Kaffee mit…

Max Weiland, Gründer und CEO von Beaconsmind

Max Weiland lässt seinen Blick gelassen über den kleinen Zürcher Schiffländeplatz gleiten und nippt an seinem Kaffee. Das heisse Getränk, mangels Alternativen von Starbucks, hilft. Einige Sonnenstrahlen lassen den kalten Frühlingsmorgen nur kurz wärmer wirken als er ist. Dann setzt der womöglich letzte Schneefall des Winters ein. Es ist April. Doch die jungen Frauen tragen Juli. In knöchelfreien Hosen und dünnen Jacken stehen sie zu Dutzenden quer über die Schifflände vor einem Kleidergeschäft an. Das Smartphone in der Hand, den jüngsten Modetrend im Kopf. Weiland lächelt wissend. «Viele Menschen haben nach dem Lockdown das Bedürfnis, einzukaufen», sagt er. «Der Einzelhandel muss sich im Kampf um die Kunden etwas einfallen lassen.»

Der Fünfunddreissigjährige hat klare Vorstellungen, was das sein könnte. Weiland ist Gründer und Geschäftsführer von Beaconsmind, einem Zürcher Unternehmen, das technische Systeme für standortbasiertes Marketing entwickelt und vertreibt. Mit dem System können Geschäfte Kunden auf der Verkaufsfläche mittels Push-Nachricht auf ihrem Smartphone über Aktionen und Neuerscheinungen informieren oder ihnen aufgrund vergangener Einkäufe Produkte vorschlagen. Die Kunden wiederum können vor Ort Waren, beispielsweise ein Kleidungsstück, scannen und sie sich in der gewünschten Ausführung bringen lassen. «Bring it to me», heisst das dann passend. «Die jungen Leute leben ja quasi im Smartphone, also verbinden wir das physische Shoppingerlebnis mit dem digitalen», sagt Weiland.

Im Einzelhandel, auf den Beaconsmind abzielt, kommt das gut an. Der Sportartikelriese Adidas hat die Lösung weltweit in über hundert Flagship Stores integriert. Im März gelang Beaconsmind mit dem Einrichtungsanbieter Depot ein weiterer Coup. Fünfhundert Geschäfte in der deutschsprachigen Region sollen ausgerüstet werden. Für das Jungunternehmen lohnt sich das gleich doppelt. Zum einen erzielt es auf Hardware und Installation des Systems eine Marge von 40%, zum anderen trägt der Vertrieb der Software mit 90% Marge zum Ergebnis bei. Für 2021 erwartet Weiland erstmals schwarze Zahlen. Nach dem Gang an die Wiener Börse und die Euronext in Paris im Frühjahr wäre es der zweite Höhepunkt des Jahres.

Den frischen Börsengang merkt man Weiland an. Erzählt er von seinem Unternehmen, verkauft er nicht nur die Equity-Story, als wäre er auf Kapitalsuche. Er agiert dabei auch extrem vorsichtig. «Ich darf leider nicht sagen, wie viele Mitarbeiter wir beschäftigen», heisst es dann beispielsweise plötzlich. «Das haben wir nie kommuniziert.» Verübeln kann man ihm seine Vorsicht nicht. Weiland hat viel Zeit und Herzblut in seinen Traum investiert. Ohne Abitur begann der gebürtige Deutsche nach der mittleren Reife eine Ausbildung zum Mediengestalter. Nach sechs Jahren machte er sich mit der Gründung von Eviom, eines auf Onlinemarketing spezialisierten Beratungsunternehmens, selbstständig. Das war 2009. Wieder sechs Jahre später verkaufte er seine Anteile am inzwischen international agierenden Unternehmen und gründete Beaconsmind. Ihm sei sofort klar geworden, dass er seine Energie voll in diese Idee investieren wolle, sagt er. Also setzte er alles auf eine Karte.

Seither wirbt er an vorderster Front für seine Idee, pendelt zwischen Stäfa, den Einkaufsmeilen in fernen Ländern und Uetikon am See, wo er lebt. Vergangene Woche standen die Vereinigten Arabischen Emirate auf dem Programm. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit. «Die Emirate sind eines der Länder, die Corona gut managen und bei denen der Einzelhandel stetig wächst», sagt er. «Deshalb wollen wir da wachsen.»

Dauert es einmal länger, nimmt Weiland die Familie kurzerhand mit. Familie, das sind seine Frau und zwei Söhne. Sechs Monate ist der Jüngste alt. «Ohne einen starken Partner wäre das alles nicht möglich», sagt Weiland. «Meine Frau hält mir den Rücken frei.» Könnte er sich als Chef denn nicht stärker zurücknehmen? «Dafür mache ich meinen Job zu gerne. Ausserdem wächst man in diesem Geschäft vor allem über Beziehungen – da braucht es meinen Einsatz.»

Die Schlange wartender junger Frauen hat sich verkürzt, das kühle Wetter ist geblieben. Gut möglich, dass auch mit höheren Temperaturen im Sommer das sonst so rege Treiben in den Einkaufsstrassen der Städte nicht komplett zurückkehrt. Digitale Initiativen haben die physischen Standorte für manchen Konsumenten ersetzt. Doch Weiland glaubt, genau davon profitieren zu können. Der Einzelhandel sei wegen Corona in die Offensive und suche nach Lösungen, um die beiden Welten zu verbinden, sagt er. «Das können wir. Deshalb haben wir keine Zeit zu verlieren.»

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