Kaffee mit…

Manuel Stagars, Filmregisseur

«Mir geht es um Inhalt und darum, dass die Zuschauer mitdenken», betont Manuel Stagars bei der Frage nach der Resonanz auf seine Dokumentarfilmserie «Start-up». Sie wurde vergangenen Monat auf YouTube und anderen Kanälen kostenlos aufgeschaltet. Auch wer sich nur kurz mit dem preisgekrönten Filmregisseur unterhält, nimmt ihm diese Aussage völlig ab. «Meine Filme und Podcasts eignen sich nicht gut für den leichten Konsum, mal eben so nebenher», erläutert er bei unserem Gespräch via Skype. Ursprünglich wollten wir uns im Kraftwerk in Zürich zu einem Kaffee treffen, doch eine Knieoperation verlegte das Geschehen in die digitale Welt.

Generell erlebt Stagars immer wieder, dass seine Projekte polarisieren. Entweder werden sie mit viel Wohlwollen aufgenommen oder treffen auf starke Ablehnung. «Ich gehe den Themen nach, die mich selbst brennend interessieren. Meine Arbeit soll Denkanstösse bieten. Ich möchte dem Publikum keine Tutorials oder Handlungsanweisungen geben. Wenn meine Filme oder Podcasts Impulse geben, dann ist das wunderbar.» Mit «Start-up» will Stagars den ungeschminkten Alltag von Jungunternehmern aus dem Deep-Tech-Bereich der Schweiz zeigen. Den Alltag mit all seinen Freuden, Frustrationen aber auch den Längen und ohne den Hype, der sonst klischeehaft mit Tech-Unternehmen verbunden wird. Die Schweizer Hochschulen haben als Keimzellen und Förderer junger Talente in der Schweiz eine überaus wichtige Rolle. Forscher von überallher werden angezogen. Durch die Filme wird auch deutlich, wie sehr die Innovationsfähigkeit und die Start-up-Szene hierzulande gerade auch von der Offenheit der Schweiz leben.

Auch Manuel Stagars lebt diesen Geist. Er selbst hat sich schon mehrmals als Unternehmensgründer betätigt, in verschiedenen Ecken der Welt. Sein erstes Internetunternehmen «Audiobox» rief er 1996 in der Schweiz ins Leben, als das Netz noch in den Kinderschuhen steckte. «Damals gab es kaum Bücher über Start-ups. Ich habe einfach mal losgewurstelt. Heutzutage gibt es dagegen so viel Förderung von Jungunternehmern. Die Möglichkeiten sind riesig.»

Darüber hinaus galt Stagars Interesse schon immer der Musik. Schon als Kind erprobte er sich unter anderem am Synthesizer. Seine Firma half denn auch Firmen dabei, ihren Internetauftritt mit Musik, Tönen und Stimmen aufzupeppen. Schnell waren die Dienste von Audiobox auch international gefragt. Doch bald lockte Hollywood. Als Wirtschaftskrise und Dotcom-Crash zu Beginn des Jahrtausends der IT-Industrie stark zusetzten, bekam er Angebote, für Spielfilme in den USA die Filmmusik zu schreiben. Er eröffnete ein Studio am Venice Beach in Los Angeles und arbeitete unter anderem am Schweizer Film «Achtung, fertig, Charlie» mit. Er produzierte aber auch Popmusik, das Geschäft florierte.

Seine Neugier und die Freude am Ausprobieren brachten ihn auch nach Japan. Die Faszination für japanische Zeichentrickfilme liess ihn mit einem Kumpel zusammen, dem Kameramann, seinen ersten Dokumentarfilm über diese Industrie machen. Er wollte wissen, wie die Filme entstehen und führte dazu auch Interviews mit Zeichnern, die es für solch einen Film in Heerscharen braucht. Schliesslich brachte ihn ein Musikprojekt permanent nach Tokio, wo er wiederum drei Jahre lebte. All diese Projekte hielten ihn nicht davon ab, nebenher ein Wirtschaftsstudium an der London School of Economics zu absolvieren, sich in Anlageberatung weiterzubilden, Bücher zu schreiben, als Consultant zu arbeiten und überall auf der Welt Vorträge zu halten. Dieses attraktive Gesamtpaket brachte die ETH Zürich dazu, ihn für ihr Zentrum in Singapur anzustellen. Die ETH wollte dort Forschungsprojekte zu Start-ups ausbauen und Stagars brachte alles mit, was es dazu braucht. Einmal dort, lancierte er ein eigenes Projekt zu «Open Data» in Südostasien, China und Indien. Seine Forschungsresultate brachte er der Welt in Form von kurzen Filmclips näher.

Wieder zurück in der Schweiz folgten Dokumentarfilme über Fintech und Blockchain. Aktuell arbeitet er an einem Podcast zum Thema «Deep Technology». Darin geht er der Frage nach, wie die Schweizer Bevölkerung über neue Technologien denkt. Auch eine ganze Schulklasse war dafür im Interview. Diese Diskussion wird am Samstag, 22. August auf diversen Podcast-Plattformen aufgeschaltet. Natürlich arbeitet er bereits an mehreren neuen Projekten. Die Themen Kreativität und Innovation treiben ihn derzeit um. Man glaubt es ihm sofort.

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