlageprozess digitalisiert. Zurzeit analysiert das Start-up 11 000 Aktien, weltweit. Die einzige Bedingung für die Aufnahme ins Anlageuniversum ist eine Marktkapitalisierung von 1 Mrd. Fr. «Mit unserer Software gewinnen wir Zeit, die wir für die Kundenberatung einsetzen können.» Aus ihrem Anlageansatz machen sie kein Geheimnis. «Wir legen offen, wie wir investieren.» Es sei alles regelbasiert.

Als Neuling vergleicht Rosenbauer die Finanzbranche immer wieder mit dem Automobilsektor. Für ihn sind beides traditionelle Industrien, beiden stünden grosse Veränderungen bevor. Die Produkte wurden zwar weiterentwickelt, aber nicht revolutioniert. Er ist überzeugt davon, dass man sich als Nischenanbieter in der Finanzindustrie positionieren kann. Mittelfristig sollen die verwalteten Vermögen auf 1 Mrd. steigen.

Dennoch steht Grösse nicht über allem. «Wir wollen nie riesig werden», sagt Rosenbauer. Das würde ihrer Flexibilität schaden. Darin unterscheiden sie sich auch von einem Fintech. Das klassische Fintech digitalisiere die Kundenbeziehung. Das wolle man bei Strongbox Capital nicht. «Wir machen es umgekehrt: Wir bieten Vertrauen, hören dem Kunden zu und erklären ihm bis ins Detail, was hinter unserer Anlagestrategie steckt.»

In seiner neuen Aufgabe ist er für Vertrieb, Marketing und Business Development verantwortlich. «Ich will Verantwortung tragen und einen Impact haben.» Etwas, was bei seinem Einstieg bei Porsche noch möglich war, mit zunehmender Grösse und Komplexität des Unternehmens aber immer schwieriger wurde.

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