Kaffee mit…

Monique Bourquin, Verwaltungsrätin

Sozusagen auf dem Weg an die ETH in Zürich macht Monique Bourquin einen kurzen Halt bei der Tamedia. Fünf Mal im Jahr unterrichtet sie im Rahmen des Executive-Master-Programms. Sie ist zwar seit 2016 nicht mehr exekutiv tätig. Doch Bourquin arbeitet im Verwaltungsrat von vier Unternehmen und ist seit zwei Jahren Präsidentin des Markenartikelverbands Promarca. Zudem ist sie im Stiftungsratsausschuss von Swisscontact. Da ist Zeit ein knappes Gut.

Ihren Anfang nahm Bourquins Karriere bei der heutigen PricewaterhouseCoopers (PwC). Wie viele Absolventen der Universität St. Gallen zog es sie in die Beratung. «Ich habe viel gelernt. Aber nach vier Jahren wollte ich mich in einem Bereich vertiefen», sagt sie. Mit dem Konsumgütersektor hatte die heute 53-Jährige bis dahin kaum Berührungspunkte. «In meinem Umfeld waren aber diejenigen, die in diesem Bereich arbeiteten, am zufriedensten.» Das habe sich auch für sie bewahrheitet. «Es ist sehr spannend, ein Markenprodukt von A bis Z zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.» Das Segment sei schnelllebig, kompetitiv und transparent. Erfolg und Misserfolg zeigen sich schnell. Den Start machte sie bei Knorr, Rivella und Mövenpick. 2002 stieg sie in den Unilever-Konzern ein. Nach Positionen im Marketing und im Verkauf war sie von 2008 bis 2012 Country Manager von Unilever Schweiz, von 2012 bis 2016 Finanzchefin in Hamburg für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Seit 2017 ist sie neben ihren Mandaten beim Milchverarbeiter Emmi und beim Gebäckhersteller Kambly Mitglied des Verwaltungsrats von Straumann. Das Geschäft des Zahnimplantatspezialisten unterscheidet sich vom Retailbereich. Aber das Unternehmen habe jemanden mit ihrem Profil gesucht – Exekutiverfahrung im Konsumgüterbereich mit internationaler Ausrichtung. Dabei suchten viele Gesellschaften für den Verwaltungsrat und für das Management auch explizit nach Frauen. Für Bourquin darf dies aber nicht ein Ausschlusskriterium sein. «Am Schluss sollte die am besten qualifizierte Person aus der Auswahl den Job erhalten.» Es sei wichtig, dass Mitglieder mit unterschiedlichem Hintergrund arbeiteten. Das Geschlecht sei dabei ein Faktor, und nicht immer sei es einfach, Frauen zu finden. «Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass qualifizierte Frauen die Verantwortung und die zeitliche Beanspruchung auf oberster Stufe gar nicht unbedingt wollen, gerade der Familie wegen.»

Dabei spiele die gesellschaftliche Prägung eine wichtige Rolle. Bourquin wuchs bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Frankreich auf. «Da war es normal, dass die Mütter ebenso wie die Väter berufstätig waren», erinnert sie sich. «Frauen müssen sehen, dass es andere Frauen vor ihnen auch geschafft haben – und dabei ganz bodenständig geblieben sind.» Dafür sollten auch die Strukturen stimmen und die Betreuung bezahlbar sein. «Da hinkt die Schweiz noch hinterher. Das Selbstverständnis, dass auch Frauen mit Kindern voll erwerbstätig sind und Karriere machen, ist noch nicht gegeben.» Auch die Unternehmen müssten aktiv mitwirken.

Sie nimmt aber auch die Einzelnen in die Verantwortung. «Am wichtigsten ist, dass man einen Job findet, den man wirklich gerne macht und wo es Spass bereitet, sich voll zu engagieren.» Arbeitnehmer sollten sich stets herausfordern, bereit sein, Vollgas zu geben, Ziele zu erreichen oder zu übertreffen und nicht einfach nur eine Stelle suchen, «wo man es sich in der eigenen Komfortzone angenehm einrichten kann». Dazu gehöre gerade in jüngeren Jahren, den Arbeitgeber zu wechseln, wenn es nicht mehr vorwärtsgehe. Hinsichtlich Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei auch die Wahl des Partners ein sehr wichtiger Entscheid. «Ich habe es gut getroffen. Mein Mann hat mich bei dem, was ich mache, immer unterstützt.»

Heute verfügt Bourquin über ein breites Portfolio. Die Aufgaben befruchteten sich gegenseitig. Anfang Juni wurde sie zudem in den Verwaltungsrat des Arzneimittel- und Naturkosmetikherstellers Weleda gewählt. Das Gesamtpensum sei aber nicht mehr so hoch wie früher. «Das erlaubt es mir, mehr Zeit mit meiner Teenager-Tochter zu verbringen, was für mich sehr wichtig ist.» Bourquin golft mit der Familie und unternimmt Biketouren. Lange Zeit pendelte die Managerin wöchentlich zwischen Hamburg und der Schweiz. «Ich habe das immer sehr gerne gemacht, aber heute vermisse ich es nicht. Im Gegenteil.»


Monique Bourquin ist eine von drei für den Women’s Board Award nominierten Verwaltungsrätinnen. Die Verleihung findet am 24. Juni statt.

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