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Lukas Speiser, CEO von Amorana

Lukas Speiser weiss, dass Adventskalender nicht nur Kindern Freude machen. «Der Adventskalender gehört zu den beliebtesten Produkten in unserem Online-Shop», sagt der CEO von Amorana, einem Start-up für Sex-Toys, Dessous und sonstigen Produkten für das Liebesleben. Ihr Adventskalender sei das perfekte Einstiegsprodukt. Wer gerne mal etwas Neues ausprobieren möchte, sich aber nicht getraut, seine Partnerin oder seinen Partner darauf anzusprechen, finde unter den 24 verschiedenen Geschenken sicher etwas, das beiden Spass macht. Besonders gut verkauft sich auch der Womanizer, ein Vibrator, der mit einer ganz neuen Technologie funktioniert. Ein deutscher Erfinder habe das Produkt vor ein paar Jahren lanciert, nachdem er realisiert hatte, dass es in dem Bereich seit Jahrzehnten keine wirklichen Innovationen mehr gegeben habe.

Amorana als Plattform für Lifestyle-Produkte zu positionieren, ist dem 38-Jährigen wichtig. «Wir sind heute nicht mehr nur ein Sex-Shop, sondern wir decken den gesamten Sexual-Wellbeing-Sektor ab», sagt Speiser und nimmt einen Schluck Wasser. Die «Helvetia»-Bar in Zürich ist am späten Vormittag kaum besucht. Das Personal putzt und bereitet sich auf das Mittagsgeschäft vor. In den letzten Jahren habe rund um Sex-Toys eine Enttabuisierung stattgefunden, sagt Speiser. Als sie vor sechs Jahren mit Amorana an den Start gingen, war es ihnen in vielen Kanälen nicht erlaubt, Werbung zu schalten. Heute haben Sexspielzeuge längst Einzug in den Mainstream gehalten. Ausserdem hat die Tech-Branche das Feld entdeckt: Stichwort Sex-Tech und Health-Tech. Stark nachgefragt wird etwa ein Armband, mit dem Frauen ihre fruchtbaren Tage festhalten können. Eine App macht sie dann auf ihren Zyklusverlauf aufmerksam.

Zu Sexspielzeugen ist Speiser eigentlich eher zufällig gekommen. Nach einem Finance-Studium in Zürich und vier Jahren bei Goldman Sachs als Equity Sales und Salestrader kontaktierte ihn nach seinem Ausstieg bei der Investmentbank Alan Frei ein ehemaliger Studienkollege, ob er gemeinsam mit ihm ein Start-up gründen wolle. Verschiedene Ideen wurden diskutiert und wieder verworfen, bis sie sich schliesslich im Bereich E-Commerce gefunden haben und Amorana gründeten.

Ihr erstes Angebot war ein Monatsabo für Sex-Toys. «Diese Idee haben wir allerdings rasch wieder verworfen. Niemand kauft ein Abo, um jeden Monat einen Vibrator zugeschickt zu bekommen.» Also begannen sie mit der Recherche, besuchten Shops und durchforsteten das Internet. Gesucht haben sie nach Produkten, die überraschen und nicht unbedingt allen Leuten ein Begriff sind. «Das betrifft nicht nur Sex-Toys, sondern auch andere Produkte, wie etwa eine Massage-Kerze.» Das sei eine Kerze nicht aus Wachs, sondern aus gehärtetem Massageöl. Das Öl wird im Gegensatz zu Wachs nicht so heiss, wenn es angezündet wird und kann deswegen gefahrlos für Massagen verwendet werden. Es gibt aber auch Grenzen für Amorana: Neben Produkten, die nicht dem Lifestyle-Look entsprechen, distanziert sich das Unternehmen auch von Pornografie.

Begonnen haben Speiser und Frei bescheiden. Die Finanzierung stemmten sie selber. Als Büro diente die Wohnung von Speiser. Der Zeitpunkt für ein richtiges Büro mit einem Lager kam, als eines Tages ein Bote seine Lieferung nicht mehr wie üblich vor die Wohnungstür brachte, sondern eine ganze Palette auf der Strasse vor seinem Haus deponierte. «Damals entschieden wir auch, eine Finanzierungsrunde durchzuführen. Wir mussten mehr Kapital binden, nicht zuletzt wegen der ganzen Warenbewirtschaftung.» Inzwischen hat Amorana verschiedene Finanzierungsrunden durchgeführt. Zu den Geldgebern gehörten etwa ein Venture Capital Fonds oder der Schweizer E-Commerce-Unternehmer Roland Brack.

Heute beschäftigt das Unternehmen an seinem Standort in Glattbrugg 30 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Die Firma wächst jedes Jahr zwischen 30 und 40%. Neben dem Weihnachtsgeschäft ist für Amorana vor allem der Valentinstag wichtig: 2020 konnten sie den Umsatz rund um den 14. Februar um 70% steigern.

Bei ihren Kunden halten sich Männer und Frauen in etwa die Waage. Neben Produkten für Frauen wie dem eingangs erwähnten Womanizer gibt es auch Toys, die eigens für Männer entwickelt wurden – etwa Apps, die Virtual Reality nützen. Wobei die Vorlieben der Kunden auch überraschen können. Als vor ein paar Jahren die Erotik-Trilogie «Shades of Grey» verfilmt wurde, waren Liebeskugeln und Peitschen jeweils kurz nach dem Kinostart ausverkauft. «Es ging sogar soweit, dass keiner unserer Lieferanten mehr irgendwelche Peitschen im Sortiment hatte.»

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