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Luuk van Dijk, Gründer von ­Daedalean AI

«Damals waren wir etwas zu optimistisch, wie schnell es geht», sagt Luuk van Dijk schmunzelnd, während er auf eine ausgedruckte Liste in der Teeküche seines Büros zeigt. Die vier Jahre alte Liste zeigt die Aufgabenbereiche, die ein Helikopterberufspilot meistern muss – und die Daedalean, Van Dijks Start-up, mit künstlicher Intelligenz automatisieren will. Damals plante das Team um Van Dijk und seine Mitgründerin Anna Chernova, es bis 2019 zu schaffen. Nun ist der erste Produktlaunch des in Zürich-Albisrieden sitzenden Start-up fürs nächste Jahr geplant.

Das Unternehmen des doktorierten Physikers hat einen Prototyp getestet, der als Assistenzsystem funktioniert. An zwei Helikoptern wurden Kameras, Computer und Displays installiert. Zwischenschritte in der Softwareentwicklung werden zuerst an einer Computersimulation, später an Drohnen getestet. Neuronale Netzwerke – wie sie in selbstfahrenden Autos eingesetzt werden – erkennen Objekte. Dem Piloten kann so angezeigt werden, ob sie gefährlich sind. «Tatsächlich sehen Piloten nicht sehr weit; unser System ist deutlich ­besser. Die Schwierigkeit liegt darin, dass es nicht zu einem falschen Alarm kommt», sagt der Niederländer. Auch wenn die visuelle Erkennung nicht so weit reiche wie Radar, würden Dinge erkannt, die auf dem Radar nicht erscheinen, etwa Vogelschwärme.

Daedalean hat vergangene Woche den Swiss AI Award erhalten. Der Preis prämiert vielversprechende und innovative Schweizer Start-ups im Bereich der künstlichen Intelligenz. Er wird unter anderem von der ­Zürcher Mindfire-Stiftung ausgelobt. Hunderte Teams waren nominiert. Auf den zweiten Platz kam Typewise aus Binningen, die ein neuartiges Keyboard für Smartphones entwickelt. Dritter wurde Gamaya aus dem Waadtland, die an der Automatisierung in der Landwirtschaft arbeitet.

Mit der visuellen Hilfe für Piloten will Daedalean den Regulierungs­behörden demonstrieren, dass das System ausreichend sicher und akkurat funktioniert – «wir können uns nicht mit Algorithmen zufriedengeben, die eine Katze nur neun von zehn Mal richtig identifizieren», sagt Van Dijk. Und man müsse erst «gehen lernen, bevor man rennt»; bevor es ein selbstfliegendes Flugzeug gebe, könne sich das System beweisen – die Position der eigenen Maschine anhand der Landschaft lokalisieren, Gefahren ­erkennen und beim Landen exakte Anweisungen geben.

Dabei sei ein selbstfliegendes Flugzeug einfacher zu bauen als ein selbstfahrendes Auto: «Auf der Strasse gibt es viel mehr verschiedene Objekte, die dazu noch unberechenbarer sind», sagt der CEO. Ausserdem gebe es viel weniger Konkurrenz. Van Dijk sieht den Markt für den Flug­verkehr in den nächsten Jahren vor grossen Veränderungen stehen. So könnten bald elektrische Flugzeuge kommen, «die so günstig wie ein Tesla wären». Hunderttausende an Flugzeugen wären dann vorstellbar. Das bisherige System der Kontrolle des Flugraums durch Fluglotsen würde an seine Grenzen stossen. «Es braucht dann ein sichere und unabhängige System, unter anderem zum Vermeiden von Kollisionen und der Navigation – wie wir es entwickeln», sagt Van Dijk.

Vor fünfzehn Jahren kam er in die Schweiz, um bei der damals neu aufgebauten Google-Niederlassung als Softwareentwickler zu arbeiten. 2013 wechselte er dann zu Elon Musks Raketenfirma SpaceX in Kalifornien. Nur dank einer Sondergenehmigung, da wegen der involvierten Militär­geheimnisse damals nur US-Bürger eingestellt werden. Die Verantwortung sei gross gewesen: «An einem Raketenunfall will man nicht die Schuld tragen.» Musks Ambitionen haben ihn für sein eigenes Unternehmen geprägt: «Wenn man an etwas Grossem arbeitet, macht den Mitarbeitern die Arbeit viel mehr Spass.» Sein Start-up könne statt viel Geld eine «interessantere Aufgabe» bieten. Bei SpaceX hat er auch die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden zu schätzen gelernt. «Die Nasa oder die US-Flugaufsicht FAA sind keine sturen Beamten, die nur ihren Regeln folgen. Aber sie wollen Beweise sehen, dass ein System sicher funktioniert – dann sind sie auch offen für neue Ideen», beobachtet Van Dijk. Man müsse sie als Kunden betrachten, deren Probleme man lösen müsse.

Nach schon einem Jahr zog es Van Dijk aber zurück in die Schweiz. ­Besonders die Schule für seine zwei Töchter war dafür ein wichtiger Grund. «Ausserdem ist die Lebensqualität hier sehr gut» – es sei daher auch kein Problem, qualifizierte Angestellte für Daedalean zu finden. Über vierzig Mitarbeiter sind schon an Bord.

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