Kaffee mit…

Laura Zimmermann, Co-Präsidentin Operation Libero

Die Dunkelheit legt sich an diesem Winterabend früh über Zürich. Draussen auf der Förrlibuckstrasse rauscht der Feierabendverkehr vorbei. Doch drinnen in der Bar und Buchhandlung Sphères hört man nur die Gespräche der Gäste und das Rauschen der Kaffeemaschine. Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero, hat den gemütlichen Ort ausgesucht, er liegt nahe ihrer Wohnung, und zudem «gibt es am Mittag hier die besten Hörnli mit Ghacktem».

Kaffee gibt es so spät weder für den Autor noch für Laura Zimmermann. Sie trinkt Cu­cumis, eine Gurkenlimonade. «Ein Hipster­getränk würde man es wohl nennen», lacht die 29-Jährige. «Aber ich brauche jetzt etwas, was mich wach macht.» Es war eine strenge Woche. Zum einen mit der Operation Libero, zum andern in ihrem Job bei der Kommunikationsagentur Rod, für die sie an diesem Tag bis drei Uhr nachts bei einem Filmdreh war.

Gerade Operation Libero fordert sie dieser Tage mehr als sonst. Vergangene Woche teilten die Politaktivisten mit: Bis Ende Februar brauche die Organisation eine halbe Million Franken, oder sie gehe pleite. Die dramatische Ankündigung schuf Aufmerksamkeit für ein Crowdfunding, in dessen ersten Tagen bereits die Hälfte der benötigten Summe hereinkam. Die Organisation, die sich 2014 als Reaktion auf die SVP-Masseneinwanderungsinitiative gegründet hatte, hat seither mit ihren Kampagnen erfolgreich gegen weitere Vorlagen der grössten Partei des Landes geweibelt. «Dabei hatten wir zu wenig Zeit, uns damit zu befassen, wie wir unsere professionellen Strukturen langfristig finanzieren wollen», sagt Zimmermann. Nach der erfolgreichen Abwehr der SVP-Kündigungsinitiative in diesem Jahr wurde innerhalb der Operation sogar diskutiert, ob sich nicht ein Kreis geschlossen habe und man sich nun auflösen wolle.

«Das wäre schade gewesen», sagt Zimmermann. Operation Libero sei in der Schweizer Politlandschaft zu einer Marke geworden, die noch viel bewegen könne. Dafür wollen Zimmermann und ihre Mitstreiterinnen im kommenden Jahr die Finanzierung auf neue Beine stellen. «Es geht um das Erwachsenwerden unserer Organisation.» Crowdfunding wird dabei vor allem für Kampagnen weiterhin eine Rolle spielen. Auch Kleinspenden, die laut Zimmermann bis anhin über 90% des Spen­denaufkommens ausmachen, würden weiterhin benötigt. Für die Zukunft wünscht sich Zimmermann aber eine stärkere Finanzierung über Mitglieder- und Förderbeiträge, sprich den Ausbau der Operation als ­Verein. Auch die Zusammenarbeit mit Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen soll intensiviert werden.

In ihrer konkreten Arbeit will sich die Organisation in Zukunft nicht nur an den Initiativen der anderen abarbeiten. «Wir wollen gestalterischer tätig werden», sagt Zimmermann. Dazu könnte Operation Libero dereinst auch eigene Initiativen lancieren, Ideen würden intern schon zirkulieren. Nach aussen tritt sie zunächst mit drei Schlagwörtern auf. Erstens Mitbestimmung: Dahinter steckt die Frage, wer eigentlich alles in der Gesellschaft effektiv mitbestimmen soll. Zweitens Digitalisierung und drittens der Dauerbrenner Europa. Bei letzterem Thema steht auf absehbare Zeit wohl eine weitere Kampagne für die Operation an.

Das Rahmenabkommen mit der EU, über das der Bundesrat und Brüssel nun schon über fünf Jahre lang verhandeln, müsse laut Zimmermann jetzt breit diskutiert und dann dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Furcht vor einem krachenden Scheitern der Vorlage an der Urne habe sie nicht. Nur weil einige Politiker sagten und Medien schrieben, dass das Abkommen tot sei, heisse das noch lange nicht, dass die Mehrheit der Stimmbevölkerung das so sehe. «Ich verstehe nicht, warum man die Bevölkerung nicht einfach drüber abstimmen lässt.» Auch hier wird es wohl wieder in einen politischen Kampf gegen den Lieblingsgegner SVP gehen.

Dem Vorwurf, Operation Libero arbeite sich eigentlich nur an dieser einen Partei ab, widerspricht Zimmermann allerdings. Ebenso der Ver­mutung, die Politaktivisten hätten sich mit dem Einsatz für die Konzernverantwortungsinitiative nun klar links positioniert. «Uns geht es um rechtsstaatliche, liberale Prinzipien, Institutionen und Errungenschaften unseres Landes», sagt Zimmermann. Die Angriffe darauf kämen aber nun mal vor allem von einer bestimmten Partei, der SVP. «Mit einigen ihrer ­Vertreter verstehe ich mich allerdings ganz gut.»

Selbst zur Partei werden will die Operation nicht. «Nochmals in der Mitte eine Kleinpartei zu etablieren, bringt nichts», sagt Zimmermann. Das Parteiangebot in der Schweiz sei ausreichend. Auch die Unterstützung anderer Politiker wie in der letzten Nationalratswahl wird es in der Form wohl nicht mehr geben. Selbst Politikerin zu werden, lehnt Zimmermann ebenfalls ab, auch wenn sie wahrscheinlich schon von einigen ­Parteien im Land umworben wurde. «Das Amt bei Operation Libero und meine Aufgabe bei Rod verlangen meine volle Aufmerksamkeit.» Und das wird zumindest in naher Zukunft auch so bleiben – solange sich vor allem Operation Libero auf neue finanzielle Füsse stellen will. Danach sei es dann vielleicht Zeit, darüber nachzudenken, «das Amt an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu übergeben».

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